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Die Preisfrage

Gute Nachricht für Hamelner Stadtwerkekunden Die Preisfrage

In Hameln ist der Strom günstiger geworden: Unsere Zeitung hat das zum Anlass für ein Interview mit der dortigen Stadtwerke-Chefin Susanne Treptow genommen.

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Susanne Treptow: „Die gute Nachricht für die Kunden ist, dass wir zum 1. März unsere Strom- und Gaspreise senken.“

Quelle: Wal

Frau Treptow, warum haben die Stadtwerke Hameln so lange gezögert, um die Strompreise zu senken?
Wir haben nicht gezögert. Für die Kalkulation der Strompreise benötigen wir die endgültigen vorgelagerten Netzentgelte der Westfalen Weser, die wir erst am 19. Dezember erhielten. Darin enthalten sind auch die Netzkosten des Übertragungsnetzbetreibers Tennet. So konnten wir sicher kalkulieren – mit dem Ergebnis, dass wir unsere Strompreise zum 1. März um brutto 0,60 Cent je Kilowattstunde senken können.
Rund 200 andere Anbieter haben die Strompreise früher gesenkt. Können die schneller rechnen als Sie?
Mathematik war in der Schule mein Lieblingsfach und ich rechne und kalkuliere sehr gerne, aber die Prämissen müssen erst feststehen. In Deutschland gibt es über 1000 Stromlieferanten und über 1000 Netzbetreiber und es kommt darauf an, ob es Preisänderungen bei den Entgelten des vorgelagerten Netzes geben wird. Das vorgelagerte Netz im Westen Deutschlands mit dem Übertragungsnetzbetreiber Amprion (RWE) unterscheidet sich maßgeblich vom Netzgebiet der Tennet bei uns im Norden, weil der Ausbau der Stromtrassen vorwiegend im Netzgebiet der Tennet erfolgt. So haben sich die vorgelagerten Netzentgelte der Tennet von 2012 zu 2014 nahezu verdoppelt.
Erklären Sie bitte, von welchen Faktoren der Strompreis beeinflusst wird.
Der Strompreis setzt sich zusammen aus den Kosten für die Beschaffung und den Vertrieb, dem Netznutzungsentgelt für den Stromtransport, den gesetzlichen Steuern, Umlagen und Abgaben. Für einen Haushaltskunden der Stadtwerke Hameln, bei einem Stromverbrauch von 3500 kWh pro Jahr im Tarif regioplus.strom, teilt sich der Preis wie folgt auf:

52 Prozent gesetzliche Steuern, Umlagen und Abgaben – 22 Prozent EEG-Umlage, 16 Prozent Mehrwertsteuer,    7 Prozent Stromsteuer, 7 Prozent Abgaben und Umlagen. Für uns durchlaufende Posten.

22,5 Prozent Netzentgelte – diese werden von den Stromnetzbetreibern für die Nutzung ihrer Netze erhoben. Jeder Stromlieferant zahlt für den Transport der Energie zum Kunden an den Netzbetreiber die Nutzungsentgelte. Die Bundesnetzagentur sowie die Landesregulierungsbehörden prüfen und genehmigen die Netzentgelte; diese müssen auf der Internetseite des Netzbetreibers veröffentlicht werden.

25,5 Prozent Erzeugung, Beschaffung und Vertrieb – das ist letztlich der Anteil, den wir als lokales Stadtwerk durch unsere Einkaufsstrategie beeinflussen können. So kaufen wir unseren Strom günstig an der Strombörse ohne Zwischenhändler ein. Darüber hinaus optimieren wir unsere hausinternen Prozesse, um die Vertriebs- und Verwaltungskosten möglichst gering zu halten.
Der Strompreis hat sich in den letzten 14 Jahren verdoppelt, das lag doch aber nicht nur am Staat und am System?
Doch, zu 60 Prozent sind die Preissteigerungen der letzten Jahre den Erhöhungen und Neueinführungen bundesweit einheitlicher Umlagen und Abgaben geschuldet. Die Konzessionsabgabe ist mit 1,59 Cent pro Kilowattstunde konstant geblieben. Im Jahr 2000 traten aber das Erneuerbare-Energien-Gesetz sowie das Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz in Kraft.

Auch die Stromsteuer, die Haftungs-Offshore-Umlage, die Umlage für abschaltbare Lasten und die Umlage nach Paragraf 19 der Stromnetzentgeltverordnung wurden eingeführt. Und auf alles kommt noch die Mehrwertsteuer: Anfang 1998 lag diese noch bei 15 Prozent, heute bei 19 Prozent. Lagen die gesetzlich vorgegebenen Abgaben 1998 mit der Konzessionsabgabe und der Mehrwertsteuer noch bei nur rund 3,4 Cent je Kilowattstunde, sind es heute 14,8 Cent je Kilowattstunde.

Das entspricht einer Steigerung von 335 Prozent. Die restlichen 40 Prozent des Strompreises verteilen sich auf die Netzentgelte, insbesondere auf die vorgelagerten Netzentgelte, die Beschaffungskosten sowie auf Tariferhöhungen und Kosten für die Erfüllung der Regulierungsanforderungen an die IT-Systeme und den Datenverkehr.
Welche Chance hat der Verbraucher auf tendenziell wesentlich deutlicher sinkende Strompreise?
Die Chancen sind gering, denn fast 75 Prozent des Strompreises sind für alle Anbieter gleich. Eine deutliche Senkung aus Sicht der Verbraucher kann es nur geben, wenn sich die Kostenbestandteile in entsprechender Größenordnung reduzieren.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien für das Gelingen der Energiewende ist gewollt und wichtig und vor dem Hintergrund der nicht gelösten Entsorgungsfrage des Atommülls sinnvoll. Wichtig bei der Neugestaltung der Energiewende ist aber auch, dass der Strompreis nicht weiter steigt, es keine Einführung weiterer Abgaben gibt oder vielleicht auch die Umlagen und Abgaben in der Zukunft etwas gesenkt werden können.
Sie fahren mit den Stadtwerken einen Expansionskurs, übernehmen Netze, kaufen Unternehmen, beteiligen sich. Das kostet alles Geld. Das Geld Ihrer Kunden. Was haben die von Ihrer Wachstumsstrategie – außer hohen Preisen?
Wieso hohe Preise? Im regionalen Preisvergleich mit den Produkten Strom, Gas und Wasser gehören die Stadtwerke Hameln zu den günstigsten Anbietern. Unser Expansionskurs ist darauf ausgerichtet, in allen Wertschöpfungsstufen zu wachsen, um die Stadtwerke im Wettbewerb langfristig gut und sicher aufzustellen.

Mit mehr Kunden, mehr Netzen und mehr Zählern sinken die fixen Kosten pro Einheit, sodass sich die Erweiterung positiv auf die Preise auswirkt. Und ja, Netzinvestitionen kosten Geld, werden aber über die Einnahmen aus Netzentgelten in Höhe der Kapitalkosten wie Abschreibungen und Zinsen wieder verdient. Zusätzliche, positive Nebeneffekte sind, dass wir weitere Mitarbeiter beschäftigen können, mehr Aufträge in der Region vergeben und unsere Steuern vor Ort bezahlen. Das stärkt unsere Wirtschaftsregion Weserbergland.
Neben dem Strom- ist der Gaspreis ein zweites wichtiges Verbraucherthema. Nun haben Ihre Kunden im Jahr 2014 gerade 20 Prozent weniger Gas benötigt. Warum treibt ausgerechnet so etwas den Preis?
Trotz des warmen Jahres 2014 senken wir unsere Erdgaspreise zum 1. März um durchschnittlich brutto 0,24 Cent pro Kilowattstunde aufgrund gesunkener Beschaffungskosten und unter Berücksichtigung geringfügig gestiegener vorgelagerter Netzentgelte. Es ist richtig, dass sich witterungsbedingter Mehr- oder Minderverbrauch auf die Gasnetzentgelte auswirkt.

Wir gehen allerdings davon aus, dass wir den Minderverbrauch des Jahres 2014 durch Beschaffungsvorteile zukünftig ausgleichen können. Bisher haben nur 27 von 750 Anbietern eine Preissenkung für das kommende Jahr angekündigt. Wir gehören damit zu den Vorreitern.
Welche strategischen Unternehmensziele haben Sie 2015?
Nach unserer Stromnetzübernahme steht zum 1. Juli in Minden die Übernahme der Wasserversorgungsanlagen an. Des Weiteren wollen wir unsere Position als Regionalversorger im Weserbergland weiter ausbauen. Dazu gehört unter anderem die Bewerbung um die Konzessionen im Landkreis Hameln-Pyrmont. Im Bereich der erneuerbaren Energien eruieren wir derzeit mit der Tobi Windenergie GmbH – eine Kooperation von zwölf Stadtwerken – neue Onshore-Windprojekte.
Und welche Kundenziele erfüllen Sie 2015?
Das wichtigste Kundenziel erfüllen wir bereits jetzt: Mit der Jahresrechnung können die Gaskunden aufgrund des warmen Jahres 2014 mit einer Erstattung rechnen. Die zweite gute Nachricht für die Kunden ist, dass wir zum 1. März unsere Strom- und Gaspreise senken.
Interview: Thomas Thimm

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