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Mit Kettenrasseln und Gespenstergeheul

Oscar Wildes Gespensterklassiker als musikalisches Live-Hörspiel Mit Kettenrasseln und Gespenstergeheul

Jonte ist acht Jahre alt und kennt sich aus. „Es geht um eine amerikanische Familie, die nach England in ein altes Schloss zieht und da spukt’s“, skizziert er knapp die Handlung von Oscar Wildes bekanntester Spukgeschichte vom Gespenst von Canterville.

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Humorig-schaurig: Thomas Esser erzählt Oscar wildes „Gespenst von Canterville im stilvollen Wohnzimmerambiente.

Quelle: Jacob Funk

Hameln. Zusammen mit seinem Bruder Luis (12) und seinem Nachbar Tom (8) drängt sich Jonte in die Vorstellung des ausverkauften Theaters auf der Bühne (TAB). Zwischen den Stuhlreihen bietet eine Kuschelwiese Platz für die Kleinsten. Direkt davor sitzt Erzähler Thomas Esser im Wohnzimmerambiente: ein Lampenschirm mit Jagdmotiven, ein Tisch mit Teeservice und allerlei Utensilien zum Geräusche machen.
Es wird still und die Gespenstergeschichte beginnt. Hier die aufgeklärten, fortschrittsgläubigen Amerikaner, die mit Pinkertons Universal Fleckenreiniger dem geheimnisvollen Blutfleck auf dem Teppich an den Kragen wollen, dort das zunehmend verzweifeltere Gespenst, das auf Erlösung hofft.
 Esser erzählt die Geschichte als Live-Hörspiel, macht dazu akustische und elektronische Geräusche, spielt mal auf der Gitarre, dann wieder auf einem Glockenspiel. An anderer Stelle donnert ein Gewitter, prasselt der Regen, rasseln Ketten und heult der Sturm.
Die Spukgeschichte entwickelt sich langsam zum Konflikt zwischen der unromantischen Realisten der Familie Otis und englischer Gespensterromantik. Letztere obsiegt am Ende, denn durch die mitfühlende Seele der jungen, unschuldigen Virginia wird das schuldbeladene Gespenst erlöst.
 Auch wenn sich die Anspielungen auf das Verhältnis zwischen Amerikanern und Briten den jungen Zuschauern wohl kaum erschlossen haben, waren sie dennoch begeistert von der kindgerechten Gestaltung und Essers Erzählstil. „Toll, wie der das macht“ flüsterte ein Mädchen ihrer Freundin zu. Die war vom Gespenst so fasziniert, dass sie als Antwort nur zu nicken wagte.

Von Ernst August Wolf

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