Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Musikalische Perle im Programm

Kulturverein Bückeburg Musikalische Perle im Programm

Mit seinem ersten Kammerkonzert der Saison hat der Kulturverein die Messlatte gleich sehr hoch gehängt. Eingeladen war das „Domin Quartett“ aus Heidelberg, ein professionelles und an diesem Abend bestens aufgelegtes Streicher- Ensemble.

Voriger Artikel
„Man muss gegen das Alter angehen“
Nächster Artikel
Monolog im Ruderboot

Die Damen des Kulturvereins überreichen den Mitgliedern des Quartetts Geschenke.

Quelle: mig

Bückeburg. Wer den Kulturverein kennt, weiß, dass seine Programme abwechslungsreich gestaltet sind. Von der Kammermusik über die Alte Musik bis zur symphonischen Musik – es kommt jedes Genre zu seinem Recht. Das zeigt auch der Auftritt des „Domin Quartetts“, eines Streicher-Ensembles, das in seiner ursprünglichen Besetzung aus Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters Heidelberg besteht. Und auch wenn die 2. Geigerin aufgrund eines Sehnenanrisses fehlte: Thierry Stöckel (Violine), Gast Sorin-Dan Capatina (ebenfalls Violine), Marianne Venzago (Viola) und Min-Yung Lee (Violoncello) agierten, als würden sie seit Jahren zusammenspielen.

 Das leicht veränderte, technisch aber trotzdem immens anspruchsvolle Programm gelang jedenfalls ohne Fehler. Den Anfang machte Joaquin Turinas „La oracion del torero“ für Streichquartett (para cuarteto de cuerda), op. 34. Das Stück, das laut Ulfert Woyd, Geschäftsführer des Philharmonischen Orchesters Heidelberg, sehr selten gespielt wird, nimmt Anleihen am alten spanischen Nationalstil, ist überhaupt sehr farbenprächtig und kontrastreich. Zunächst wird der Torero von der Bewegung des Publikums mitgerissen; eine Bewegung, die das hellhörige Quartett sehr schön auslotet. Das Gebet endet in einem langen, flüsternden Pianissimo, das man als konzentrierte Versenkung, vielleicht auch als Angst vor dem Kampf lesen kann.

 Ein weiterer Höhepunkt folgte mit dem Streichquartett Nr. 19 C-Dur KV 465 „Dissonanzen-Quartett“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Mozart hatte das Stück Joseph Haydn gewidmet, den er tief verehrte. Seinen Beinamen erhielt es aufgrund des für diese Zeit „dissonanten“, fast zögerlichen Beginns. Der hatte beim Publikum für Unmut gesorgt. Mozart war seiner Zeit wieder einmal weit voraus. Das zeigt auch eine nähere Betrachtung des einleitenden Adagios. Denn während die anderen Haydn- Quartette direkt ins Hauptthema einsteigen, tasten sich hierbei 22 Takte in abenteuerlichen harmonischen Wendungen an die Grundtonart (C-Dur) heran. Der Beginn setzt Reibung an Reibung, Querstand an Querstand. Im Rokoko bleibt dieses Stück einzigartig.

 Den Heidelbergern bereitete das Quartett jedenfalls keine Probleme. Schon das einleitende Adagio ist von einer Leichtigkeit und Klangintensität, wie man es selten hört. Das Andante cantabile war erfüllt von großer Poesie. Im quirligen Finale schließlich geht die Post ab. Stöckel glänzt mit einer virtuosen Fingerfertigkeit, seine leichtfüßigen Läufe waren ein Genuss. Das ist eine brillante, beseelte Interpretation, die fast an sinfonische Dichte heranreicht. Die Musiker folgen den unterschiedlichen Klangstrukturen des „Dissonanzen-Quartetts“ bis in die feinsten Verästelungen und legen sie frei.

 Fazit: Das war ein Konzert auf höchstem Niveau, eine Perle im Programm des Kulturvereins. mig

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben