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Milchstau vor dem Dammbruch

Landwirte erwarten Umsatzwachstum Milchstau vor dem Dammbruch

Durch den Fall der Milchquote erwartet die Schaumburger Landwirte ein kräftiges Umsatzwachstum. Vom 1. April an gibt es keine Beschränkung mehr für die Anlieferung an die Molkereien.

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 Die Milchviehhalter dürfen vom 1. April an ohne Beschränkung ihre Kühe melken.

Quelle: Archiv

Landkreis. Milchviehhalter müssen sich dann nicht mehr an die ihnen zugewiesene Quote halten, die die Menge ihrer Lieferung reguliert.

 „Unser Stall ist voll. Aber Landwirte, die aus Angst vor einer Strafe ihren Stall nur halb belegt haben, werden jetzt aufstocken“, vermutet Hinrich Strüve, Milchbauer aus Rinteln.

 Deutsche Milchviehhalter müssen bisher eine Strafe zahlen, wenn ihre Milchlieferungen die ihnen zugewiesene Quote übertreffen. Allerdings sind die Zahlungen an die EU nur dann fällig, wenn die deutschen Bauern insgesamt zu viel Milch geliefert haben. So kann ein Landwirt darauf spekulieren, dass andere Bauern weniger produzieren, als ihnen zusteht. Eine Möglichkeit, seinen Betrieb zu erweitern, hatte ein Milchviehhalter dagegen bisher nur durch den kostspieligen Zukauf von Lieferrechten.

 „Als wir 1998 unseren Stall erweitert haben, hat die Erhöhung unserer Quote mehr Geld gekostet als der Stallbau“, erklärt Strüve. „Aber wenn wir den Schritt damals nicht gegangen wären, hätten wir heute nur 20 Kühe im Stall. Dann hätten wir gleich aufgeben können.“ Heute zählt der Rintelner in seinem Stall 100 Kühe – Tendenz steigend. „Mittelfristig werden wir unseren Betrieb erweitern.“ Dies sei aber unabhängig von dem Fall der Milchquote, wie Strüve einräumt. „Aber so ist die Investition nur halb so groß, weil wir nicht auch noch die Lieferrechte kaufen müssen.“ Im vergangenen Sommer mussten die deutschen Milchviehhalter nach Angaben des Landvolks insgesamt 163 Millionen Euro Strafe an die EU zahlen. Auch in diesem Jahr droht eine saftige Geldbuße, denn im ersten Quotenhalbjahr haben die deutschen Landwirte die Anlieferung an die Molkereien gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent gesteigert. Schuld daran hat auch die gute Preisentwicklung.

 „Im vergangenen Jahr war sowohl die Milchproduktion gut als auch die Preisentwicklung. Da haben viele Landwirte mehr produziert, als sie dürfen“, erklärt der Schaumburger Kreislandwirt Cord Lattwesen. „Vielleicht auch, weil sie dachten: ‚Die Quote fällt ja eh, die Strafgelder müssen dann nicht mehr gezahlt werden.‘“

 Nach Ansicht von Lattwesen lässt sich das Strafgeld vermeiden. „Ich versuche, meine Quote möglichst genau voll zu kriegen. Wenn ich merke, dass ich zuviel produziere, gebe ich weniger Kraftfutter und verkaufe einige Tiere. Ich habe immer einen Fuß auf dem Gaspedal und den anderen auf der Bremse. Aber da hat jeder sein eigenes Risikobewusstsein, einige zocken.“

 Denn wie schmerzlich die Strafe einen Landwirt trifft, hängt laut Strüve auch von der Entwicklung des Milchpreises ab. So könne sich eine Überproduktion durchaus lohnen, wenn das Preisniveau dementsprechend hoch sei.

 Die nun erneut drohende Strafe könnte die Milchviehhalter angesichts der aktuellen Marktlage umso härter treffen. „2014 lag der Preis zwischenzeitlich bei 40 Cent pro Liter. Momentan liegen wir bei 28 Cent – und der Preis fällt weiter“, erklärt Strüve.

 Nach Angaben des Landvolks ist die abgeschwächte Nachfrage auf dem Weltmarkt schuld am Preisverfall. „Durch die Ukraine-Krise und das Exportverbot nach Russland fällt ein großer Absatzmarkt weg. Vor allem in Ländern wie Polen kommt es dadurch zum Milchstau“, meint Lattwesen, der langfristig jedoch ein ungebremstes Wachstum bei der Nachfrage nach deutschen Milchprodukten erwartet. „Gerade die niedersächsischen Landwirte genießen weltweit einen sehr guten Ruf.“

 Zwar seien die Weichen in vergangenen Jahren durch die schrittweise Aufhebung der Exportzölle bereits Richtung freier Markt gestellt worden, „aber jetzt dürfen wir auch mitspielen“, so Lattwesen. Dabei dürfte sich der Blick der Bauern vor allem auf China mit seinem riesigen Absatzmarkt richten. Doch bevor die deutsche Milch den Weltmarkt ungebremst fluten kann, drohen ein letztes Mal saftige Geldstrafen. ber

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