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Tür zum Unbekannten aufstoßen

Von Schweden nach Schloss Baum Tür zum Unbekannten aufstoßen

„Man fährt weg mit Nichts und kommt nach Hause mit einem Song“ – so ist das, wenn Stefan Johansson unterwegs ist, um sich als Sänger und Liedtexter von der Welt inspirieren zu lassen.

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Singer & Songwriter mit viel Gefühl: der gebürtige Schwede Stefan Johansson.

Quelle: wk

Rusbend. Dabei sind es jedoch nicht nur ferne Länder wie Thailand, Japan und Neuseeland, die er – seinerzeit noch als Straßenmusiker mit seiner Gitarre im Gepäck – intensiv bereist hat und in denen er viel über das Leben und sich selbst gelernt hat, was er auch in seinen Liedern zum Ausdruck bringt.

Zu Songs verarbeitet er vielmehr auch Erkenntnisse, die er in seiner Heimat Nordschweden gewonnen hat, in der er gelegentlich eine Auszeit nimmt, falls er mal nicht auf Tour ist oder er mit seiner Familie in seiner Wahl-Heimatstadt Dresden verweilt.

Der Titel seines jüngsten Albums, „The Door to the Unknown“, das Johansson als Fundament seiner Deutschlandtournee gewählt hat, lässt sich durchaus als ein Lebensmotto interpretieren. Denn „die Tür zum Unbekannten“ hat der 1978 geborene Musiker allein schon dadurch immer wieder aufgestoßen, dass er im Alter von 19 Jahren aus Schweden ausgezogen ist, um die weite Welt zu entdecken.

100 Besucher

Den Gitarrenvirtuosen Christian „Krishn“ Kypke, mit dem zusammen er jetzt ein Konzert auf Schloss Baum in Rusbend gegeben hat, hatte er vor rund sechs Jahren in Dresden kennengelernt, wo dieser ebenfalls Weit-Gereiste lebt. Und weil die beiden damals schnell gemerkt hatten, dass es einfach passt, beschlossen sie, ab und an gemeinsam Musik zu machen. Eine weise Entscheidung, wie nun auch die rund 100 Besucher dieses vom evangelischen Jugendwerk Schaumburg-Lippe präsentierten Gigs erleben durften.

Denn wie schon bei einem früheren gemeinsamen Auftritt in dem altehrwürdigen Gemäuer ergänzten sich die Musiker perfekt. Und zwar sowohl, was den die Seele berührenden, streckenweise mehrstimmigen Gesang betrifft, der von Johanssons warm-temperierter Stimme geprägt war, als auch hinsichtlich ihres mitreißenden Gitarrenspiels, das Kypke mit viel Gefühl und Fingerfertigkeit veredelte. So etwa durch Passagen aus filigran eingeflochtenen Flageoletttönen, durch mit dem E-Bow erzeugte, sphärisch anmutende Saitenklänge und durch den speziellen Sound seiner Sitar. Ein 20-saitiges Instrument, das er sich vor längerer Zeit während eines dreimonatigen Aufenthaltes in Indien von einem dortigen alten Sitarbauer hatte anfertigen lassen.

Faszination Sitar

Eigentlich sei er damals nach Indien gereist, um mal eine Auszeit zu nehmen, verriet Kypke zwischen zwei Songs. Doch als er seinerzeit beim Gang durch die Stadt den kleinen Laden des alten Herrn entdeckt hatte und mit ihm ins Gespräch gekommen war, sei es mit der geplanten Abstinenz vorbei gewesen. Und fast die ganzen drei Monate seines Indien-Aufenthaltes sei er täglich für jeweils zwei Stunden bei dem Inder, der zugleich auch Sitarlehrer war, in die Schule gegangen, um zusammen mit anderen Musikschülern das Spielen dieses komplexen, faszinierenden Instrumentes zu erlernen.

Trotz seiner Begeisterung für dieses Instrument setzte Kypke seine Sitar („Die 68er-Generation kriegt feuchte Augen, wenn ich dieses Instrument auspacke“) bei dem Gig mit Johansson nur sparsam ein, um den Zauber, der dem obertonreichen Sitarsound inne wohnt, nicht der Inflation preiszugeben. Stattdessen setzte er damit gezielt Akzente, nutzte aber auch die Gelegenheit, auf dem 20-Saiter einen längeren Solopart zum Besten zu geben. Zu den stärksten Momenten gehörte ein von Johansson auf Schwedisch gesungenes, von meditativ angehauchten, sehnsuchtsvollen Sitarklängen getragenes melancholisches Liebeslied, das zwei höchst unterschiedliche Welten harmonisch verband.

Ums Zwischenmenschliche ging es auch in Johanssons englischsprachigem, stilistisch ins Folksong-Gewand gekleidetem Stück „Together“, das er so anmoderierte: „Mir ist schon klar, dass ein Song über Frieden nicht wirklich die Welt verändert, aber vielleicht verändert er zumindest den Blick auf die Welt – und das wäre ja auch schon etwas.“  wk

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