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Die erste Bevollmächtigte der IG Metall

Sabrina Wirth im SN-Interview Die erste Bevollmächtigte der IG Metall

Die Nienburgerin Sabrina Wirth kennt die Schaumburger Wirtschaft ganz genau. Wenn die 37-Jährige nicht gerade ihrem Hobby nachgeht – nach Herzenslust kochen – verstärkt Sie das Team der IG Metall Nienburg/Stadthagen. Die erste Bevollmächtigte des Verbundes steht den SN im Interview Rede und Antwort.

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Sabrina Wirth will sich als neue Bevollmächtigte der IG Metall Nienburg-Schaumburg vor allem für flexible Arbeitszeitenmodelle einsetzen.

Quelle: mak

Landkreis. Bei der jüngsten Delegiertenversammlung ist die Ehefrau und Mutter eines kleinen Sohnes zur ersten Bevollmächtigten des Verbundes gewählt worden. Die SN haben sich mit der Nachfolgerin von Thorsten Gröger zum Interview getroffen.

Wie kam ihr Kontakt zur IG Metall zustande?
Ich bin gebürtige Emsländerin und habe dort nach dem Abitur eine Ausbildung zur Industriekauffrau gemacht. Dort gab es einen Tarifvertrag, Betriebsräte und auch eine Jugend- und Auszubildendenvertretung. Bei einer Inforunde des Betriebsrates wurde uns schließlich die Bedeutung von Gewerkschaften wie der IG Metall erklärt. Diesen solidarischen Grundgedanken, dass man gemeinsam viel mehr erreichen kann, fand ich ganz überzeugend. Da habe ich nicht lange überlegt. Ich glaube, ich habe noch am selben Tag unterschrieben.

Sie sind der IG Metall also in sehr jungen Jahren beigetreten. Wie alt waren sie genau?
Ehrenamtlich angefangen habe ich mit 19, hauptamtlich stieg ich mit 23 Jahren bei der IG Metall ein. Das setzte sich auch während meines Studiums der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Osnabrück fort. Direkt im Anschluss absolvierte ich das Trainee-Programm der IG Metall. Im Rahmen dieses Programms hat es mich dann in die Geschäftsstelle, damals noch Verwaltungsstelle, der IG Metall Nienburg-Stadthagen verschlagen. Ich habe mich in der Region und im Team sehr schnell Zuhause gefühlt, sodass ich im Anschluss an das Programm direkt dort weitergemacht habe. Ich bin dann nach Nienburg gezogen, wo bürotechnisch unser Hauptsitz ist.

Also pendeln Sie regelmäßig?
Meistens bin ich zwar in Nienburg, aber unser Team ist schon viel im Auto unterwegs. Denn unser Job besteht nicht so sehr aus Bürotätigkeiten, wir sind ja viel in unseren Betrieben aktiv. Man könnte es mit einer Außendiensttätigkeit vergleichen.

Wie kam es dazu, dass Sie die Nachfolge von Thorsten Gröger angetreten haben?
Da ich schon seit mehreren Jahren dabei bin, konnte ich jede Menge Erfahrung sammeln. Angefangen habe ich im Jugendbereich, das bot sich damals einfach an aufgrund meines Alters. Nach etwas mehr als einem Jahr übernahm ich mein erstes Tarifgebiet. Von da an hatte ich viel mit Textil- und Bekleidungsbetrieben zu tun, von denen es in unserer Region überraschenderweise doch noch relativ viele gibt. Ich habe Betriebe betreut und auch dort, wo es keine flächendeckende Tarifbindung gab, Haustarifverhandlungen begleitet. Als sich im Spätsommer abzeichnete, dass Herr Gröger das Amt des Bezirksleiters der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt annehmen möchte, setzten wir uns zusammen. Von Anfang an gab es den Wunsch, dass jemand aus dem Team die Nachfolge antritt. Nach intensiven Gesprächen unter Einbezug des Teams hat sich der ehrenamtlich besetzte Ortsvorstand entschlossen, mich für die Wahl vorzuschlagen.

Inwiefern ändert sich nun Ihr beruflicher Alltag?
Das weiß ich noch nicht so genau, weil ich gerade erst im Amt bin (lacht). Ich werde mich jetzt mit den Geschäftsführungsaufgaben auseinandersetzen müssen sowie mit finanziellen Fragen, weil ich ja dann Geschäftsführerin und Kassiererin bin. Aber es ist jetzt auch nicht so, dass es völliges Neuland ist. In einem so kleinen Team kommen wir alle immer mehr oder weniger in die Situation, dass wir uns auch mal gegenseitig vertreten müssen. Im Moment ändert sich jedenfalls noch nicht so viel.

Sie kümmern sich um die Betreuung von Betrieben, auch in Schaumburg. Haben Sie ein konkretes Beispiel?
Ein intensiver Austausch findet aktuell mit den Fränkischen Rohrwerken in Bückeburg statt, da droht ja eine Teilbetriebsschließung, die den gesamten Produktionsbereich erfasst. Ich hoffe, dass sich die Geschäftsleitung mit uns an einen Tisch setzt und ernsthaft Lösungsvorschläge mit uns diskutiert, wie der Standort profitabel gestaltet und damit erhalten werden kann.
Das ist bisher nicht passiert. Der Beschluss, den Standort zu schließen, ist aus unserer Sicht so nicht hinnehmbar. Uns ist im Moment überhaupt nicht klar, warum der Standort nicht profitabel sein soll. Der Betriebsrat hat im Laufe der Jahre, unabhängig von der Schließungssituation, um Zahlen gebeten. Einfach, um mal zu gucken, wie die wirtschaftliche Situation am Standort ist. Da wurde lange gesagt, es gebe keine separaten Zahlen für den Standort, jetzt gibt es sie auf einmal doch und sie sollen schlecht sein. Wir sind momentan ziemlich enttäuscht, dass wir da so vorgeführt werden. So kann man mit Beschäftigten nicht umgehen.

Bei Faurecia läuft es, zumindest aktuell, scheinbar gut. Das Unternehmen wird für einen Autositzentwurf beispielsweise mit einem Design-Award belohnt. Was läuft aus Sicht der IG Metall dort anders als bei den Fränkischen oder auch bei Bornemann?
Das ist eine gute Frage (schmunzelt). Dass der Neubau geplant ist und hoffentlich bald umgesetzt wird, ist eine strategische Entscheidung, bei der ich sagen würde, da hat das Zusammenspiel zwischen Betriebsrat, IG Metall und Vorstand/Geschäftsführung ganz gut geklappt.

In den vergangenen Jahren haben wir ja auch dort mehrere Entlassungswellen erleben müssen. In diesen Fällen haben wir aber jedes Mal mit dem Arbeitgeber am Tisch gesessen, haben Gegenvorschläge macht und versucht, noch mal nachzuweisen, dass es doch noch Möglichkeiten gäbe, den Standort wirtschaftlicher zu machen. Ich habe die vorsichtige Hoffnung, dass es da jetzt einfach die Erkenntnis gibt, dass es möglich ist, den Standort wirtschaftlich zu gestalten, und dass Schaumburg als Wirtschaftsstandort attraktiv ist.

Welche Ziele haben Sie sich in ihrer neuen Position gesetzt?
Ein spannendes Thema, was für uns nächstes Jahr ansteht und die ganze Organisation betrifft, ist das Thema Arbeitszeit. Die IG Metall hat zur Kenntnis genommen, dass Arbeitszeit ein viel vielfältigeres Thema geworden ist. Wir haben auf der einen Seite Menschen, die in Schicht beschäftigt sind und die feststellen, dass sie diese hohen Belastungen nicht mehr aushalten können bis zum Renteneintrittsalter. Da müssen wir Ideen entwickeln, wie wir die vielleicht entlasten können. Da gibt es Ideen, mal zu sagen, wir machen eine kürzere Arbeitszeit möglich oder wir nehmen ab einem bestimmten Alter die Beschäftigten raus aus der Nachtschicht.

Im klassischen Angestelltenbereich gibt es außerdem zunehmend das Phänomen, dass Arbeitszeit gar nicht mehr vollständig erfasst wird, sondern dass viele Stunden über Vertrauensarbeitszeit oder ähnliche Modelle verfallen. Eine große Frage in der Arbeitszeitdebatte ist außerdem die Vereinbarkeit. Es gibt zunehmend Menschen, die umziehen wegen ihrer Jobsituation, da ist es dann auch nicht mehr so einfach, dass man gleich ein ganzes Familiennetzwerk zur Verfügung hat, das bei der Kindererziehung helfen können.
Da muss man dann sehen, dass man flexible Arbeitszeitenmodelle hat, mit denen man das vereinbaren kann. Die Planung ist, dass wir, wenn wir in die nächste Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie gehen, zu einer Tarifforderung kommen und diese Problemlagen regeln.

Interview: Martina Koch

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