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Musikalisches vom ersten Superstar

Klavierkonzert Musikalisches vom ersten Superstar

Um „Träumer und Visionäre“ geht es beim Klavierkonzert von Mariko Sudo im Obernkirchener Stift. Gespielt werden am 12. Juni, ab 17 Uhr,  Werke von Liszt, Schumann, Chopin und Skrjabin.

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Pianistin Mariko Sudo spielt im Stift Obernkirchen Werke von „Träumern und Visionären“ – von Liszt, Schumann, Chopin und Skrjabin.

Quelle: pr.

Obernkirchen. Es ist ein Skandal, der die sogenannte bessere Gesellschaft in den Grundfesten erschüttert: 1834 geht der 23-jährige Franz Liszt eine Liebesbeziehung mit der verheirateten und sechs Jahre älteren Gräfin Marie d‘Agoult ein. Um den Skandal vollkommen zu machen, fliehen beide in die Schweiz, später nach Italien.

Während dieses Zusammenlebens, das nie durch einen Trauschein legitimiert wird, obwohl die Gräfin inzwischen geschieden wird, wird Liszt Vater dreier Kinder und komponiert Werke, die unter „Années de Pèlerinage“ (Pilgerjahre) bekannt wurden.

Musikalische Reflektion

Es sind Lieder, die Liszts Eindrücke auf seinen Reisen musikalisch reflektieren. Mit dieser Musik dokumentiert der Komponist vor allem seine persönliche, innere Entwicklung, und dies über einen längeren Zeitraum hinweg: Natureindrücken in der Schweiz schließt sich die Bewunderung italienischer Kunst und Literatur an, bis der Weg in späteren Lebensjahren in geistigen Sphären religiöser Meditationen mündet.

Zu hören sind Teile der Pilgerreise am kommenden Sonntag, 12. Juni, ab 17 Uhr: Die Pianistin Mariko Sudo spielt in der Reihe „Internationale Konzerte im Stift Obernkirchen“ Werke von „Träumern und Visionären“, von Liszt, Robert Schumann, Frédéric Chopin und Alexander Skrjabin.

„Träumer und Visionäre“, unter diesem Titel stellt die deutsch-japanische Musikerin Klavierwerke von romantischen Komponisten gegenüber. Inspiration für das Programm fand Sudo in einem Gedicht über den Schöpfungsdrang des russischen Komponisten und Mystikers Skrjabin.

Im Konzert werden unterschiedliche Aspekte des schöpferischen Geistes durch eine Auswahl der „Fantasiestücke“ op. 12 von Schumann sowie durch „Préludes“ von Chopin und Skrjabin und Charakterstücke aus den „Pilgerjahren“ von Liszt evoziert.

Künstlerisches Eigengewicht

Ebenso entwirft Schumann in op. 12 phantasievolle Stimmungsgemälde, die Eindrücke und Empfindungen musikalisch nachzeichnen. Die einzelnen Stücke sind nun umfangreicher und erhalten ein höheres künstlerisches Eigengewicht als in allen zuvor entstandenen Klavierzyklen. Sie bieten ein facettenreiches Kaleidoskop motivischer, harmonischer und rhythmischer Finessen in unterschiedlichen Stimmungslagen.

Die Spielanweisungen verdeutlichen die jeweils vom Rezipienten aufzugreifende Disposition, deren Palette von „Sehr innig“ und „Mit Leidenschaft“ bis hin zu „Mit Humor“ und sogar „Mit gutem Humor“ reicht. Der Bogen führt von abendlich-nächtlicher zur heiter-beschwingten Stimmung.

Debüt in der Carnegie Hall

Sudo gab ihr Debüt 2011 in der Carnegie Hall New York. Sie ist regelmäßig zu Gast bei diversen internationalen Musikfestivals. Bei nationalen und internationalen Wettbewerben erhielt sie zahlreiche Preise, etwas den Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Preis der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sowie den Kammermusikpreis der „Freunde Junger Musiker “ in Berlin.

Zur „Solistin in Residence“ des Neusser Kammerorchesters wurde sie 2010 ernannt. Ihre Ausbildung rundete sie 2013 mit einem Masterstudium bei der Pianistenlegende Menahem Pressler in Bloomington ab.

Eintrittskarten für den Klavierabend gibt es nur an der Abendkasse im Stift. Sie kosten zehn Euro für Erwachsene und fünf Euro für Schüler.

Und Franz Liszt? War seit 1840 unentwegt auf Konzertreisen, mit deren Erlös er für den Unterhalt seiner Kinder, seiner Geliebten und seiner Mutter aufkam – und er selbst hatte gegen ein luxuriöses Leben gleichfalls nichts einzuwenden.

Jubel ohne Grenzen

Wo er auch hinkam: Seine Konzerte waren ausverkauft, der Jubel kannte keine Grenzen. Im Gegenteil: In Berlin waren die Konzerterfolge so triumphal, dass der Dichter Heinrich Heine den Begriff „Lisztomanie“ prägte. Es ging ein regelrechter Zauber von Liszts Virtuosität und seinem Wesen aus. Liszt war zum ersten Superstar geworden, auch wenn es den Begriff damals noch nicht gab.

Allerdings: Die Beziehung zur Gräfin überstand Ruhm und Reisen nicht. rnk

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