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Ausstellung zeigt Beteiligung von Kinderärzten an NS-Verbrechen
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„Im Gedenken der Kinder“ Ausstellung zeigt Beteiligung von Kinderärzten an NS-Verbrechen

Das Dokumentationszentrum "Topographie des Terrors" in Berlin erinnert vom 18. Januar bis 20. Mai 2012 an die Kinder-Euthanasie während der Zeit des Nationalsozialismus. Die Ausstellung präsentiert das Schicksal von jungen Menschen, die die Nazis für „unwert“ hielten sowie das Leben der Täter, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Karriere fast nahtlos fortsetzten.

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Das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors zeigt vom 18. Januar bis 20. Mai dieses Jahres die Ausstellung "Im Gedenken der Kinder".

Quelle: dpa

Berlin. Über 10.000 kranke und behinderte Kinder sowie Jugendliche fielen bis 1945 verschiedenen Programmen zur Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ zum Opfer. Die Täter: Ärzte, Psychiater und ihre Helfer. Mehr als 5.000 Kinder wurden allein in eigens für die Tötung geschaffenen Einrichtungen gequält und ermordet. Kinder wurden aber auch Opfer von Gasmordaktionen, sie wurden für Experimente missbraucht und ihre Organe nach dem Tod für Forschungszwecke verwendet.

Historiker Thomas Beddies von der Berliner Universitätsklinik Charité, der die Ausstellung im Auftrag der DGKJ gestaltete, sagt, dass es nicht "um moralisch fragwürdige Vergehen" ginge, "sondern um Verbrechen". Schon vor 1933 sahen sich viele Mediziner unter dem Motto „Vernichten und Heilen“ als Richter über „lebensunwertes Leben“.

Die Ausstellung präsentiert unter anderem Dokumente und „Trostbriefe“ an verzweifelte Eltern. Sie zeigt aus den Akten den Leidensweg der Opfer und die Lebensläufe der beteiligten Mediziner.

Zu den Tätern gehörte beispielsweise der Kinderarzt Werner Catel. Er arbeitet als Gutachter in der Nazi-Zeit im „Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung erb- und anlagebedingter schwerer Leiden“. Zusammen mit zwei Kollegen entschied Catel, ob die mit einer Erbkrankheit oder einer Behinderung geborenen Kinder weiter leben sollten - oder mit Medikamenten vergiftet wurden.

Catel setzte seine Karriere fort: Sein „Lehrbuch zur Pflege des kranken und des gesunden Kinde“ galt als Standard in der Kinderpflege, auch nach dem Krieg. Er rechtfertigte die Morde und bestritt jede Schuld. Das Landgericht Hamburg lehnte 1949 ein Verfahren gegen ihn mit der Begründung ab, die „Verkürzung lebensunwerten Lebens“ stehe nicht im Gegensatz zum «allgemeinen Sittengesetz». Catel starb 1981 - als emeritierter Professor in Kiel.

Lange haben Ärzte und ihre Verbände über die Rolle der Medizin im NS-Staat geschwiegen. Die Ausstellung „Im Gedenken der Kinder“ macht nun das Ausmaß der Verbrechen deutlich. 

Stiftung Topographie des Terrors
Rechtsfähige Stiftung öffentlichen Rechts

Niederkirchnerstraße 8
10963 Berlin
Telefon 030 254509-0
Fax 030 254509-99

Öffnungszeiten
täglich 10 - 20 Uhr
Außenbereiche bis Einbruch der Dunkelheit (spätestens 20 Uhr)

Schließtage
24., 31. Dezember und 1. Januar

Eintritt frei

Die Ausstellungen sind für Rollstuhlfahrer barrierefrei.

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