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Sex, crime and religious

Loccum / Theater im Kloster Sex, crime and religious

Mit „Mord im Kloster“ ist das sieben Monate andauernde Jubiläumsfest zum 850-jährigen Bestehen des Klosters Loccum beendet worden. Die Pastoren aus dem Kirchenkreis Stolzenau-Loccum haben dieses Theaterstück in der Klosterkirche aufgeführt. Die Reformation im Kloster Loccum ist dabei das Thema gewesen.

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Abt Theodor Stracke (Joachim Köhler) erzählt seinem Prior (Traugott Rede), was er in seiner Chronik geschrieben hat.

Quelle: ade

Loccum. „Wenn man heute mit einem Stück Erfolg haben will, muss man drei Dinge haben: sex, crime and religious!“ So einfach hat Horst Hirschler, Abt des Kloster Loccum, zu Beginn der Aufführung den Untertitel zu dem von ihm geschriebenen Stück „Mord im Kloster“ erklärt. Dass die drei Elemente nicht nur dazu angetan sein sollten, der Aufführung Erfolg und viele Besucher zu bescheren, sondern tatsächlich eine große Rolle in der 850-jährigen Geschichte des Klosters gespielt haben, zeigten die Pastoren aus dem Kirchenkreis in den folgenden Stunden und in sechs Akten.

 Der Sex ist erst gegen Ende der Aufführung ins Spiel gekommen. Demjenigen, der immer wieder als Erzähler der Geschichte am Rande der Bühne Platz nahm, ist dieses Element zugefallen: Abt Theodor Stracke – gemimt von Pastor Joachim Köhler, der vor wenigen Wochen noch Loccums Stiftsprediger war – ist nämlich zu seiner Zeit den Reizen einer schönen Loccumerin erlegen.

 Groß ist die Rolle Strackes in der Klostergeschichte: Zum einen ist er, der das Kloster von 1600 bis 1630 leitete, der erste bedeutende reformierte Abt in Loccum gewesen. Zum anderen ist es auch die Chronik, die er über die Klostergeschichte schrieb, die Hirschler als Leitfaden für das von ihm verfasste Stück diente.

 Und dann war da eben noch die Geschichte mit der Loccumerin Anna, mit der er einen Sohn zeugte, für den er mit dem ersten Freihof des Klosters bestens sorgte, und den er auch adoptierte. Geheiratet hat er die Anna zwar nicht, mit ihr aber immerhin doch die Freiheit eines evangelischen Geistlichen ausgelebt. Von der Freiheit der Christenmenschen, wie sie Luther gepredigt hat, ist dann auch des Öfteren die Rede gewesen, wenn auch meistens in anderem Zusammenhang als dieser Episode von Stracke.

 Das zweite Element, das Hirschler eingesetzt hat – crime, also das Verbrechen – hat sich bereits wesentlich früher zugetragen. 1528 war es schon, als der - katholische – Abt Burchard Stöter von einem Bauern aus Münchehagen erschlagen wurde. Den Bauern mit der Axt hat Münchehagens Pastor Wolfram Braselmann gemimt. Als Abt Burchard hingegen ließ sich der 80-jährige Hirschler selbst erschlagen und stürzte vor rund 550 Zuschauern in der Klosterkirche mit großem Gottvertrauen und Vertrauen auf die anderen Pastoren, die ihn schon auffangen würden, auf die Bühne.

 Und dass Religion das beherrschende Thema bei einem Theaterstück, das ausschließlich mit Pastoren besetzt ist, von einem Geistlichen geschrieben wurde und als Thema den Übergang eines katholischen Klosters zur Reformation hat, versteht sich von selbst.

 Als letzte von mehr als 100 Kulturveranstaltungen zum 850-jährigen Bestehen des Klosters ist dieses Stück am Reformationstag über die Bühne gegangen. Ein wenig Wehmut hat bei manchen der Zuschauer angesichts dieses Endes mitgeschwungen. Ein wenig Freude auf die kommende Zeit, in der wieder etwas mehr Ruhe ins Kloster einkehrt, bei manch anderem aber auch. ade

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