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Von bösen Kindern

Drei Ausstellung zu Max und Moritz Von bösen Kindern

Das Jubiläum der Geschichte vom „Urvater des Comics“ – 150 Jahre Max und Moritz – ist für Bilderbuch-Sammler Hans Witte aus Ohr bei Emmerthal eine ideale Gelegenheit, die „bösen Kinder“ aus der dunklen Ecke herausholen.

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Propaganda fürs Kinderzimmer: Max und Moritz mit Pickelhaube während des Ersten Weltkriegs.

Quelle: pr.

In drei Ausstellungen mit dem Titel „Böse Kinder – Max und Moritz, Struwwelpeter und Konsorten“, verteilt über das ganze Jahr, zeigt der Experte für Buchdruckkunst Teile seiner historischen Kinderbuchsammlung. Im Mittelpunkt steht dabei das Kind mit seinem „unartigen“ Verhalten. So, wie es bei Wilhelm Buschs bösen Buben Max und Moritz und in Heinrich Hoffmanns Struwwelpeter dargestellt wurde.

 Sammler Witte, im Erstberuf Lehrer, ist von einer Einordnung mit erhobenem Zeigefinger jedoch weit entfernt. Er versucht, die Figuren im Kontext ihrer Zeit aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Wittes eigentliche Leidenschaft aber gilt weniger der pädagogischen Intention als den wunderschönen alten Bilderbüchern selbst. Darunter sind auch einige Trittbrettfahrer, die sich die Popularität der Autoren zunutze machten, um bestimmte Inhalte zu transportieren. So zum Beispiel eine Ausgabe, in der Max und Moritz während des Ersten Weltkrieges in den Schützengraben gezerrt werden: In „Max und Moritz im Felde. Eine lustige Soldatengeschichte“ werden die Lausbuben mit Pickelhauben gezeigt. Kinder und Mütter sollten über diese neue Propaganda-Strategie im Kinderzimmer dazu angehalten werden, den Krieg mitzutragen.

 Über die Erziehung des Menschengeschlechts hat Wilhelm Busch fast sein Leben lang geschrieben, ganz besonders über die Erziehung werdender Männer. Auch im Struwwelpeter geht es um Erziehung – und ähnlich wie bei Max und Moritz von einer neuen Warte, die nicht die bis dahin üblichen guten und schönen Kinder der heilen bürgerlichen Welt vorbildhaft abbildete, wie Witte meint. Er glaubt, dass gerade der Struwwelpeter so gut ankam, weil er die Kinder mit all ihren Ängsten und Lügen, mit List und Heimtücke abbildete – die Moral folgt allerdings sogleich. Denn anders als Buschs Max und Moritz wollte der Struwwelpeter von vorneherein nie etwas anderes sein als ein Kinderbuch.

 Fakt ist – und das gilt für beide Bücher –, dass die Figuren gerade wegen ihrer Untaten beim kindlichen Leser Faszination und auch Sympathie wecken. Das war dem Verleger Heinrich Richter in Dresden wohl nicht bewusst, als er dem Autor und Illustrator Wilhelm Busch seine Manuskripte zurückgab. Stattdessen erschienen die ersten 4000 Exemplare 1865 beim Verlag Braun und Schneider in München. 1925 sprengte die 100. Auflage die Marke von anderthalb Millionen.

Von Dorothee Balzereit

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