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Bei Opel in Bochum gehen die Lichter aus

Freitag Werksschließung Bei Opel in Bochum gehen die Lichter aus

Für Bochum ist es ein schwarzer Tag: Freitag werden die letzten Autos im Opelwerk montiert, dann stehen die Bänder still. Daran hat auch der jahrelange Kampf der Arbeiter nichts ändern können. Vielen droht nun die Arbeitslosigkeit.

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Freitag gehen die Lichter aus, dann stehen die Bänder im Opelwerk Bochum für immer still.

Quelle: dpa

Bochum . Nach rund 52 Jahren Autoproduktion stoppen an diesem Freitag die Fließbänder im Bochumer Opelwerk. Die letzten Fahrzeuge des Opel-Familienvans Zafira würden montiert, danach laufe die Serienproduktion aus, sagte ein Werkssprecher. Opel schließt die Fabrik wegen Überkapazitäten, in der Ruhrgebietsstadt bleibt nur ein Ersatzteillager mit etwa 700 Arbeitsplätzen. Rund 3300 Opelaner stehen vor einer ungewissen beruflichen Zukunft. Die meisten wechseln für maximal zwei Jahre in eine Transfergesellschaft.

Nach Abschluss- und Aufräumarbeiten will Opel das Werk zum 1. Juli 2015 an die Nachfolgegesellschaft "Bochum Perspektive 2022" mit städtischer Mehrheit übergeben. Opel ist mit 49 Prozent beteiligt. Stadt, Land und der Autobauer wollen die riesige Werksfläche mit zunächst rund 50 Millionen Euro für die Neuansiedlung von kleineren Unternehmen aufbereiten. Die Post hat die Ansiedlung eines Paketzentrums mit 600 Stellen zugesagt.

Die Bochumer Opelaner sind im Schnitt 50 Jahre alt und über 20 Jahre im Betrieb. Ihre Vermittlungschancen auf einem Ruhr-Arbeitsmarkt mit überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit sehen Fachleute trotz guter Ausbildung und Transfergesellschaft mit Skepsis. Für Montag ist eine letzte Betriebsversammlung im Werk ist geplant. Am 12. Dezember geben die meisten Opelaner Werkskleidung und Ausweis ab.

dpa

Vom Werkstor in die Stammkneipe: Als Opel noch Familie war

"Ich hab das hier alles mit aufgebaut, jetzt sehe ich, wie es bald alles wieder abgerissen wird", sagt Rudi Schirmacher. Der 80 Jahre alte Gastwirt der Kneipe um die Ecke des einst stolzen Bochumer Opelwerks nippt an seinem Feierabendpils. Viel los ist hier nicht mehr. In der Ecke spielen drei Bochumer Karten. Die Gäste am Tresen sind schnell wieder weg.

Am Freitag rollt in den Werkshallen keine 200 Schritte von Schirmachers "Bürger-Klause" das letzte Auto vom Band. Eine Woche später geben die verbliebenen 3300 Mitarbeiter ihre Werksausweise ab. Das ist das Ende, gegen das sie lange angekämpft haben.

2004 war es noch gelungen mit einem Streik Schließungspläne des Mutterkonzerns General Motors abzuwehren. Als 2012 der Opel-Vorstand das Aus ankündigte, waren Wut und Verzweiflung groß. Inzwischen scheint es, als hätten viele derjenigen, deren Geschichte eng mit dem Traditionswerk verbunden ist, ihren Abschied schon längst genommen.

20.000 haben zu Spitzenzeiten dort gearbeitet

In die einstige Stammkneipe kommen nur noch wenige Opelaner regelmäßig, sagt Schirmacher. "Das Thema Opel ist für mich durch", winkt er ab. An die goldenen Zeiten jedoch erinnert er sich gern. 1961 öffnete die "Bürger-Klause". 1962 wurde nebenan der erste Kadett gebaut. Opel wurde zur Jobmaschine für das Revier mit seinen arbeitslos gewordenen Bergleuten. Rund 20.000 waren hier zu Spitzenzeiten beschäftigt.

Je mehr die Belegschaft wuchs, desto größer war der Durst der Opelbauer: "100 halbe Liter musste ich da schon mal vorzapfen, damit die alle versorgt waren in ihrer Pause. Musste ja schnell gehen", sagt Schirmacher. Die 1970er und 80er Jahre - das waren die Zeiten als der Schankraum aus allen Nähten platzte, wenn bei Opel der Schichtwechsel war.

"Wenn mir damals einer gesagt hätte, das geht mal zu Ende, ich hätte es nicht geglaubt." Opel sei einst eine große Familie gewesen: Ihren Söhnen und Töchtern gab sie das Versprechen, bis zur Rente ein sicheres Zuhause zu haben. "Was machen die denn jetzt? Opel ist ja kein Beruf", fragt Schirmacher und schüttelt den Kopf mit dem faltigen Gesicht.

Im Schnitt ist der Opel-Mitarbeiter 50 Jahre alt

Die Bochumer Opelaner sind im Schnitt 50 Jahre alt. So wie Günter Bärwolf. Er ist einer jener zahlreichen Opelaner in zweiter Generation. Schon sein Vater fand als Bergmann nach dem Aus seiner Zeche in Gelsenkirchen eine neue Anstellung. Und auch der Sohn, gelernter Radio- und Fernsehtechniker, hoffte, hier auf guten Verdienst und heuerte an. 26 Jahre ist das her.

Jetzt muss Bärwolf, der zuletzt in der Werkslogistik gearbeitet hat, sein Leben neu ausrichten. Andere Opel-Standorte kamen für ihn nicht infrage. "Ich bin hier im Ruhrgebiet zu Hause. Schon immer". Er wird - wie 2700 der verbliebenen Mitarbeiter - in die Transfergesellschaft wechseln, die sie auf neue Jobs vorbereiten soll. Logistik- oder IT-Branche - dort hofft er auf die Möglichkeit für einen beruflichen Neuanfang. "Jetzt hilft doch alles Jammern nichts. Der Kampf ist lange vorbei", sagt der IG-Metall-Vertrauensmann Bärwolf.

„Opel hat die Beziehung beendet“

So wie der Gelsenkirchener denken viele in der Belegschaft, berichtet der Betriebsratschef. "Wir haben ja die Auseinandersetzung um Opel mehr als zehn Jahre lang geführt. Jetzt ist das abgeschlossen. Opel hat die Beziehung beendet", so Rainer Einenkel. Unverständnis, Verbitterung, aber auch Zukunftssorgen seien bei den Verlassenen spürbar.

"Ich weiß, dass ich es mit 50 nicht mehr so leicht habe wie mit 30. Aber jetzt ist es halt so", sagt Bärwolf. Wehmut werde trotzdem dabei sein, wenn das letzte Auto vom Band rollt. "Ich habe einmal gern bei Opel gearbeitet".

Und am Ende? "Dann gehe ich durch das Tor und komme nicht wieder", sagt Bärwolf und zuckt mit den Schultern. Auch die einstige Stammkneipe seiner Kollegen wird er wohl nicht besuchen. Er war dort nie und muss noch fahren - einen silbernen Opel-Calibra. Was sonst?

dpa

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