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Die Hälfte darf nicht abstimmen

Neschen AG Die Hälfte darf nicht abstimmen

Mit Paukenschlägen ist die Hauptversammlung der Neschen AG in Hannover über die Bühne gegangen. Die Aktienpakete der Hauptaktionäre Londonderry (29 Prozent) sowie von Oliver Zinn und seines Vaters Rolf Zinn (13,34 Prozent) wurden von der Abstimmung über die Entlastung des Vorstands und der Neuwahl des Aufsichtsrates ausgeschlossen.

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Ringen um die Refinanzierung

Haben gute Zahlen für 2014 zu verkünden: Der Aufsichtsratsvorsitzende Robert Gärtner (von rechts), Vorstandssprecher Henrik Felbier und Vorstand Michael Aupke.

Quelle: rc

Bückeburg. Beide Aktionäre schlossen noch während der Versammlung Anfechtungsklagen gegen diesen Beschluss des Aufsichtsrates nicht aus.

 Deutlich wurde während der Versammlung, dass das operative Geschäft wieder läuft und – erstmals seit Jahren – wieder schwarze Zahlen geschrieben werden. Dennoch schwebt nach wie vor das Damoklesschwert einer Insolvenz über dem Unternehmen. Noch immer ist die Refinanzierung der Passivseite des Unternehmens nicht geklärt. Das Stillhalteabkommen mit Sandton Capital als Käufer des Schuldenpakets läuft am 2. Februar 2015 aus.

 Für den Ausschluss von Londonderry LLC legte der Aufsichtsrat die Aussage eines anonymen Zeugen vor, dass die Eigentümerstruktur verschleiert worden sei und dieser Anteilseigner als Treuhänder für Sandton Capital fungiere, der Anfang des Jahres die Neschen-Kredite in Höhe von 24,3 Millionen Euro samt eines Besserungsscheins für rund 4,5 Millionen Euro gekauft hat. Seitens Londonderry sei gegen melderechtliche Bestimmungen nach Wertpapierhandelsgesetz verstoßen worden, so der Aufsichtsratsvorsitzende Robert Gärtner. Auch bei den Aktien der Familie Zinn sei gegen melderechtliche Bestimmungen verstoßen worden. Der Aufsichtsratschef betonte in diesem Zusammenhang, dass Unterlagen vorliegen, die belegen würden, dass sich Rolf Zinn und Sandton im Vorfeld abgesprochen hätten, um Einfluss auf das Unternehmen zu bekommen.

 Sowohl dem Vertreter von Londonderry als auch von Oliver und Rolf Zinn wurde die Möglichkeit eingeräumt, die Vorwürfe noch während der Hauptversammlung zu entkräften. Unterlagen wurden zwar übergeben, die dem Aufsichtsrat aber nicht ausreichten. Der Vertreter von Londonderry, der Rechtsanwalt Laurenz Wieneke: „Es gibt kein Treuhandverhältnis.“ Die Vorwürfe beruhten nur auf Mutmaßungen. Er werde den Aufsichtsratsvorsitzenden persönlich verantwortlich machen.

 Die verbliebenen Aktionäre stärkten Vorstand und Aufsichtsrat den Rücken für den eingeschlagenen Sanierungskurs. Sowohl Vorstandsprecher Felbier als auch Vorstand Michael Aupke wurden mit mehr als 97 Prozent der Stimmen entlastet und wiedergewählt, ebenso der Aufsichtsratsvorsitzende Gärtner und Aufsichtsrat Bernd Capellen. Wie bereits im Vorjahr wurde Aufsichtsrat Joachim Koolmann nicht entlastet, später auch nicht wiedergewählt. Für Koolmann rückte auf Vorschlag des Hauptaktionärs VVG der Unternehmensberater und vormalige Daimler- und Wacker-Chemie-Manager Wolfgang Riehle in den Aufsichtsrat. Über den Vorschlag von Londonderry, den Ex-Mifa-Vorstand Stefan Weniger in den Vorstand zu wählen, wurde nicht mehr abgestimmt.

 Mit dieser Besetzung ist klar, dass die Amerikaner nicht in den Organen der Aktiengesellschaft vertreten sind. Insofern wichtig, da gegenüber dem Aufsichtsrat mehrfach die Forderung erhoben worden war, Vorstand Felbier abzulösen, wie Gärtner berichtete.

 Felbier ging in seinem Rechenschaftsbericht detailliert auf die Gespräche mit Sandton ein und forderte den Hedgefonds auf, endlich Klarheit zu schaffen, welche Refinanzierungsoption er für Neschen sehe. Mal fordere Sandton-Manager Tom Wood ein Tausch von Schulden in Eigenkapital (debt to Equity Swap) oder einen Erlass des Kredits gegen Teiltilgung. Felbier: „Sechs Millionen könnte Neschen tragen.“ Kurz vor der Hauptversammlung habe Neschen nun ein Schreiben Sandtons erreicht, in dem die Einschaltung eines neutralen Prüfers gefordert wird. Was nach den Worten Felbiers die vierte Prüfung in wenigen Monaten wäre.

 Jedenfalls drängt die Zeit. Denn am 2. Februar 2015 läuft das Stillhalteabkommen mit Sandton Capital aus, dann könnten die Kredite fällig gestellt werden. Sollte das passieren, schloss Felbier einen Insolvenzantrag nicht aus: „Obwohl wir operativ Gewinn machen. Wir hoffen, dass die Vernunft gewinnt.“

 Oder wie es Gärtner angesichts der Hauptversammlung mit Haken und Ösen ausdrückte: „Wir sind nicht auf Krawall gebürstet, wir wollen uns aber auch nicht erschießen lassen. Ab morgen drücken wir auf Reset. Wir wollen reden und eine vernünftige Lösung.“

 Was nach dieser Hauptversammlung nicht einfacher geworden sein dürfte. rc

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Neschen-Vorstandssprecher Henrik Felbier hat ergänzend zu unserer Berichterstattung erklärt, dass sich Sandton Capital, der Käufer des Schuldenpakets der Neschen AG, schriftlich verpflichtet habe, bis Ende 2015 keine Forderungen beizutreiben, die die Zahlungsfähigkeit Neschens überfordern würden.

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