Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Wissen und Können weitergeben

Vorsitzender des Auswahlgremiums der Unesco im Interview Wissen und Können weitergeben

Jetzt ist es offiziell: Die Sage des Rattenfängers von Hameln taucht im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Unesco auf – und spielt damit in einer Liga mit der deutschen Brotkultur, Orgelbau und -musik, dem rheinischen Karneval und dem Reetdachdecker-Handwerk.

Voriger Artikel
Humorvoller Blick auf 2014
Nächster Artikel
Von wohlig-warm bis schokobraun

Der Orgelbau gehört zum Kultur-Erbe.

Quelle: pr.

Kultur.   Christoph Wulf, der Vorsitzende des Unesco-Auswahlgremiums, erklärt im Interview mit dieser Zeitung, wie die Entscheidung zustande kam – und warum das deutsche Bier keine Chance hatte.

83 Bewerbungen hatte die Unesco erhalten, 27 Traditionen und Bräuche haben es nun ins bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes geschafft. Neben der Hamelner Rattenfängersage vertreten: die deutsche Brotkultur, der rheinische Karneval mit all seinen lokalen Varianten, Orgelbau und Orgelmusik und das Singen der Lieder der deutschen Arbeiterbewegung.
Herr Professor Wulf, wie zufrieden sind Sie mit den Einreichungen für das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes?

Die Vielseitigkeit der Vorschläge aus der Zivilgesellschaft war sehr interessant. In den Bewerbungen zeigt sich, wie groß die kulturelle Vielfalt in Deutschland ist. Die vielleicht wertvollste Erkenntnis besteht darin zu erfahren, welche Traditionen und Bräuche die Menschen in den Regionen als ihre Schätze begreifen. Dem unabhängigen Expertenkomitee ist daher die Entscheidung nicht leichtgefallen, aus den 83 Bewerbungen eine Auswahl zu treffen.

Worauf hat das Komitee bei der Auswahl Wert gelegt?

Eine Tradition muss vor allem aktiv praktiziert werden und den Menschen als Trägern ein Gefühl von Identität vermitteln. Das Expertenkomitee hat besonders Wert darauf gelegt, wie die Menschen das Wissen und Können erhalten und an die nächsten Generationen weitergeben. Wichtig war auch, dass die Menschen Bräuche kreativ weiterentwickeln und dass jeder Interessierte daran teilnehmen kann.
Jugendkulturelle Phänomene und Gruppen mit Migrationshintergrund sind im Verzeichnis nicht vertreten.
Woran liegt das?

Aus diesen Bereichen gab es bislang keine Bewerbungen. Hier wünschen wir uns, dass sich neue Gruppen an der nächsten Bewerbungsrunde im März 2015 beteiligen. Schließlich soll das Verzeichnis die Realität der in Deutschland lebenden Menschen abbilden.

Es geht nicht um „deutsches immaterielles Kulturerbe“, sondern um „immaterielles Kulturerbe in Deutschland“. Was Jugendkulturen betrifft, stellt die Zeitspanne der kulturellen Praxis vielleicht eine gewisse Hürde dar. Wobei Phänomene wie Graffiti, Fankultur oder Sozialtafeln vermutlich schon über „Erbe-Charakter“ verfügen und ebenso engagierte Träger haben.
 

Interview: Farid Gardizi

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben