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„Vorlaute Phase“ im Stadium der Beschleunigung

Stadthagen / Interview „Vorlaute Phase“ im Stadium der Beschleunigung

„Ich kann doch auch nichts dafür“ - den Titel seines Solo-Kabarettprogrammes, mit dem er heute, Freitag, von 20 Uhr an, in der Aula des Stadthäger Ratsgymnasiums auftritt, hat Dieter Hildebrandt dem ganz normalen Leben abgelauscht.

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Von Jan Peter Wiborg
Stadthagen. „Überall auf Ämtern, auf Bahnhöfen und sogar unter Kollegen, ist es das, was ich immer wieder höre“, berichtet er im Gespräch mit dieser Zeitung. Hildebrandt kommt auf Einladung der GEW und der IG Metall nach Stadthagen. „Irgendjemand kann sicherlich etwas dafür, aber der ist nicht zu finden, oder gibt es nicht zu.“ Durch die Explosion der Technik sei die Ursache dessen, was getan und was nicht getan werde, in die Anonymität geraten., folgert der Kabarettist.

„Schneller und rasanter“ schätzt der 83-jährige Schlesier und Münchner in einer Person sein Programm ein. Steigert sich dieses gegen den Trend bis zum 90. Lebensjahr noch? Er lacht. „Das weiß ich nicht. Aber mir macht es noch Freude und so lange das Publikum kommt, komme ich auch noch.“

Die Zeiten für Kabarettisten haben sich nach seiner Einschätzung nie geändert: „Wenn man richtig nachdenkt, ist die Zeit immer ergiebig.“ Man habe immer die Möglichkeit darüber nachzudenken, wovon die Existenz abhänge.

Stets „wimmelt“ es bei ihm von Politikern, die ihm „etwas Gutes“ tun, an deren nicht immer rühmlichen Beispielen sich die Welt trefflich erklären lässt. Gerade war es noch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle, den der aus Schlesien stammende Münchner in der „Süddeutschen“ als Hauptziel kabarettistischer Attacken bezeichnete, da schieben sich – so sagt er – wieder andere in den Fokus.
Auf die Frage nach Tabus im Kabarett antwortet Hildebrandt schnell: „Die Eigenen.“ Ansonsten dürften diese in einer Demokratie nicht verordnet werden. Möglicherweise gebe es im sakralen Raum Tabus. „Aber die muss man fühlen.“

Wird das „Urgestein“ (Hildebrandt: „Schaut aber nicht so gut aus“) auf den Nachwuchs angesprochen, nennt er an erster Stelle Claus von Wagner, Matthias Tretter und Philipp Weber mit dem „Ersten deutschen Zwangsensemble“. Seinen Nachlass im Fernsehen sieht er am ehesten bei der Sendung „Neues aus der Anstalt“ als „ungefähre Fortsetzung dessen, was ich wollte“.

Hildebrandt absolviert in diesem Jahr zwischen 140 und 160 Bühnenauftritte und widmet sich mit Hingabe einer Neuauflage des Kinofilmes „Kir Royal“, immer neuerliche Kraft entsteht bei ihm durch die Lust an der Herausforderung.
Seine „vorlaute Phase“, wie Hildebrandt seine lange Karriere auch einmal genannt hat, soll erst dann enden, wenn er "das Transportmittel seiner Gedanken nicht mehr hat“.

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