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Es qualmt noch

10 Jahre Nichtraucherschutzgesetz Es qualmt noch

Als vor zehn Jahren das Nichtrauchergesetz wirksam wurde, saß der Schock bei vielen Gastronomen tief. Die Angst vor Umsatzeinbußen war groß. Inzwischen haben sich die meisten Gäste daran gewöhnt oder weichen eben auf die Raucherzimmer aus, die es in vielen Lokalen mittlerweile gibt.

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Wie viele seiner Kollegen in der Gastronomie hat „Kanapee“-Betreiber Heinz Klussmann einen Raucherbereich eingerichtet.

Quelle: rg

STADTHAGEN.  Er habe viel Glück gehabt, sagt Ugur Tarak rückblickend. Weil seine Cocktailbar Paradise bereits über zwei getrennte Eingänge verfügte, seien ihm Investitionen für Umbauarbeiten erspart geblieben. In der Bar Am Viehmarkt ist der Raucherbereich sogar größer als der Nichtraucher-Raum. „Bei einem leckeren Cocktail wollen die meisten eben auch rauchen“, weiß Inhaber Tarak. Er, der selbst auch Raucher ist, hält von dem Gesetz wenig. „In Restaurants finde ich es absolut okay, aber nicht in Kneipen.“ Immerhin habe es für ihn persönlich keine negativen finanziellen Auswirkungen gehabt.

 Kontrollen kommen nur selten vor

 Für Rolf Parno und seine Kollegen, die im Dehoga-Ortsverband Stadthagen-Land organisiert sind, sei das Rauchverbot kaum noch ein Thema. „Wir hatten damals tatsächlich befürchtet, dass das Gesetz uns wehtun würde“, erinnert sich der Betreiber des Hotel-Restaurants „Zum dicken Heinrich“ in Lüdersfeld. Durch kleinere Raucherbereiche für die „Genussmenschen“, zu denen Parno bis vor fünf Jahren noch selbst gehört hat, seien die Auswirkungen jedoch wenig spürbar. Dass Geldbußen seitens der Verwaltung verhängt würden, sei wohl eher die Ausnahme. „Wo kein Kläger da kein Richter“, sagt Parno, denn seines Wissens würden die städtischen Mitarbeiter kaum ohne einen Hinweis in einer Kneipe kontrollieren.

 Dass die Kontrollen nicht auf der Tagesordnung stehen, bestätigt Iris Freimann, Leiterin des Fachbereichs Bürgerdienste in Stadthagen. Stichprobenartige Prüfungen in unregelmäßigen Abständen seien aber auch zehn Jahre nach Einführung des Rauchverbots in Gaststätten noch üblich – flächendeckend jedoch nicht mehr notwendig. Verstöße seien nur in Einzelfällen aufgetreten. „Gibt es jedoch einen Anhaltspunkt, verfolgen wir den natürlich“, so Freimann.

 „Das Gaststättensterben wird weitergehen, mit dem Gesetz oder ohne“, sagt Parno. Das Ausgehverhalten habe sich einfach geändert, „das Feierabendbierchen von vor 30 Jahren gibt es heutzutage nicht mehr“. So müsse sich jeder Gaststättenbetreiber seine eigene Nische suchen.

 Seit einem halben Jahr betreibt Sönke Gerdsen die Kneipe „Dudelsack“ an der Echternstraße. Seine Vorgänger haben zum Eintritt des Nichtraucherschutzgesetzes einen Anbau realisiert, der auf 30 bis 35 Quadratmetern Platz für bis zu 50 Raucher bietet. „75 Prozent unserer Stammgäste sind Raucher. Die wollen natürlich zu ihrem Getränk auch gerne eine Zigarette rauchen.“

 „Mr Smoke“, der Name der Kneipe von Viktor Weber ist Programm. Hier dreht sich fast alles ums Rauchen. Allerdings qualmt es hier aus Shishas. Der neue Inhaber der Bar an der Krummen Straße ist froh, dass es in Niedersachsen deutlich mehr Kompromisse gibt als etwa in Nordrhein Westfalen. Dort gibt es keine Ausnahmen –es darf einfach nicht geraucht werden. Nur draußen vor der Tür. Weber möchte seinen 50 Quadratmeter großen Raum in den kommenden Wochen noch gemütlicher gestalten.

 Junge Leute achten auf ihre Gesundheit

 Trotz des Rauchverbots hat sich das Kneipenleben in Stadthagen etwas stabilisiert. So ist zumindest der Eindruck von Heinz Klussmann, Inhaber des „Kanapee“ in Stadthagen. „Bei uns sollen die Raucher nicht im Abseits stehen“, lautet seine Devise. In der Lounge für Raucher sollen sie sich wohlfühlen. „Bei uns können sich die Gäste selbst aussuchen, wo sie sich aufhalten.“ Er habe Verständnis dafür, dass die Nichtraucher nicht im Qualm stehen möchten. Deshalb habe er auch mit dem Raucherraum darauf reagiert. Darin befinde sich auch eine andere Lüftung als in dem Nichtraucherraum. Er habe festgestellt, dass viele jüngere Leute nicht rauchen und auf ihre Gesundheit achten. col/jemi

 Nichtraucherschutzgesetz

 Die Regelungen nach dem Nichtraucherschutzgesetz gelten in Niedersachsen seit dem 1. August 2007. Ab dem 1. November 2007 stellen Verstöße gegen das Gesetz Ordnungswidrigkeiten dar, die mit einer Geldbuße geahndet werden können. Durch die Übergangsfrist von drei Monaten wurde allen Betroffenen Zeit gegeben, sich auf das Rauchverbot einzustellen. Insbesondere die Betreiber von Gaststätten hatten Gelegenheit, zum Beispiel bauliche Veränderungen für die Einrichtung eines Raucherraumes vorzunehmen.

 Die Kommunen kontrollieren die Einhaltung des Rauchverbotes in Gaststätten im Rahmen der ganz normalen ordnungsrechtlichen Überprüfung oder nach Eingang von Anzeigen. Zunächst sind bei Verstößen Bußgelder vorgesehen. Die Behörden vor Ort entscheiden in eigener Zuständigkeit, ob und in welcher Höhe sie bei festgestellten Ordnungswidrigkeiten Bußgelder (5 bis 1000 Euro) verhängen.

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