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Von wohlig-warm bis schokobraun

Neujahrskonzert Von wohlig-warm bis schokobraun

Ein Cello kauft man nicht alle Tage – schon gar nicht für ein Kind. Maria Kliegel hatte Glück. Ihr musikalischer Vater hatte ihr Talent erkannt und gefördert, erst auf der Blockflöte.

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Almut Preuß-Niemeyer (Klavier, links) und Maria Kliegel (Violoncello ) spielen beim Neujahrskonzert des Lions Clubs Rinteln. Kliegel hofft, dort im Boden guten Halt für den Stachel ihres Instruments zu finden, hier in der Hand von Preuß-Niemeyer.

Quelle: dil

Rinteln.. Doch für die kleine Hausmusik hatte er dieses Instrument der Zwillingsschwester zugedacht, für die damals zehnjährige Maria lag ein Cello unterm Weihnachtsbaum. Diesem Instrument ist die heutige Dozentin an der Musikhochschule Köln treu geblieben, hat sich mit Solokonzerten einen Namen gemacht. Am Sonnabend, 3. Januar, 19.30 Uhr, spielt sie mit Almut Preuß-Niemeyer (Klavier) aus Rinteln beim Neujahrskonzert des Lions Clubs Rinteln im Brückentorsaal.

 Kliegel weiß, was ein Cello kostet und dass es bei historischen Instrumenten nach oben kaum Grenzen gibt: „Einige Jahre hatte ich eine Stradivari geliehen bekommen, gekauft von der Stiftung Kunst und Kultur Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Doch dieses Instrument wurde vor fünf Jahren von der Stiftung verkauft. Ich hatte aber kein Geld angesammelt, um mir etwas Neues zu kaufen. Deshalb habe ich erst einen Neubau aus der Musikhochschule benutzt, auf dem ich auch unterrichtet habe. Ich war froh, dieses Cello viel zu spielen, denn das tut dem Holz gut. Instrumente werden besser, wenn sie viel gespielt werden, anders als bei Autos.“

 Doch Kliegel wollte wieder Eigenes: „Nur der Preis steht in keinem Verhältnis zu den Honoraren für Konzerte. Man wächst aber mit seinem Instrument zusammen, und deshalb muss die Qualität zu der des Spielenden passen.“

 Fündig wurde sie über Hinweise eines „Geigenbaufreundes aus Köln“ auf eine Familie in Wien, die ein Cello aus dem Jahr 1730 aus der Werkstatt von Carlo Tononi in Venedig aus einem Nachlass anbot. Tononi ist beinahe das bei Celli, als was Stradivari bei Geigen gilt: Weltklasse. Nach Testen des Instruments, Befragen von Kennern und Verhandeln über den Preis hatte Kliegel ihr neues Instrument. „Es war in sehr gutem Zustand, kostete weniger als eine vergleichbare Stradivari und klingt wärmer, hat außerdem bei allen Tests überzeugt“, freut sie sich noch heute. „Ich bin jetzt dankbar, dass ich mein Instrument wechseln musste.“

 Was ist nun von dem Neujahrskonzert zu erwarten? „Ein Cello muss singen, der Klang bringt Fülle und Harmonien, der Tonumfang ist sehr groß“, schwärmt Kliegel. „Eine Geige kann das nur begrenzt, vor allem bei tiefen Tönen. Man kann ein Cello schokoladenbraun und wohlig-warm spielen, aber ihm auch fast Trompetenklänge entlocken, sehr zärtlich und sehr virtuos spielen. Doch für das Cello haben die großen Komponisten kaum Werke geschrieben. Erst in der Romantik wurde es als Soloinstrument entdeckt.“ Für das Konzert wurden entsprechende Werke ausgesucht, von spanischer Musik bis zu Opernklängen.

 Was erwartet die Zuhörer? „Leicht beschwingt ins neue Jahr mit Musik, die aber schwer zu spielen ist“, sagt Kliegel. Und Preuß-Niemeyer ergänzt: „Etwas zum Schmunzeln und fürs Herz ist auch dabei.“ Zweimal 45 Minuten Musik und eine halbe Stunde Pause sind unter dem Motto „Kleine Form – große Kunst“ vorgesehen. Karten für 20 Euro gibt es im Vorverkauf beim Bücherparadies an der Weserstraße und bei der Sparkasse an der Klosterstraße.

 Vor der Generalprobe im Saal sorgt sich Kliegel: „Was mache ich bloß mit meinem Stachel?“ Es geht darum, für diesen Teil des Cellos Halt am Boden zu finden. Ein Gummifuß hilft oft – oder ein Loch.dil

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