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Stimmen – so klar, sanft und hoch

Konzert des Schwarzmeer-Kosakenchors Stimmen – so klar, sanft und hoch

Ja, es war ein Konzert in der katholischen Sankt-Sturmius-Kirche. Ja, es wurden auch das Ave-Maria von Schubert und Teile aus einer Totenmesse gesungen, letzteres in Gedenken an die in den vergangenen Tagen durch Terror ermordeten Menschen. Und doch – der seit Jahrzehnten berühmte Schwarzmeer-Kosakenchor mit Peter Orloff an der Spitze, er hat etwas von einem berührenden Zirkus.

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 Peter Orloff (rechts) und seine Schwarzmeer-Kosaken demonstrieren einmal mehr ihr enormes sängerisches Vermögen.

Quelle: cok

Rinteln. Die Art, wie der großartige Chor um sein Publikum wirbt, mit wie viel Gefühl die phantasieuniformierten Männer singen, wie sie sich durch dramatische Gesten mit werbend ausgebreiteten Armen in Szene setzen. Wenn das zunächst eher pathetisch-religiöse Programm übergeht in die herzzerschmelzenden russischen Melodien wie „Kalinka“, dann sieht man nicht mehr einen Chor vor sich, auch nicht einfach eine Reihe von durchaus als Solisten erfolgreichen Männern, sondern es geht um eine Inszenierung von Gefühl und Drama, die an die Art erinnert, wie in den großartigen Zirkussen die Livemusik es unternimmt, absolute Hingabe an die Kunst zu theatralisieren.

 Peter Orloff, der rank und schlank und charismatisch wie immer seine Sängerpersönlichkeiten anführt, so leidenschaftlich, als sei er nicht schon unendlich lange im Geschäft, sondern als hätte er gerade eben erst mit den Schwarzmeer-Kosaken seinen Musiker-Traum verwirklicht. Er wirbt nicht nur mit der Klasse seines Gesangs um das Publikum, sondern er spricht die Zuhörer an mit leuchtendem Blick an Einzelne, mit Werbung um Applaus, charmanter Moderation und Sprüchen wie die, dass Pavarotti sich allenfalls bemüht habe, die Töne so perfekt zu treffen wie sein Sänger Oleg Kulyeshov.

 Es ist keine Angeberei. Der Schwarzmeer-Kosakenchor hat es wirklich in sich. Unglaublich, wie der eigentlich so harmlos aussehende Igor Ishchak seine Sopranstimme erheben kann, überragend klar, sanft und so hoch, dass man meint, unter den Kosakensängern hätte sich eine Frau eingeschmuggelt. Tatsächlich gibt es ja eine Frau in der Truppe, Irina Kripakova, die ebenso virtuos auf ihrer Laute, der Domra, spielt, wie Ilya Kurtev auf dem mächtigen Bajan-Bass-Akkordeon. Stefan Arinisky, riesengroß und auch in höherem Alter ein prächtig anzusehender Mann, er zieht in seinen Soli alle Aufmerksamkeit auf sich, und doch können die Sängerkollegen, alles außergewöhnliche Persönlichkeiten, mit ihm mithalten.

 Kein Wunder, dass die Menschen in der voll besetzten Kirche einfach nur begeistert waren. So ist es ja immer, wo der Schwarzmeer-Kosakenchor auftritt. Zum dritten Mal waren die Sänger in den vergangenen Jahren in Rinteln präsent. Und sie versprachen wiederzukommen. Wer sie noch nicht erlebt hat, sollte sich das nicht entgehen lassen. „Wir werden das beste Konzert unserer Laufbahn geben“, sprach Peter Orloff. Das sagt er sicher jedes Mal – und doch: Es wirkt auch jedes Mal so, als löse er dieses Versprechen wirklich hier und jetzt ein. cok

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