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Schaumburger Börsennacht Am Scheideweg

Deutschland ist nach Ansicht von Carsten-Patrick Meier im Gegensatz zu anderen Euro-Ländern bisher kaum von der jüngsten Wirtschaftskrise betroffen gewesen. Der Inhaber des Wirtschaftsinstituts Kiel Economics sparte als Gastreferent bei der 14. Schaumburger Börsennacht der Sparkasse allerdings auch nicht mit Kritik an den Entscheidungen von EZB und Bundesregierung.

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Stellen sich den Fragen von Moderator Marc Fügmann (links): Sparkassen-Chef Hans-Heinrich Hahne (von rechts), Landrat Jörg Farr, Sascha Wagener, Geschäftsführer von AHE Schaumburger Weserkies, Andreas Blindow von den Bernd-Blindow-Schulen sowie Kurt Hüther, Geschäftsführer der OBO-Werke.

Quelle: rg

Stadthagen. Nach Ansicht des ehemaligen Rintelners Meier hatten die Hartz-IV-Reformen und die Wiedervereinigung entscheidenden Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands in den vergangenen Jahrzehnten. Dieser Sonderweg habe allerdings auch zu Implikationen für andere Länder in Europa geführt, insbesondere nach der Einführung des Euro. „Die Hartz-IV-Reformen haben verstärkt Menschen in den Arbeitsmarkt gebracht, bisweilen auch gezwungen“, so Meier. So sei die Zahl der Arbeitslosen von mehr als zwölf Millionen im Jahr 2005 auf knapp sechs Millionen in 2014 gefallen.

 „Dadurch sind die Löhne jedoch über Jahre hinweg kaum gestiegen.“ Für die anderen Euro-Länder sei dies fatal gewesen, weil diese keine Agenda 2010 angeschoben hätten. Das habe die Realzinsen in Deutschland erheblich gedrückt.

 Kritik übte Meier jedoch daran, dass die Regierungschefs der Währungsunion nach der Einführung des Euro 1998 als Rechnungseinheit und 2002 als Geld keine Fiskalunion folgen ließen. Nach Einschätzung des Experten sei dies jedoch kein irreparabler Fehler.

 „Wir sind nicht mit den falschen Völkern in der Wirtschaftsunion, wir haben nur den falschen Einstieg gewählt.“ Für Meier würde die Einrichtung einer Steuerunion wichtige Impulse geben, zumal die Maßnahmen der Wirtschaftskrise, die er als Medizin bezeichnete, bereits Wirkung zeigen.

 Dieser Schritt muss dem Gründer und Geschäftsführer von Kiel Economics zufolge in absehbarer Zeit in Angriff genommen werden, denn derzeit liege das Zinsniveau in Deutschland wie in der gesamten Euro-Zone unterhalb der Inflationsrate. „Das ist eine historische Situation“, betonte Meier. „Wenn die Realzinsen innerhalb einer Dekade von acht Prozent ins Minus rutschen, dann droht eine Explosion.“

 Die Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten bewertete Meier nicht als große Gefahr für die Weltwirtschaft. Als Indikator zog der Wirtschaftsdozent das Sinken des Ölpreises heran.

 „Ich gehe davon aus, dass uns die Ultra-Niedrigzinsen länger begleiten werden“, gab er eine Zukunftsprognose ab. Damit einhergehend werden die Immobilienpreise weiter steigen. „Es wird eine Entwicklung analog zu Spanien und Irland vor der Krise geben.“ Allerdings berge dies auch die Gefahr einer Blase, die früher oder später platzen kann.

 Nach Einschätzung Meiers werden die Rente mit 63 Jahren und der Mindestlohn die Arbeit in den kommenden Jahren verteuern. „Dies wird zu einem Anstieg der Inflation führen“, ist sich der Experte sicher. Langfristig müsse die Regierung darauf achten, dass sich daraus keine Krise entwickle und „wir uns immer mehr zu einem Spanien entwickeln“. bes

 

Kooperation ausbaufähig

Andreas Blindow, Geschäftsführer der Bernd-Blindow-Schulen wünscht sich für sein Unternehmen eine engere Kooperation mit den Schulen im Landkreis. Zwar gebe es bereits eine Zusammenarbeit mit zahlreichen allgemeinbildenden Schulen, Andreas Blindow bewertete das Verhältnis jedoch als ausbaufähig. Wichtig sei zudem, dass die Mieten in Schaumburg in den kommenden Jahren stabil bleiben. „Studenten und Schüler haben nur einen kleinen Geldbeutel“, verdeutlichte der Geschäftsführer der Bernd-Blindow-Schulen. „Es muss uns gelingen, junge Menschen für Schaumburg zu gewinnen“, betonte er vor dem Hintergrund des demografischen Wandels.

 

Namhafte Kunden

Kurt Hüther, einer der Geschäftsführer der Stadthäger OBO-Werke, bezeichnet sich selbst als „ausgesprochenen Europafreund“. „Wir haben einen hohen Exportanteil und die Einführung des Euros hat viele Hürden abgebaut“, schilderte Hüther. Dies habe nicht nur mit dem Wegfall von Wechselgebühren zu tun, auch in anderer Hinsicht haben die Entwicklungen innerhalb der EU viele Arbeitsschritte vereinfacht. Zu den Kunden der OBO-Werke gehören dem Geschäftsführer zufolge mit Faurecia und Accentform nur zwei Schaumburger Firmen, den Großteil machen hingegen so namhafte Unternehmen wie die Jaguar-Landrover-Gruppe. „Wir sind sehr froh, einen solchen Kunden zu haben.“

 

Zweites Standbein

Das Unternehmen AHE Schaumburger Weserkies ist nicht nur bei der Herstellung von Baustoffen, Betonprodukten und Verbundsteinen erfolgreich unterwegs: Aufgrund des geringen Wasserstands der Weser zwischen 1,1 und 1,2 Meter hat die Firma ein spezielles Schiff für einen sogenannten Schubverband in Tschechien bauen lassen. „Andere Unternehmen haben bereits Interesse dafür gezeigt“, führte AHE-Geschäftsführer Sascha Wagener aus. Mittlerweile sei das Schiff im Auftrag einer anderen Firma im Einsatz gewesen. „Diese Nische hat sich zu einem zweiten Geschäftsfeld entwickelt“, so Wagener. Als Reederei werde sich sein Unternehmen jedoch in absehbarer Zeit nicht betätigen.

 

Gekaufte Zeit statt Lösungen

Hans-Heinrich Hahne, Vorstandschef der Sparkasse Schaumburg, hält die derzeitige Geldpolitik der EZB für gescheitert. Er sieht in der Niedrigzinspolitik und der damit einhergehenden Geldschwemme einen gescheiterten Lösungsansatz für die jüngste Krise. „Die Verantwortlichen kaufen sich lediglich Zeit und arbeiten nicht an den Problemen“, ging er mit den Regierungschefs und der EZB-Führung hart ins Gericht. Schwächere Staaten werden dazu verleitet, dass sie sich weiter verschulden. Von einem übereilten Schritt in die entgegengesetzte Richtung hält Hahne indes auch nichts. Dies würde zu Turbulenzen anderer Art führen.

 

Kampagne für das Klima

Im Spannungsfeld zwischen Umweltbelangen und Unternehmensförderung will Landrat Jörg Farr besondere Anreize schaffen: „Wir wollen die Bevölkerung bei energetischen Sanierungen unterstützen“, so Farr. Dazu soll im März eine Klimaschutzkampagne gestartet werden. Anhand von Beispielimmobilien sollen die neuen Energieberater das Potenzial der einzelnen Schritte aufzeigen. Der Landrat verwies dabei auf die Erfolge in der Region Hannover. „Dort gab es für die Handwerker einen hohen Rücklauf an Aufträgen. Zudem sollen die entsprechend geschulten Energieberater dafür sorgen, dass die Interessierten neutral und unabhängig informiert werden.“ bes

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Dass Wirtschaftspolitik auch Standort- und Bildungsaspekte beinhaltet, haben die Podiumsgäste bei der 14. Auflage der Schaumburger Börsennacht der Sparkasse thematisiert. Die Themen Bildung und der viel zitierte Fachkräftemangel haben dabei einen breiten Raum eingenommen.

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