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Getreide wieder gefragt, Kartoffeln nicht

Landwirte und Handel nutzen gute Weizenpreise Getreide wieder gefragt, Kartoffeln nicht

Wer als Landwirt 2014 auf Getreide gesetzt hat, hat wieder gut lachen: Die Preise haben nach dem Absturz während und direkt nach der Ernte wieder ein gutes Niveau erreicht.

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5500 Tonnen Kartoffeln und keine Nachfrage mit akzeptablen Preisen: Christian Beißner muss aber bis Mai seine Hallen leer haben, denn dann wird es zu warm und die Erdäpfel keimen.

Quelle: dil

Rinteln. Anders sieht es bei Kartoffelanbauer Christian Beißner aus Westendorf aus. Er spürt noch keine Entspannung, sitzt auf großen Mengen der jüngsten Ernte, denn die Preise sind eingebrochen, selbst die Abgabe an Biogasanlagen wäre ruinös.

 Rund 40 Prozent der Getreideernte 2014 seien noch auf den Höfen eingelagert, hat Konrad Weiterer, Präsident des Bundesverbandes der Agrargewerblichen Wirtschaft, jetzt erklärt. „So viel sind es bei uns nicht“, meint Harald Buchwald, bei der Raiffeisen Landbund eG in Niedernwöhren zuständig für Getreideein- und -verkauf.

 Im Oktober, als die Preise zusammenbrachen, gingen auch die Verkaufsmengen in den Keller. Buchwald: „Aber jetzt gibt es wieder 170 bis 180 Euro pro Tonne Weizen, da gehen doch die Verkäufe aus der Landwirtschaft wieder los. An unseren Hafenplätzen werden nun auch in mancher Woche zwei bis drei Schiffe für den Transport zu Mühlen oder Kraftfutterwerken verladen.“ Bei den Annahmestellen vom Raiffeisen-Landbund lagern auch viele Bauern gegen eine Gebühr ein, es seien gut zehn bis 15 Prozent der angelieferten Menge. Derzeit gehe nach Monaten des Wartens viel davon in den Verkauf, denn, so Buchwald: „Wir wissen nicht, wie lange es die jetzigen Preise noch gibt.“

 Bei der Raiffeisen Lippe-Weser AG im Rintelner Industriegebiet Süd wird der Anteil von 40 Prozent Hofeinlagerung für realistisch gehalten. Dennoch sei das Silo auf dem Gelände gut gefüllt. Betriebsstellenleiter Eckhard Maron: „Wir bauen sogar noch ein Silo für 3000 Tonnen dazu, so hoch wie das vorhandene. Das liegt im Rahmen unserer Baugenehmigung von 2011. Im Mai soll das Silo in Betrieb gehen.“

 Der schwache Euro helfe schon, wieder mehr Getreide zu exportieren, manche Landwirte spekulieren allerdings auf einen noch niedrigeren Kurs. Ihre Situation erscheine im Moment komfortabel. Maron: „Nach dem Preiseinbruch von rund 20 Prozent im Herbst sind bis jetzt schon wieder 15 Prozent Anstieg zu verzeichnen. Aber das kann sich durch weltpolitische Einflüsse auch rasch wieder ändern.“

 Landwirt André Tegtmeier aus Hessendorf hat ein Viertel seiner überdurchschnittlichen guten Getreideernte 2014 eingelagert. „Wir haben sogar ein Aggregat, um das Getreide ausreichend zu kühlen. Das ist vom Aufwand her gar nicht so schwierig“, sagt Tegtmeier. „So können wir das ganze Jahr über einen guten Preis abwarten. Und noch ist diesmal nicht die Phase erreicht, wo wir verkaufen.“

 Trotz der vollen Lager will der Landwirt aus Hessendorf wieder Getreide anbauen, sei die Fruchtfolge für den Erhalt der Bodenkultur doch einzuhalten. Tegtmeier hat ohnehin noch zwei weitere Nutzungswege: die Verfütterung ans eigene Vieh und die Energieerzeugung mit der Biogasanlage im Industriegebiet.

 So flexibel ist Christian Beißner nicht. Er hat sich auf Kartoffeln für die Chips-Herstellung spezialisiert. „Erst mussten wir wegen der Krautfäule große mengen Fungizide spritzen, dann gab es doch noch eine große Erntemenge, aber in ganz Europa“, erklärt Beißner. „Und der russische Markt ist bis auf Weiteres dicht.“ Die Folge sei ein Überangebot gewesen, die Preise stürzten ab.

 „Ich habe erst mal alle 5500 Tonnen eingelagert – in der eigentlich nicht dafür vorgesehenen Vorhalle sogar provisorisch unter Stroh“, schildert Beißner seine Lösung. „Das klappt bei den milden Wintertemperaturen noch ganz gut, aber wohl nur bis zum Frühling, dann werden die Kartoffeln keimen und kaum noch zu verkaufen sein.“ Ein kleiner Lichtblick: „Ein Händler hat für mich jetzt Chips-Kartoffeln nach Aserbaidschan verkauft. Da war der niedrige Euro-Kurs natürlich von Vorteil.“

 Ein Großsilo ist nicht mehr genug: Wie schon 2011 bei der Baugenehmigung beantragt, baut die Raiffeisen Lipper-Weser AG im Industriegebiet Süd ihre Umschlagkapazität um ein zweites Silo aus. Der Kran steht schon, der Kanalanschluss ist bereits gelegt. dil

 5500 Tonnen Kartoffeln und keine Nachfrage mit akzeptablen Preisen: Christian Beißner muss aber bis Mai seine Hallen leer haben, denn dann wird es zu warm und die Erdäpfel keimen.dil

 Aber auf den kurzfristigen Euro-Verfall zu setzen, ist für Beißner keine tragfähige Lösung. „Wir haben für den Anbau in diesem Jahr etwas weniger Fläche vorgesehen. Bei den neu auszuhandelnden Lieferverträgen wollen uns die Käufer angesichts der Marktlage im Preis allerdings weiter drücken. Noch so ein Jahr, und es würde für mich zumindest bei Kartoffeln existenzbedrohend.“ dil

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