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Stasi an westdeutschen Hochschulen

Forschung Stasi an westdeutschen Hochschulen

Die Universität Münster ist an einem Forschungsprojekt über frühere „Stasi-Spitzel“ an westdeutschen Hochschulen in Zeiten des Kalten Krieges beteiligt. Historiker aus Münster und von den Universitäten Bremen, Kassel und Kiel wollen dabei untersuchen, welche Motivation die geschätzten 170 „West-IM“ (Inoffizielle Mitarbeiter) in den eigenen Reihen zur Mitarbeit beim Staatssicherheitsdienst der ehemaligen DDR antrieb.

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Münster/Kassel. Es ist den Angaben der Westfälischen Wilhelms-Universität zufolge das erste Mal, dass die Stasi-Westarbeit an Hochschulen umfangreich erforscht wird. „Auf dem kleinen Feld der Forschungen zur Stasi-Westarbeit sind die Universitäten bisher noch gar nicht im Fokus gewesen“, sagte Projektleiter Thomas Großbölting vom Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte/Zeitgeschichte in Münster. Universitäten im Bundesgebiet seien aus unterschiedlichen Gründen für die Auslandsspionage des Ministeriums für Staatssicherheit bedeutsam gewesen. So werde die Uni Münster in den alten Berichten des IM mit dem Decknamen „Park“ als sogenannte Kaderschmiede des Kapitalismus bezeichnet.
 An der Universität Kiel habe sich die Stasi besonders für wirtschafts- und politikberatende Fragen der dortigen Institute für Weltwirtschaft und für Sicherheitspolitik interessiert. Die Universitäten Bremen und Kassel wiederum zeichneten sich durch ihre Nähe zu Rüstungsbetrieben und als mögliche Ziele für Militärspionage aus, hieß es. Die Historiker aus Münster, Bremen, Kassel und Kiel wollen den Angaben nach anhand der über 100 IM-Hochschulspitzel nun herausfinden, welche Informationen weitergegeben wurden und welche Möglichkeiten die Stasi zur aktiven Beeinflussung von Universitäten im Westen hatte.
 IM „Park“ aus Münster war laut den Akten in den Stasi-Archiven als Bibliothekar an der Wilhelms-Universität tätig und wurde 1974 von der Staatssicherheit angeworben. Seit 1975 reiste er regelmäßig in die DDR, berichtete über Professoren und Studierende wie auch über einzelne Institute. Er informierte die Stasi auch über den Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) und die Evangelische Studentengemeinde (ESG). „Park“ besorgte den Angaben zufolge Vorlesungsverzeichnisse, sammelte Studentenzeitungen und schrieb akribisch Namen aus Unterschriftenlisten und Protestbriefen ab. Über seine Pensionierung hinaus war er als IM tätig und wurde von der DDR mehrfach ausgezeichnet.

Von Juliane Albrecht

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