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Welche Religion leuchtet am meisten ein?

Rinteln / "Nathan der Weise" Welche Religion leuchtet am meisten ein?

Vier Schauspieler und ein paar musikalische Akzente haben genügt, um das Theaterstück „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing in der St.-Nikolai-Kirche auf die Bühne zu bringen. Dabei schlug kein Blitz ein, als in der christlichen Kirche „Allah o Aqbar Allah“ ertönte, kein Donner grollte als Shalom gesungen wurde. Nun handelte es sich bei den fremden Klängen auch nicht um unerlaubtes Eindringen anderer Religionen in den christlichen Raum, sondern um die Einstimmung auf das inszenierte Stück.

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Die Darsteller des Ensembles gehen in „Nathan der Weise“ Fragen zu Religion und Toleranz nach. om

Rinteln. Von Claudia Masthoff

 „Nathan der Weise“, 1779 veröffentlicht, ist ein Klassiker zum Thema des friedlichen Miteinanders der Religionen. Und das Thema ist in bedrückender Weise immer noch hochaktuell, wie der Blick in die täglichen Nachrichten zeigt. Die Inszenierung des Ensembles Theatrum fiel besonders durch seine Lebendigkeit auf.

 Zum Text wurden auch musikalische Akzente gesetzt. Gesang, Wanderharfe, Cello und persische Santur gaben dem Stück eine ganz eigene Note. Mit nur vier Schauspielern, Hubertus von Krosigk, Christiane Friebe, Vahid Shahidifar und Sören Wendt, deckte das Ensemble alle Haupt- und Nebenrollen ab, was seinen Charme hatte. So konnte der Zuschauer direkt erleben, wie Schauspieler von einer Rolle in die Nächste schlüpften. Eben noch mächtiger, in sich ruhender, aber auch großzügiger Sultan mit funkelndem Edelstein am Turban, zeigte sich Shahidifar im nächsten Moment in der Kutte eines Bettelmönches, dessen Blick unstet umher flackerte und der mit eher verstohlenen Bewegungen über die Bühne huschte.

 Solche Verwandlungen, die auch die anderen Mitwirkenden beherrschten, bereiteten dem Publikum Vergnügen. Dass manche, ursprünglich als Monolog geschriebene Stellen, von mehreren Schauspielern aufgegriffen wurden, die sich so mimisch, sprachlich und gestisch den Ball zuwerfen konnten, erhöhte zusätzlich den Genuss für die Zuschauer.

 Im Stück findet Nathan am Ende die Antwort auf die Frage, welche Religion ihm nun am meisten einleuchtet. Alle Religionen sind Gottes geliebte Kinder, so Nathans Botschaft. Keine kann beweisen, die Wahrhaftigste zu sein und alle können sich nur bemühen, „sich bei Gott und den Menschen angenehm zu machen“. Dem ist bis heute nichts hinzuzufügen.

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