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76 Milliarden Euro verloren

Neujahrsforum 76 Milliarden Euro verloren

Harte Kritik hat Heinz-Walter Wiedbrauck, Vorstandschef der Volksbank Hameln-Stadthagen, beim Neujahrsforum seines Hauses an der derzeitigen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank geübt. Zwar können sich durch die niedrigen Zinsen Staaten leichter als in Vorkrisenjahren Geld am Kapitalmarkt beschaffen, „die andere Seite der Medaille zeigt die deutsche Bevölkerung, die sich bedingt durch Minizinsen keine vernünftige Altersvorsorge aufbauen kann“, so Wiedbrauck in seiner Eröffnungsrede im Ratskeller.

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Nach Einschätzung von Heinz-Walter Wiedbrauck, Vorstandschef der Volksbank Hameln-Stadthagen, ist der Austritt Griechenlands aus dem Euro „gar keine schlechte Variante“.

Quelle: rg

Stadthagen. Auch diejenigen Rentner, die ihr Altersruhegeld durch Zinserträge aus Geldanlagen aufbessern wollten, seien die Verlierer der momentanen EZB-Politik. „Volkswirte haben ausgerechnet, dass der Verlust von Zinserträgen auf Spareinlagen und sonstige Einlagen der Bevölkerung fast doppelt so hoch ist, als die Zinsersparnis des Bundes bei der Herausgabe von Anleihen. Die Bevölkerung zahlt letztendlich die Zeche für diese Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank“, hob der Volksbank-Chef hervor.
In der anschließenden Diskussion mit Moderator, SN-Chefredakteur Marc Fügmann, erklärte Wiedbrauck, er gehe davon aus, dass die Niedrigzinsphase mindestens noch bis 2018 anhalten werde. Die Zentralbank wolle den Krisenländern in Südeuropa so Zeit kaufen, damit die Regierungen entsprechende Strukturreformen in Gang setzen können. „Ich schätze aber, dass es keine Reformen geben wird.“ Ein Zeichen dafür sei, dass Griechenlands Schulden offiziell bereits wieder bei 174 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angelangt seien.
Als Kardinalfehler bewertete der Volksbank-Vorstand die Milliardenhilfe für Griechenland im Jahr 2010. Damals hätten die Politiker Angst vor einem Dominoeffekt gehabt. „Deutschland ist jetzt offiziell um 55 Milliarden Euro ärmer. Experten sprechen von 76 Milliarden Euro“, ließ Wiedbrauck durchblicken. „Das Geld ist unwiederbringlich verloren.“
Vor der von Fügmann angesprochenen Parlamentswahl in Griechenland am kommenden Sonntag betonte der Volksbank-Chef, dass ein Austritt des Landes aus dem Euro „gar keine schlechte Variante“ sei. Die Folge wäre eine Abwertung der wieder eingeführten Drachme. „Dann können sich die Griechen wieder ihre eigenen Tomaten leisten“, so Wiedbrauck lakonisch.
In Sachen Konjunkturerwarten zeigte sich der Experte versöhnlicher. Angesichts des Mindestlohns, des derzeitigen Preisverfalls beim Rohöl sowie der niedrigen Kreditzinsen geht Wiedbrauck von einem Wachstum von 1,3 Prozent aus. Motor der Konjunktur wird seiner Einschätzung nach insbesondere die Binnennachfrage sein. Die weltweiten Krisen werden hingegen die Exporte dämpfen, schloss Wiedbrauck seine Prognose.

+++ Von Höfesterben und Kreiseln +++

Beim Neujahrsforum der Volksbank Hameln-Stadthagen bekamen die rund 300 Gäste einen tiefen Einblick in die ökonomische Entwicklung im Landkreis: Moderator Marc Fügmann entlockte bei der Podiumsdiskussion den „fünf Schaumburger Wirtschaftsweisen“ zahlreiche Hintergrundinformationen.
 + „Auch wir werden weniger“, bekannte Kreislandwirt Cord Lattwesen auf Fügmanns Frage nach einer möglichen Renaissance des bäuerlichen Berufszweigs. 2014 habe es noch 600 Höfe im Landkreis gegeben. Pro Jahr werden es zwischen 3,0 und 3,5 Prozent weniger. In den kommenden Jahren werden wir unter die Marke von 500 kommen“, so Lattwesen.
 

+ Angesprochen auf den zum 1. Januar eingeführten Mindestlohn machte Fritz Pape seinem Unmut über die neuen Dokumentionspflichten Luft: „Ich habe so eine Krawatte“, erklärte der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft mit entsprechender Geste. Er sei für den Mindestlohn als solchen und den Betrag von 8,50 Euro, der hohe bürokratische Aufwand sei allerdings kontraproduktiv, zumal die Regierung damit die im Grundgesetz verankerte Tarifautonomie verletzt habe. „Die Politiker haben keine Ahnung“, so Pape, „zumal wir im Handwerk bereits vorher deutlich mehr als die 8,50 Euro gezahlt haben.“

+ Günter Raabe, Chef des Stadthäger Stadtmarketing-Vereins (SMS), gab den Verwaltungsvertretern den Wunsch nach einer neuen Verkehrsführung in der Innenstadt mit auf den Weg. „Ich bin für Begegnungsverkehr in der Krummen Straße“, sagte Raabe. Den auf der Bahnhofstraße angedachten Kreisel tat der SMS-Chef als unnötig ab. Vielmehr müsse es in der Innenstadteine klare Verkehrsführung geben, um Kunden ins Zentrum zu locken.
 

+ Nach Ansicht von Martin Wrede, Leiter der IHK-Geschäftsstelle in Stadthagen, ist der viel zitierte Fachkräftemangel in Schaumburg kein Problem. Der demografische Wandel und die erwarteten Produktionssteigerungen würden entsprechende Argumente zudem entkräften. Wenn es Unternehmen nicht gelinge, geeignete Bewerber für offene Stellen zu finden, hänge dies auch bisweilen mit falschen Vorstellungen bei den potenziellen Arbeitnehmern zusammen.

+ Auch wenn die Zahl der Schaumburger in den kommenden Jahren abnehmen werde, werde sie keinesfalls arbeitslos werden, erklärte Cornelia Kurth. Es gebe weiterhin eine große Anzahl von Männern und Frauen auf der Suche nach einem neuen Job. Zudem habe das Thema Weiterbildung, insbesondere von Geringqualifizierten, nicht an Aktualität verloren.
 

+ Anlässlich des Neujahrsforums haben die SN Unternehmer nach ihren Prognosen für 2015 gefragt. Das Video gibt es auf sn-online.de.

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