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Frühjahrsumfrage der Arbeitgeber

Harte Kritik an den Behörden Frühjahrsumfrage der Arbeitgeber

Das ist in der Tat ein phänomenaler Wert.“ Jürgen Lohmann weiß beim Blick auf die Ergebnisse der konjunkturellen Frühjahrsumfrage, dass die dort erhobenen Werte angesichts international diskutierter Krisen in der Ukraine, in Griechenland und im Irak nicht unbedingt selbstverständlich sind.

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Doch zum einen sind die Unternehmen im Weserbergland weniger von den russischen oder ukrainischen Märkten abhängig, und zum anderen belasten sie weder der politische Krieg im arabischen Raum noch die finanzpolitischen Auseinandersetzungen mit Athen. Lohmann: „Von allen diesen Märkten und Problemen sind wir hier im Weserbergland in unserer Produktivität nicht allzu sehr abhängig.“

 Und so kommt es, dass knapp 66 Prozent der vom Arbeitgeberverband der Unternehmen im Weserbergland (AdU) befragten Firmen eine sehr hohe Kapazitätsauslastung von 81 bis 100 Prozent melden. Nur fünf Prozent der Betriebe liegen in ihrer Auslastungsquote unterhalb der 50-Prozent-Marke. Lohmann: „Die Unternehmen sind gut ausgelastet, und sie sind vorsichtig optimistisch.“

 Was sich auch in den Antworten auf die Frage widerspiegelt, welche Strategie die Unternehmen für 2015 verfolgen. Knapp 66 Prozent konsolidieren und stabilisieren ihr Unternehmen im positiven Sinne, knapp 30 Prozent befinden sich sogar auf einem Expansionskurs – und lediglich fünf Prozent der Firmen müssen einen Schrumpfungsprozess einleiten. Für Lohmann sind das gute Werte – zumal „einige Gesetzgebungen wie die Rente mit 63 und die Mindestlohn-Bürokratie, aber auch regionale Gewerbesteuererhöhungen uns Arbeitgebern nicht gerade geholfen haben“.

 Deshalb seien auch der Ausblick und die Prognose der vom Grundsatz „eher vorsichtigen Kaufleute“ für das zweite Halbjahr durchaus positiv zu bewerten: Gut 76 Prozent der Befragten erwarten für die zweite Jahreshälfte keine signifikanten Veränderungen – will heißen: Sie gehen von gleichbleibend guten Geschäften aus, knapp 17 Prozent sehen die zweite Jahreshälfte sogar besser. Nur knapp sieben Prozent befürchten schlechtere Zahlen im Verlauf des noch recht jungen Jahres.

 Soweit die konjunkturellen Einschätzungen der Firmenlenker in Schaumburg, Hameln-Pyrmont und Holzminden. Wäre die Beurteilung bei diesen Werten zu Ende, wäre wohl niemand wirklich unzufrieden – oder besser: Hätte niemand Unzufriedenheit gezeigt. Denn vorhanden ist ein ordentliches Maß an Unzufriedenheit und an Kritik schon. Allerdings weniger mit globalen Bedingungen wie dem Euro-Kurs zum Dollar sowie bundespolitischen Entscheidungen wie dem Mindestlohn oder der Rente mit 63, die für die Unternehmen am Ende des Tages auch steigende Arbeitskosten bedeuten. Es sind vielmehr spezielle Standortbedingungen im Wirtschaftsraum Weserbergland. Eine solche Formulierung ist für AdU-Chef Lohmann schon der erste Punkt zum Einhaken: „Wir müssen aufhören, uns immer nur einseitig als Touristen-Standort mit Märchenhintergrund zu vermarkten. Wir müssen anfangen, uns als Wirtschaftsraum zu begreifen und zu vermarkten.“

 Doch das ist für Lohmann – und nach den Ergebnissen der AdU-Frühjahrsumfrage offenbar auch für die Mehrheit der befragten Unternehmen – nur ein Punkt von mehreren, die verbesserungswürdig scheinen. In der Frühjahrsumfrage wollte der AdU wissen, wie die Firmen in der Region die Infrastruktur, die Internetanbindung, die Energieversorgung und die Zusammenarbeit mit den Behörden beurteilen. Lohmann zum ernüchternden Ergebnis: „Es gibt kein ,sehr gut‘.“ Die überwiegende Zahl der Unternehmen ist nicht mit den Standortbedingungen im Weserbergland zufrieden. Lediglich die Energieversorgung beurteilt gut die Hälfte der Befragten mit gut. In den drei anderen Bereichen gibt es teils vernichtende Kritik: Infrastruktur:

 In Zeugnisnoten ausgedrückt, gaben 75 Prozent der Befragten eine 3, 4 oder 5. Lohmann: „Die Ferne zu den Autobahnen ist und bleibt ein Problem. Das können wir nur durch Umgehungsstraßen ausgleichen, doch die kommen nur schleppend und viel zu spät. Und das, obwohl die Straße unser Transportweg Nummer eins ist.“ Im Personennahverkehr sei die Verbindung in Richtung Westen alles andere als gut, und im Wasserstraßennetz sei die Weser nun bereits offiziell abgehängt worden. Internetanbindung:

 76 Prozent der befragten Unternehmen haben diesem Punkt eine 3, 4 oder 5 gegeben – nur 22,5 Prozent empfinden die Internetanbindung als gut. Knapp 17 Prozent bezeichnen sie mangelhaft. Lohmann sieht darin eine reale Gefahr von Firmenabwanderungen: „Dienstleister, die auf schnelles und zuverlässiges Internet, aber nicht auf einen Standort im Weserbergland angewiesen sind, könnten sich schnell einen anderen Firmensitz suchen.“ Zusammenarbeit mit Behörden:

 Für Lohmann in seiner Bewertung der Frühjahrsumfrage der schlimmste Punkt: 53,5 Prozent der Unternehmen schreiben den Behörden eine 3, 4 oder 5 ins Zeugnis. Für den AdU-Chef sind diese Zahlen ein Beleg dafür, was alles in der Region in der Wirtschaftspolitik schiefläuft. Bei einer solchen Bewertung zeige sich vor allem eines: „Zufrieden ist hier keiner.“ Lohmann: „Man wird manches Mal den Eindruck nicht los, dass Unternehmen in Behörden nicht willkommen sind. Wir brauchen Flächen, Standorte und Genehmigungen. Das ist alles sehr zähflüssig und dauert. Anderswo sind wir als Unternehmen willkommener.“

Von Thomas Thimm

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