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Mit Pflastern fing es an

Bückeburg / Neschen feiert 125. Geburtstag Mit Pflastern fing es an

Was haben der Eiffelturm und die Neschen AG gemeinsam? Ihre Erfolgsgeschichten nahmen 1889 ihren Anfang. Sie feiern in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Anlass genug für die Verantwortlichen am Freitag, 12. September, von 10 bis 16 Uhr mit einem „Tag der offenen Tür“ im Werk an der Hans-Neschen-Straße gemeinsam mit Besuchern das Jubiläum zu feiern.

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 Neschen-Gebäude am Stammsitz Bückeburg: Das Neschen-Auge ist das größte Foto der Welt, zusammengesetzt aus 235.000 Einzelfotos.

Quelle: pr.

Bückeburg. Die Geschichte des Traditionsunternehmens ist indes von Höhen und Tiefen, dem Innovationsgeist der Inhaber und Geschäftsführer und dem Einsatz der Mitarbeiter gekennzeichnet. Der Apotheker Georg König gründet die „Fabrik pharmaceutischer Kautschuk- und Guttapercha-Präparate – Laboratorium der fürstlichen Hofapotheke“.

 Mit Pflastern und Heilmitteln hat Neschen heutzutage nichts mehr zu tun, wenngleich es genau diese Produkte waren, die zunächst zum weltweiten Ruf der Firma beitrugen. Das „Bückeburger Hühneraugenpflaster“, das schon wenige Jahre nach Gründung des Laboratoriums vorgestellt wurde, war ein internationaler Exportschlager. Königs Unternehmen wuchs kontinuierlich. 1904 beschäftigte er 25 Mitarbeiter. Die Fabrik erlebte eine Blütezeit. Trotzdem zog sich 1914 der erst 55-jährige Georg König nach Patentstreitigkeiten mit einem Konkurrenten aus dem Geschäftsleben zurück. Er verkaufte seine Firma und die zahlreichen Patente für 360000 Goldmark an Ernst Pfannenberg und Dr. Wilhelm Kroseberg.

 Unter ihrer Ägide wurde das Unternehmen in Georg König GmbH umbenannt und der Vertrieb in die Niederlande, nach Belgien und Luxemburg, nach Skandinavien, in die Schweiz, auf den Balkan und sogar nach Südafrika ausgeweitet. 1926 starb Pfannenberg, und Kroseberg führte die Fabrik alleine weiter.

 Neue, erfolgreiche Produkte wurden entwickelt und das Unternehmen florierte. Doch die Konkurrenz am Markt war groß, und so wurde in Bückeburg nicht mehr nur im pharmazeutischen Bereich geforscht. 1935 wurde als neues Produkt die Klischee-Folie Typoplast in den Katalog aufgenommen. Angepriesen wurde sie als „farbiges Kautschuk-Klebeband für Industrie und Technik“. Der Grundstein für eine neue Produktpalette war damit gelegt, wenngleich auch in den kommenden Jahren die traditionellen Artikel weiterhin den Löwenanteil des Geschäftes ausmachten.

 Während des Zweiten Weltkriegs kam die Produktion aufgrund der Mangelwirtschaft fast zum Erliegen, doch schon 1946 wurde in Bückeburg wieder fleißig gefertigt. Allerdings sah der neue Geschäftsführer Hans Neschen bei seinem Antritt viel Optimierungspotenzial. Nicht nur der Mangel an hochwertigen Grundstoffen erschwerte die Produktion, auch ein Überangebot in den Kernmärkten machte dem Unternehmen zu schaffen. Durch die beengten Platzverhältnisse war zudem eine günstigere Serienfertigung nur schwer machbar. Doch der gelernte Buchhalter und Forscher entwickelte einen Plan.

 Als Neschen 1946 nach Bückeburg kam, war er bereits ein angesehener Experte in Sachen Pflasterherstellung auf Kunststoffbasis. Der vormals stellvertretende Betriebsleiter der C. Blank AG in Bonn hatte während des Zweiten Weltkriegs ein Verfahren vorgestellt, das es ermöglicht, Pflastermasse auf Basis einer wässrigen Emulsion zu produzieren. Diese bahnbrechende Entwicklung war quasi sein „Einstandsgeschenk“.

 Doch es war nicht nur das technische Know-how, das Neschen für das Unternehmen so wertvoll macht. Als Branchenkenner wusste er nur zu genau, dass das kleine Unternehmen gegen die großen der Branche kaum eine Chance hatte. Es galt, neue Absatzmärkte zu suchen.

 1948 wurde Neschen auch Gesellschafter. Fortan gehörten die neuen, von ihm entwickelten selbstklebenden Kunststoff-Folien zum wichtigsten Kapital. 1955 schied Kroseberg aus der Georg König GmbH aus, Neschen übernahm dessen Anteile und war Alleingesellschafter. 1956 gründete er den „Neschen Büchereidienst“, der 1959 mit der Georg König GmbH in der Hans Neschen GmbH & Co. KG aufging.

 Mit der 1949 patentierten „Filmolux“ gelang Neschen der große Wurf. Schon bald machte der Verkauf der Folie 76 Prozent des gesamten Umsatzes aus. Gerade in den öffentlichen Leihbüchereien und Bibliotheken war das Material gefragt. Der Rundum-Service des Büchereidienstes der Neschen KG tat ein Übriges, die Kunststofffolie zu verbreiten. Das neue Geschäftsfeld war so erfolgreich, dass die Produktion von Pflastern im Jahr 1957 endgültig eingestellt wird.

 Dank der unterschiedlichen Folien ging es mit dem Unternehmen stetig bergauf. 1964 waren rund 100 Beschäftigte in den Sparten des Unternehmens tätig. Der Umsatz hatte sich seit 1948 verfünfzehnfacht. Im April 1965 starb Hans Neschen im Alter von 70 Jahren. Schwiegersohn Alexander Schreiber, der bereits seit zehn Jahren als Vertriebsleiter bei Neschen tätig war, übernahm das Ruder. Dieser entschied sich schon bald für einen Umzug in das Gewerbegebiet Windmühlenstraße, denn die Räumlichkeiten an der Jetenburger Straße waren für das international agierende Unternehmen zu eng geworden. Vertriebsprofi Schreiber trieb die internationale Ausrichtung von Neschen voran.

1974 überraschte Neschen die Fachwelt erneut und führte das Kaltkaschieren im Fotomarkt ein, in den man gerade erst eingestiegen war. Die Methode hat Erfolg, und die Sparte „Graphics“ wird schnell zu einer weiteren wichtigen Säule des Geschäfts. Zwei Jahre später, 1976, starb Schreiber, und wieder einmal war es ein Duo, das die Unternehmenspolitik leitete: Otto Denstorff und Helmut Fahlbusch. Innerhalb eines Jahrzehnts gelang es ihnen, den Umsatz um 200 Prozent zu erhöhen. Neue Produkte nicht nur im Bereich Buchschutz sorgten für ein gesundes Wachstum. Waren die wasserablösbaren und säurefreien Archivklebebänder noch im traditionellen Kerngeschäft angesiedelt, so zeigten Oberflächenschutzfolien für Fotos, ein variables Messestandsystem und Textilien für den Digitaldruck, wohin die Reise des Unternehmens gehen sollte. Selbst in der Humanmedizin wollte man unter der Leitung von Denstorff und Fahlbusch wieder mitmischen. Durch die Produktion von beschichteten Operationsfolien und Vliesen eröffnete man sich neue Perspektiven.

 1988 war der Umsatz auf 45 Millionen Mark angestiegen, und die Produktion im Petzer Feld platzte aus allen Nähten. Wieder einmal machte man sich auf die Suche nach einem neuen Grundstück und wurde im neu erschlossenen Industriegebiet im Osten Bückeburgs fündig.

 Der Umzug in die neuen Hallen wurde zur Modernisierung der Produktion genutzt. So baute das Unternehmen beispielsweise eine neue Hightech-Beschichtungsanlage auf, die die Produktivität erheblich steigerte. Eine bessere Organisation der Fertigung sollte Neschen fit für neue Herausforderungen machen. Bis 1996 stiegen unter dem seit 1994 amtierenden Geschäftsführer Rolf Zinn Umsatz und Gewinn kontinuierlich weiter. 1997 wurde aus der Neschen GmbH & Co. KG schließlich die Neschen AG. Mitte 1998 wurde in Bückeburg eine Silikonisierungsmaschine in Betrieb genommen. Damit war Neschen erstmals in der Lage, Abdeckmaterialien selbst zu beschichten – ein wichtiger Schritt in Bezug auf die Qualitätssicherung.

 Doch in Bückeburg gaben sich die Verantwortlichen mit dem Erreichten nicht zufrieden. Vor allem im Bereich Bildschutz und -veredelung sah die Geschäftsleitung noch Nachholbedarf. Deshalb übernahm die Neschen AG 2000 die Mehrheit an der Accutech International Inc. in Hanover, USA. Damit erhielt Neschen Zugriff auf die Technologie des flüssigen Laminierens und eröffnete sich weitere Geschäftsfelder.

 Nach dem Jahrtausendwechsel kam es zur bisher größten Akquisition. Mit dem Kauf des Grafikbereichs der Huntington Corporation, der unter dem Namen Seal einen weltweiten Ruf hat, stieg Neschen in einigen Teilbereichen zur Nummer eins auf. Doch der Markt war problematisch, so blieben Teile des Amerikageschäfts in den nächsten Jahren hinter den Erwartungen zurück.

 Wo Neschen heute steht, zeigt insbesondere auch die Entwicklung neuer Produkte und damit verbunden das Vordringen in neue Geschäftsfelder. Bereits seit 2008 im Programm, entwickelte sich das „Interior Design“ zu einer Erfolgsgeschichte. Hierzu gehörten digital bedruckte Medien wie Tapeten, Textilien, Displays und Flaggensysteme. Vor allem die Neschen-Digitaldrucktapeten, die in unterschiedlichen Strukturen lieferbar sind, finden zunehmend Anklang und sorgen für Umsatzwachstum, auch weil den Einsatzmöglichkeiten und der Phantasie kaum Grenzen gesetzt sind. Immer mehr im Kommen sind zudem großformatige Inkjet-Textilien.

 Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise brachte auch die Neschen Gruppe 2008 in eine schwierige Situation. Mit Henrik Felbier und Michael Aupke als neuen Vorständen und seit Anfang 2014 auch mit neuem Markenauftritt startete das Unternehmen wieder voll durch. Damit verbunden war eine strategische Neuausrichtung der Organisation auf innovative Produktentwicklungen. Zahlreiche Neuprodukte konnten in den Markt eingeführt werden, auch die Öffnung hin zum Bereich der Sieb- und Offsetdrucker hat Früchte getragen.r

 Neschen wird in diesen Tagen 125 Jahre alt und feiert am Freitag, 12. September, von 10 bis 16 Uhr mit einem „Tag der offenen Tür“ im Werk an der Hans-Neschen-Straße an der Kreuzbreite. Für die Besucher wird ein Einblick in die Produktion und die verschiedenen Produkte geboten, die der Folienspezialist speziell in den vergangenen Monaten entwickelt hat, um wieder auf Wachstumskurs zu kommen. Heute der letzte Teil unserer Serie zur Unternehmensgeschichte der Neschen AG.  r

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