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Handwerker wollen den Meisterbrief retten

Neujahrsempfang Handwerker wollen den Meisterbrief retten

Die anhaltend gute Stimmung im Schaumburger Handwerk könnte mittelfristig durch einige Unwägbarkeiten getrübt werden. Beim Neujahrsempfang der Volksbank in Schaumburg, der Kreishandwerkerschaft und der Steuerberater zog Kreishandwerksmeister Horst Frensel zwar eine ausgesprochen positive Bilanz, ging aber auch auf einige Risikofaktoren ein.

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Fragerunde: Horst Frensel, Joachim Schorling, Vanessa Roos, Timon Schorling und Marius Spohr.

Quelle: kk

Bückeburg. Sorgen bereite den Handwerkern zum Beispiel der Trend zu Minibetrieben und Einmannfirmen, die durch die Liberalisierung des Handwerksrechts wie Pilze aus dem Boden geschossen seien. Problem: Diese Kleinstbetriebe bilden selten aus, manche halten sich auch nicht lange am Markt. Zur Qualitätssicherung forderte Frensel daher die Politik auf, den deutschen Meisterbrief zu verteidigen. Weiteren Liberalisierungsbestrebungen der EU erteilte er eine Absage.
Auch der Europa-Abgeordnete Burkhard Balz sprach sich gegen eine Aufweichung von Ausbildungs- und Zulassungskriterien aus. Vielmehr wolle er dafür werben, dass das bewährte deutsche Modell auf andere EU-Staaten übertragen werde.
Ungeachtet dieser Sorgen herrscht im Schaumburger Handwerk Zuversicht, der größte Teil der Betriebe schätzt seine Geschäftslage laut einer Umfrage der Kreishandwerkerschaft positiv ein. Frensel differenzierte hierbei noch ein wenig nach Branchen: Bedingt durch günstige Zinsen und durch Förderprogramme seien Renovierungs- und Sanierungsarbeiten immer stark nachgefragt. Davon profitieren Branchen wie Bauhandwerk, Heizungs- und Installations- sowie Elektrobetriebe. Leichte Abstriche gebe es allerdings im Dienstleistungssektor.
Den Optimismus im Handwerk bekommt auch die Volksbank positiv zu spüren. Bankvorstand Joachim Schorling berichtete für 2014 von einem Zuwachs von zwölf Prozent im Kreditgeschäft mit Firmenkunden im Vergleich zum Vorjahr. Während die anhaltend niedrigen Zinsen die Kreditnachfrage beflügelten, seien sie allerdings eine Herausforderung im Anlagebereich. Dabei gelte es, für die Kunden „optimale individuelle Lösungen“ zu finden.
Gerhard Pompe, Vorsitzender des heimischen Steuerberaterverbandes, berichtete den 150 Gästen im Rathaussaal von aktuellen Änderungen im Steuerrecht. Besonders die Einführung des Mindestlohns mit einem erheblichen Zuwachs an Bürokratie sei eine Herausforderung. Pompe kritisierte insbesondere die komplizierte Stundenaufzeichnung, die von den Betrieben gefordert werde. Viel Beifall aus dem Saal bestätigte ihn in dieser Auffassung.
„Wie schaffen sie es nur, beim komplizierten Steuerrecht mit all seinen Änderungen den Überblick zu behalten?“, wollten Vanessa Roos, Marius Spohr und Timon Schorling von Pompe wissen. Die Rintelner Gymnasiasten lockerten die Veranstaltung durch zwei informative Fragerunden auf. Prompes Antwort: „Das frage ich mich manchmal selbst.“
Für Heiterkeit im Saal sorgten die Gäste aus der Politik. Balz und der Bundestagsabgeordnete Maik Beermann wurden von Joachim Schorling als ehemalige „Banker“ und damit als Berufskollegen vorgestellt. Beermann konterte: „Ich habe mir auch nicht vorgestellt, einmal von der Volksbank zu einem solchen Abend eingeladen zu werden“ – hatte Beermann doch beim Konkurrenten von der Sparkasse gearbeitet, bevor er hauptberuflich in die Politik wechselte.
Beermann erläuterte auch seine Haltung zur Rente mit 63. Er habe im Bundestag zwar für das Projekt gestimmt, allerdings auch seine Bedenken zu Protokoll gegeben und auf Gefahren bei der Finanzierung hingewiesen. Es müsse wohl noch der eine oder andere Steuereuro in die Rentenkasse fließen.
Balz äußerte sich erstmals wieder öffentlich zur Lage in Griechenland und zur Frage, ob der Mittelmeerstaat in der Währungsunion bleiben solle. Der Parlamentarier wies darauf hin, dass die Verträge keinen Ausschluss zuließen. Doch wer gehen wolle, werde sicherlich nicht aufgehalten. Zu einem solchen Schritt könne er den Griechen aber nicht raten – sie wären dann pleite. Seine zuletzt geübte öffentliche Zurückhaltung bei diesem Thema begründete Balz mit dem Wahlkampf in Griechenland: Da seien Ratschläge von außen, gerade aus Deutschland kaum willkommen.

Von Karsten Klaus

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