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Bis zu 120 Mitarbeiter müssen gehen

Entlassungen drohen Bis zu 120 Mitarbeiter müssen gehen

Rabenschwarzer Tag für die 478 Mitarbeiter von ITT Bornemann: Bei einer Belegschaftsversammlung sind sie am Donnerstag um 13.50 Uhr darüber informiert worden, dass im Rahmen einer neuen und nunmehr dritten „Restrukturierung“ bis zu 120 von ihnen die Entlassung droht.

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Quelle: pr.

Obernkirchen/Gelldorf. Damit muss jetzt jeder Vierte um seinen Arbeitsplatz bangen. Besonders schlimm: Anders als bei den beiden Aderlässen zuvor gehen Geschäftsführung und Betriebsrat davon aus, dass es diesmal erstmals auch zu betriebsbedingten Kündigungen kommen wird. Bleibt es bei den 120, wäre es – in absoluten Zahlen – die größte Kündigungswelle in der Geschichte des Pumpenspezialisten. In der Belegschaft munkelt man bereits von einer „Zerschlagung des Standortes Obernkirchen“.

Dass Bornemann ein Einschnitt bevorsteht – das hat aus Sicht der Geschäftsführung vor allem drei Ursachen: Neben den neuen Antworten, die Bornemann auf die Folgen der Globalisierung für die lokale Pumpenindustrie finden müsse, soll dazu eine ab Januar 2015 bei der US-amerikanischen Konzernmutter aufs Gleis gesetzten Neuausrichtung der Sparte Industrial Process (IP) gehören, von der die Gelldorfer ein Teil sind. „All das“, sagt Gerhard Rohlfing, „hätten wir aber vielleicht noch ohne größere Entlassungen wegstecken können – wenn da nicht der weltweite Ölpreisverfall wäre, der stärkste, den wir seit 20 Jahren erleben.“

Das sieht Stefan Rottke, bei Bornemann für die kaufmännische Geschäftsführung zuständig, ebenso wie sein Chefkollege und Leiter Technik: „Bornemann hängt zu etwa 80 Prozent am Öl.“ Da Großkunden der auf Öl-Förderanlagen spezialisierten Obernkirchener in Mexiko und Kanada ihrerseits Entlassungswellen in Gang setzten, würden Bornemann-Aufträge ein ums andere Mal auf die lange Bank geschoben und am Ende nicht selten storniert.

Ja, Kunden würden ihre Investitionen für 2015 um etwa 15 bis 25 Prozent zurückfahren – ein „Auftragsloch“, das die Gelldorfer mit einem Zeitverzug von sechs bis zwölf Monaten ab dem dritten Quartal 2015 zu spüren bekommen würden. Rohlfing und Rottke hatten als neue Doppelspitze zum 19. November/19. Dezember überraschend ihren Vorgänger Gero von der Wense abgelöst.

Kommt hinzu: Laut Rottke sei Bornemann 2013/2014 den im Zuge der Akquise in den Standort gesetzten Erwartungen in keiner Weise gerecht geworden. In Deutschland würden im Gegensatz zu Argentinien oder Kanada keine guten Ergebnisse erwirtschaftet. Misslich sei das vor allem vor dem Hintergrund, dass die US-amerikanische Konzernmutter viel in Obernkirchen investiert habe: Neben dem Kaufpreis von 206 Millionen seinen das 2013/2014 weitere vier bis viereinhalb Millionen US-Dollar gewesen – und allein die bis dato letzte und zweite Restrukturierung habe weitere sechs Millionen verschlungen.

Nicht zu reden von einer „Obernkirchen“ von der Mutter gewährten Kapitalerhöhung von nochmals 24 Millionen. „Davon“, so Rottke, „haben wir bislang leider fast nichts zurück verdient. Im Gegenteil: Wir kosten Geld.“ Angesichts dieser langfristigen Probleme und vor allem eines auch auf lange Sicht nicht auskömmlichen Ölpreises sei „Kurzarbeit leider kein probates Mittel“, bedauert Personaldirektor Marc Estorf.

Die Rettung für den größeren Rest der Bornemann-Belgschaft soll nun eine Rückbesinnung auf eine Obernkirchener Kernkompetenz bringen: die „Zwei-Spindel-Techologie“; dabei soll der Standort zum Kompetenzzentrum mit den Schwerpunkten Entwicklung, Produktion und Systemengineering, einschließlich der Lieferung schlüsselfertiger Systeme in der Region, umgewandelt werden. Die Bornemann-Chefs prophezeien signifikant steigende Verkaufszahlen. Laut Rohlfing und Rottke ist dafür „weltweit kein Standort besser geeignet als der unsrige“. Obernkirchen sei in Sachen „Zwei-Spindel-Techologie“ Marktführer.

Geopfert werden müsse dafür der in Gelldorf in einer eigenen GmbH zusammengefasste Bereich der einspindeligen Exzenterschneckenpumpen. Nachdem dort bereits Ende 2013 insgesamt 22 Mitarbeiter gehen mussten, sollen dort nun nochmals bis zu 32 Mitarbeiter ihre Jobs verlieren; weitere bis zu 90 würden in der Systemabwicklung (Konstruktion, Dokumentation, Montage, Einkauf) und darüber hinaus quer durchs Unternehmen abgebaut. Macht Summa summarum 120 Arbeitnehmer, die nun zittern.

Das ist eine Größenordnung, die Axel Weinert weder nachvollziehen kann noch mag. Der Betriebsratschef, für den Kurzarbeit der Geschäftsführung zum Trotz sehr wohl eine Alternative zu den Entlassungen ist, war von der Führungsetage am 26. Februar im Wirtschaftsausschuss über die dramatischen Pläne informiert worden. „Dass 120 Kollegen gehen sollen, davon habe ich erst am 3. März gehört. Es war ein Schock“, sagt Weinert. Nun gehe an der Industriestraße die nackte Angst um: „Jeder macht sich Sorgen.“ Er selbst fürchte um den Standort, dessen Erhalt „oberste Priorität“ habe.

Gemeinsam mit der IG Metall will der Betriebsratschef Mitte März die Möglichkeiten und Konditionen für einen Interessenausgleich und Sozialplan ausloten. Für Dienstag, den 17. März will Weinert dann eine Betriebsversammlung einberufen. Ziel sei es, bis Ende April Klarheit darüber zu haben, welche Mitarbeiter konkret auf der Entlassungsliste stehen werden; die Kündigungsfristen der ältesten Beschäftigten sollen bis zu sieben Monate betragen.

Einen Kummerkasten, in den jeder einzelne der Bornemänner – auch anonym – ab sofort seine Fragen und Befürchtungen in Zettelform werfen kann, will der Betriebsratschef bereits heute aufhängen. tw

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