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Auf der Suche nach der Ausbildung

Projekt „Adelante“ holt Spanier nach Deutschland Auf der Suche nach der Ausbildung

Angesichts einer Jugendarbeitslosenquote von 55,5 Prozent hätte Manuel Jose Ruiz Muñiz in seinem Heimatland Spanien wohl nur schwer eine Ausbildungsstelle gefunden. Zusammen mit 34 anderen jungen Spaniern kam er im Frühjahr für ein Betriebspraktikum nach Deutschland zur Firma Elektramation in Elze.

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Der junge Spanier Manuel Jose Ruiz Muñiz lernt bei Elektramation in Elze elektrotechnisches Praxiswissen.

Quelle: ms

Von Maike Schaper

Wirtschaft. Heute macht er in diesem Betrieb eine Anschlussqualifizierung als Elektroniker für Automatisierungstechnik und hat Chancen auf eine Gleichwertigkeitsbescheinigung der IHK, die seine Ausbildung einer rein deutschen gleichsetzt.

Möglich gemacht wurde dieser länderübergreifende Wechsel durch das Projekt „Adelante“ (auf Deutsch „herein“). „Während hier in Deutschland Azubis händeringend gesucht werden, muss sich Spaniens Wirtschaft erst noch erholen. Solange sind viele junge Leute auf Ausbildungsplatzsuche,“ erklärt Torsten Temmeyer von der Industrie- und Handelskammer Hannover die Situation. Um für beide Seiten einen Nutzen zu schaffen, hat die IHK die länderübergreifende Kooperation mit Berufsschulen und der Außenhandelskammer (AHK) in Spanien ins Leben gerufen.

Bereits seit 2013 ist es Ziel des Projekts, spanischen Jugendlichen eine Ausbildung in Deutschland zu ermöglichen und Unternehmen bei der Suche nach Nachwuchsfachkräften zu unterstützen. Bisher läuft das Pilotprojekt im Gebiet der IHK Hannover und Südniedersachsen.

Finanzielle Unterstützung kommt aus Mitteln des Projekts „MobiPro EU“ der Bundesregierung, das Geld für die „Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen und arbeitslosen jungen Fachkräften aus Europa“ bereitstellt. In Spanien bildet die Berufsschule die Jugendlichen und jungen Erwachsen fachtheoretisch aus und verlangt ein dreimonatiges Pflichtpraktikum. Durch die Vermittlung über das Projekt „Adelante“ konnte Muñiz sein Praktikum bei der Elzer Firma Elektramation absolvieren.

„Das Praktikum in Deutschland dient auch dem gegenseitigen Kennenlernen,“ sagt Temmeyer. Wer sich in dieser Zeit bewähre, habe die Chance, in den Betrieb zurückzukehren und je nach individuellem Kenntnisstand entweder eine einjährige Anschlussqualifizierung oder eine zweijährige Ausbildung in Deutschland zu machen. Beides sei hinterher gleichzusetzen mit einem deutschen Ausbildungsabschluss.

„Von den 34 Spaniern, die Anfang dieses Jahres als Praktikanten nach Deutschland kamen, sind 22 zurückgekehrt, um ihre Ausbildung hier fortzusetzen. Die eine Hälfte von ihnen macht eine duale zweijährige Ausbildung, die andere Hälfte wie Ruiz Muñiz eine Anpassungsqualifikation von einem Jahr,“ berichtet IHK-Sprecher Temmeyer.

Schon in Spanien bekam Muñiz die theoretischen Grundlagen beigebracht, auf die er nun bei seiner Qualifizierung als Elektroniker für Automatisierungstechnik aufbauen kann. „Die theoretischen Vorkenntnisse aus der rein schulischen Ausbildung der spanischen Berufsschule scheinen sehr gut zu sein“, meint Elektramation-Geschäftsführer Holger Hümpel über den Kenntnisstand seines neuen Auszubildenden.

Die Firma Elektramation beschäftigt sich mit Automatisierungs-, Anlagen- und Robotertechnik, baut Schaltschränke und arbeitet unter anderem der Automobilindustrie zu. Auf das Programm „Adelante“ aufmerksam geworden ist Hümpel durch einen Hinweis der IHK-Geschäftsstelle Hildesheim. „Um qualifizierte Kräfte zu bekommen, habe ich schon Mitarbeiter aus Indien und der Ukraine angeworben“, berichtet Hümpel. „Es gibt zwar auch qualifizierte deutsche Fachkräfte, aber da das Angebot auf dem deutschen Markt derzeit gering ist und die Nachfrage hoch, ist es schwierig, welche zu bekommen. Diejenigen, die es gibt, können es sich leisten, sehr hohe Ansprüche zu stellen.“

Die deutschen Fachbegriffe für seinen Beruf lernt Muñiz bei der Arbeit und schreibt sie gleich in sein Vokalheft. Grundkenntnisse der deutschen Sprache haben die jungen Spanier schon in einem Vorbereitungskurs in ihrem Heimatland gelernt. In Deutschland geht das Lernen zweimal wöchentlich für jeweils drei Stunden weiter. Die Kurse werden von der Caritas organisiert, die den jungen Spaniern auch bei der Eingewöhnung unter die Arme greift. Sie bekommen Hilfe bei Arztbesuchen und Behördengängen. „Wir wollen nicht den Fehler der sechziger Jahre wiederholen, in denen Arbeiter ins Land geholt wurden, diese aber keine Hilfen zur Eingliederung in die Gesellschaft bekamen“, ergänzt Temmeyer
 

Eine Wohngelegenheit hat Muñiz bei einem Deutschen gefunden, der selbst spanisch spricht. Die beiden verstehen sich so gut, dass der „Gastvater“ sogar schon zwischendurch in Spanien zu Besuch bei seinem Mitbewohner war. Muñiz gefällt es in Deutschland: „Mir geht es gut hier. Mit der Zeit spreche ich besser und alles wird leichter.“

Temmeyer gibt zu bedenken, dass vielen Spaniern die Entscheidung, nach Deutschland zu kommen, nicht leichtfällt, da sie heimatverwurzelter seien als die Deutschen. Muñiz jedoch „fällt es nur ein bisschen schwer“, sagt er selbst. „Es ist schön hier, aber das Wetter nicht so. In Spanien ist es viel wärmer, selbst im Winter. Schnee habe ich noch nie gesehen.“

Am Ende seiner Anschlussqualifizierung will Muñiz in Deutschland bleiben, arbeiten und gut Deutsch sprechen können.

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