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Unter die Haut und direkt ins Gemüt

„Gans oder gar nicht!“ Unter die Haut und direkt ins Gemüt

Jutta, Erika, Christine, Brigitte und die 17 anderen Frauen der Turngruppe aus Hastenbeck sind begeistert. Die Entscheidung, ihren „Mädelsabend“ beim Pe-Werner-Konzert im großen Haus des Hamelner Theaters zu verbringen, hat sich als goldrichtig erwiesen.

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Ein scharfzüngiger Ritt durch den weihnachtlichen Konsumterror – gepaart mit Weihnachtssongs, die unter die Haut gehen: Pe Werner und das Trio de Luxe (mit Adam Zolynski, links, Martin Benz und Peter Grabinger, der nicht im Bild ist) im Hamelner Theater.

Quelle: eaw

Von Ernst August Wolf

Hameln. „Gans oder gar nicht!“, so heißt die Bühnenshow, die die in Köln lebende Sängerin, Buchautorin und Kabarettistin, Jahrgang 1960, präsentiert. Viele ihrer eigenen Songs seien im Sommer an südlichen Stränden entstanden, berichtet sie. Winter- und Weihnachtslieder wie das durchgefrorene „Viel zu kalt“, das nachdenklich-sozialkritische „Wie kommst Du über den Winter?“ oder die Wintererinnerungen an schneeballkalte Hände in „Weißt Du noch?“.

„Ne Prise Zimt und mehr“ ist die erweitere Fassung der Vorjahres-CD betitelt, die Pe Werner zusammen mit der HR-Bigband und dem Deutschen Filmorchester Babelsberg produziert hat. In Hameln stellt die Künstlerin die Lieder zusammen mit dem Trio de Luxe vor: Peter Grabinger am Flügel, der ebenso wie der polnische Geiger Adam Zolynski für seine Soli Extra-Applaus einheimst, Tontechniker Piet Lenz erweist sich als versierter Bluesharp-Spieler und Backgroundsänger, für tiefe Töne und melancholisches Flair sorgt der Cellist Martin Benz.

Im Mittelpunkt aber stehen die herrlich auf diese Besetzung hin arrangierten Songs der Sängerin. Mal heiter, mal melancholisch, egal, ob nun eigene Lieder wie die humorvolle, von allen Beteiligten a cappella vorgetragene Version von „Prima essen gehen“, dem musikalischen Gänsebraten für Vegetarier in „Gans oder gar nicht!“ oder rhythmusdurchflutete Klassiker wie die Earth, Wind & Fire-Nummer „September“.

Scharfzüngig und in einprägsamen, poetisch gewohnt starken Bildern spießt Pe Werner die Oberflächlichkeit der derzeit überall tobenden Konsumweihnacht auf, macht sich lustig über all die „Shopping-Queens“ in den Einkaufszentren der Republik samt ihrer erschöpften, willenlosen und handzahm vor den Umkleidekabinen geparkten „Tüten-Hüter“.

Sprachliche Leckerbissen sind auch Pe Werners ausgefeilte Zwischenmoderationen. Von nahezu literarischer Qualität provozieren sie mitunter Spontanapplaus. Und auch den Loriot-Klassiker von der mörderischen Förstersfrau im Advent weiß Pe Werner spannend und effektvoll über die Rampe zu bringen. Unter die Haut und direkt ins Gemüt gehen Songs wie „Weihnachten ohne Dich“, in dem Pe Werner jenseits aller Sentimentalität tieftraurig die „Erinnerungszündschnur glimmen“ lässt.

Am Ende langanhaltender Applaus eines restlos begeisterten, dankbaren und gerührten Publikums für eine durch und durch professionelle Leistung. Vier Zugaben gab’s – und die Erkenntnis, dass bei all den vorweihnachtlichen Konzerten dem von Pe Werner am Kulturweihnachtsbaum vielleicht sogar der Spitzenplatz gebührt.

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