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„Personalabbau ist kein Konzept“

Bei ITT Bornemann geht die Angst um „Personalabbau ist kein Konzept“

Auch nach der Betriebsversammlung am Dienstag geht das Zittern für die Mitarbeiter von ITT Bornemann weiter.

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Thorsten Gröger (von links) und Peter-Christian Voigt von der IG Metall sowie Oliver Eckelt kämpfen um den Erhalt der Arbeitsplätze bei ITT Bornemann. Der Weg zum Betriebsgelände ist gesäumt mit Plakaten.

Quelle: ber

Obernkirchen. Zwar hat sich der Kaufmännische Leiter Stefan Rottke den Fragen der rund 300 versammelten Bornemänner gestellt, Antworten blieb der geschäftsführer nach Angaben des Betriebsrates jedoch schuldig. Damit ist weiter unklar, ob die größte Kündigungswelle in der Geschichte des Pumpenspezialisten vollzogen wird.

 „Wir hatten uns erhofft, dass es neue Erkenntnisse gibt, weil Herr Rottke zu Gesprächen in den USA war. Vielleicht gibt es welche, kommuniziert wurden sie aber nicht“, berichtet der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Oliver Eckelt. Rottke habe lediglich auf das „Restrukturierungsgespräch“ am Donnerstag verwiesen. „Für uns ist das aber nur ein Informationsgespräch. Bevor wir über Restrukturierungen sprechen können, müssen wir erst mal die Zahlen und Fakten kennen“, betont Eckelt.

 Denn sowohl der Betriebsrat als auch die Gewerkschaft IG Metall zweifeln daran, dass es um das Unternehmen derart schlecht steht, dass die angedrohten 120 Entlassungen in den Bereichen Exzenterschneckenpumpen sowie System- und Geschäftsabwicklung notwendig sind. „Die nackte wirtschaftliche Not kann nicht der Grund sein. Nach unseren Erkenntnissen ist es nicht so, dass hier große rote Zahlen geschrieben werden“, erklärt Thorsten Gröger, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Nienburg-Stadthagen. „Sonst wäre es für die Unternehmensleitung ein Leichtes gewesen, dies auch so zu begründen.“

 Ob die hohen Gewinnerwartungen im Zuge der Übernahme durch den amerikanischen Mischkonzern ITT vor drei Jahren Schuld an der Misere sind, wollen weder Gröger noch Eckelt explizit sagen. Klar sei, dass die Projekte in der Branche immer größer würden und ein Unternehmen mit immer größeren Summen in Vorleistung treten müsse. „Da hilft es, wenn man einen großen Konzern im Rücken hat, der das abfedern kann“, meint Gröger. Klar sei zudem, dass sich Bornemann auf einem schwierigen Markt bewege und unter dem niedrigen Ölpreis leide.

 Klar sei aber auch, dass die restriktive Embargopolitik, der ein amerikanischer Konzern unterliege, Probleme mitgebracht habe. „Die Welt ist für Bornemann deutlich kleiner geworden“, so Gröger. Geschäfte mit Iran oder Sudan seien nicht mehr möglich. Und klar sei auch, dass sich die Hoffnung auf Stärkung des Standorts Obernkirchen, die den Bornemännern nach dem Kauf durch ITT gemacht worden seien, nicht erfüllt hätten. Im Gegenteil: „Das ist jetzt die dritte Restrukturierung binnen 15 Monaten. Da drängt sich bei den Beschäftigten ein Gefühl auf“, beschreibt Eckelt die Stimmung in der Belegschaft. „Die Mitarbeiter sind hier in der Region verwurzelt. Sie kennen die Entwicklung bei Otis.“

 Der Rolltreppenhersteller hatte 2004 sein Stadthäger Werk nach Jahren des Abbaus und der Verlagerung ins Ausland endgültig geschlossen. Auch Gröger befürchtet, dass durch den weiteren Personalabbau „Strukturen abgeschnitten und die Zukunftsfähigkeit von Bornemann auf dem Weltmarkt verschlechtert werden“.

 Aufgegeben haben Betriebsrat und Gewerkschaft jedoch noch nicht. Beim ersten Restrukturierungsgespräch am Donnerstag erwarten Gröger und Eckelt Antworten: Darauf, wie es tatsächlich um den Standort Obernkirchen steht, und darauf, welches Konzept die Unternehmensleitung entwickelt hat, um Bornemann in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

 Denn: „Personalabbau ist kein Konzept. Wir wollen wissen, wie es weiter geht“, so Gröger. Deshalb wollen Gewerkschaft und Betriebsrat mit Nachdruck auf Alternativen zur Kündigungswelle hinweisen. „Das Wissen und Können der Beschäftigten an Bord zu halten, hat sich in der Wirtschaftskrise als goldrichtig erwiesen“, betont Gröger. Auch Eckelt meint: „Ein großer Konzern sollte einen längeren Atem haben, wir haben es in der Vergangenheit durch Arbeitszeitverkürzungen auch geschafft, Krisen zu meistern.“

 Die ganze Dimension der angedrohten Kündigungswelle sei bei der gestrigen Betriebsversammlung deutlich geworden. Eckelt: „Wir haben gebeten, dass 120 Mitarbeiter aufstehen. Da ist allen bewusst geworden, wie viele Schicksale auf dem Spiel stehen.“ ber

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