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Signale fürs Gesamtkunstwerk

Lichtkunst in Celle Signale fürs Gesamtkunstwerk

Alles ist erleuchtet. Wer hier die Unterführung unter den Gleisen nimmt oder sich auf eine Bank im Bahnhof setzt, erlebt Erhellendes. So geht es in Celle zu, der einzigen deutschen Stadt mit einem Kunstkonzept für den Bahnhof, mit einem 24-Stunden-Kunstmuseum und einem Kunstinitiator, der vor allem auf Ideen setzt.

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Erleuchtung auf dem Weg: Die LED-Installation „Lichtspieltheater“ an der Celler Bahnhofsunterführung von Vollrad Kutscher.

Quelle: Schacht

Celle. „Die Kraft der Idee ersetzt fehlende finanzielle Mittel“, sagt Robert Simon. Dieser Impresario, Kunstsammler und Kunstanstifter ist ein Schrittmacher von Kunst im öffentlichen Raum. Er zeigt seine Sammlung in Celle in jenem Kunstmuseum, dessen gläserne Hülle den Blick auf Kunst zulässt. Er gehört zu den Initiatoren der Skulpturenmeile in Hannover, hat in Stuttgart die Gestaltung des zentralen Kernerplatzes mit einer 18 Meter hohen Skulptur von Erich Hauser auf den Weg gebracht – und arbeitet in Celle gemeinsam mit Stadt und Bahn AG daran, die schlichte Bahnhofsanlage im Zuge einer umfassenden Renovierung künstlerisch aufzuwerten.

Ein Lichtkunstbahnhof? „Wenn wir fertig sind“, sagt Robert Simon,  „wird das ein begehbares Kunstwerk sein.“ Denn die Lichtkunst ist nur der Anfang – wenn auch besonders augenfällig: etwa das „Lichtspieltheater“, jene von Bewegungsmeldern gesteuerte LED-Lichtinstallation von Vollrad Kutscher, die die Bahnhofsunterführung in unterschiedlichen Farben erhellt, wenn sie durchquert wird. Oder auch die LED-Lichtsäulen an den Fassadenecken, die die Künstlerin Waltraut Cooper „Digitale Poesie“ nennt. Mischa Kuballs drehende Lampe vorm Bahnhof. Oder die illuminierten Glasbausteine von Francesco Mariottis Lichtkunstbänken in der Bahnhofshalle.

Das sind nach Simons Worten Schritte auf dem Weg zu einem Gesamtkunstwerk Bahnhof: In der Bahnhofshalle soll es künstlerische Lichtprojektionen geben. In der Unterführung zu den Gleisen sollen Schaukästen die Neonlichtkunstobjekte von Albert Hien zeigen. Und eine besondere Farbdramaturgie soll die Bahnsteige voneinander absetzen.

Ein Kunststück eigener Art ist die Finanzierung dieser Pläne. Vorteilhaft für deren Umsetzung ist, dass die Schaukästen ohnehin dem Bahn-Standard entsprechen. Und dass die Bahnsteigüberdachungen im Zuge der Bahnhofsrenovierung sowieso erneuert werden, nun aber in Blau, Gelb und Magenta leuchten. Abgesehen von der Installation Vollrad Kutschers sind, wie Robert Simon betont, alle Kunstobjekte von ihm allein finanziert. Wie er das bewerkstelligt, deutet er nur an. Sicher ist aber, dass er einiges an Überzeugungsarbeit leisten muss. „Weder die Lichtkunst am Celler Bahnhof  noch meine Ausstellungen im Kunstmuseum Celle gehen auf die Sammlung eines reichen Mannes zurück“, sagt Simon. „Ich konnte Künstler nie mit Geld anlocken, ich musste sie immer wieder überzeugen, mir Werke zu überlassen – eben mit der Kraft der Idee.“

Wie weit die reichen kann, ist derzeit auch in der Ausstellung „Die Kraft der Idee“ im Kunstmuseum Celle zu sehen.  Kuratorin Julia Otto hat 102 Werke und 37 Positionen aus der mehr als 1000 Kunstobjekte umfassenden Sammlung Robert Simons ausgewählt, die nach ihrer Einschätzung die Kraft der Idee besonders deutlich zeigen. Was dort auf drei Stockwerken gezeigt wird, reicht von Klassikern der zeitgenössischen Moderne wie Beuys oder Christo über bedeutende Künstler aus der Region wie Timm Ulrichs, Lienhard von Monkiewitsch oder Giso Westing bis zu internationalen Künstlern wie Jan van Munster oder Otto Piene. Piene ist zugleich das prominenteste Beispiel für den besonderen Lichtkunstschwerpunkt in der Sammlung Robert Simon. Die Exponate zeugen davon, dass zwischen dem 2014 verstorbenen Künstler und Robert Simon ein enges freundschaftliches Verhältnis bestand. Genauso übrigens wie zwischen Robert Simon und Dieter Krieg, der sich und dem Celler Kunstsammler auf einem übermalten Foto kurzerhand Eselsohren verpasst. Auch eine Idee.

Die Kraft der Idee, erläutert Robert Simon, besteht letztlich darin, Künstlern ein respektables und förderliches Umfeld für ihre Werke garantieren zu können. Und anders, als viele glauben, ist Simon gar nicht der Eigentümer von vielen Werken seiner Sammlung. Rund 40 Prozent seiner Sammlung basiert auf Zustiftungen von Künstlern,  die er von seinem Ausstellungs- und Sammlungskonzept überzeugt hat.

„Die Kraft der Idee. 20 Jahre Sammlung Robert Simon in Celle“. Bis 6. März 2016 im Kunstmuseum Celle, Schlossplatz 7, Celle.

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