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Sparkasse gibt Mini-Filialen auf

Tiefer Einschnitt Sparkasse gibt Mini-Filialen auf

Die Sparkasse Schaumburg dünnt ihr Geschäftsstellennetz aus. 14 sogenannte Klein- oder Kleinstfilialen werden zum Jahresende geschlossen, zwei weitere auf Selbstbedienungsterminals umgestellt. Die knapp 25 betroffenen Mitarbeiter sollen künftig an anderen Standorten eingesetzt werden.

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Macht zum 31. Dezember dieses Jahres dicht: die Sparkassenfiliale in Enzen. Sie gehört zur Gruppe der kleinen Geschäftsstellen, die schon seit längerer Zeit nur noch stundenweise an zwei Tagen der Woche geöffnet haben.

Quelle: rg

Landkreis. Ziel sei es, das Unternehmen zukunftsorientiert aufzustellen und Kompetenzen zu bündeln, machte Vorstandssprecher Hans-Heinrich Hahne gestern vor Journalisten deutlich. Viele der Mini-Filialen – allesamt mit jeweils weniger als drei Mitarbeitern – hätten schon längst nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden können. „Trotzdem haben wir uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, ergänzt Hahnes Vorstandskollege Stefan Nottmeier. In den vergangenen Jahren hätten sich die Rahmenbedingungen vielfach mitunter deutlich verschlechtert. So habe die anhaltende Niedrigzinsphase den Margendruck spürbar erhöht. „Das ist für uns Kreditinstitute dramatisch“, sagt Nottmeier. Bis zum Jahr 2020 rechnet die Sparkasse allein an dieser Stelle mit Ertragsrückgängen von elf Millionen Euro.

 Auch die demografische Entwicklung zwinge zum Handeln. Bis zum Jahr 2030 werde der Landkreis Hochrechnungen zufolge rund 21000 Einwohner verlieren. „Vor allem junge Kunden gehen uns damit verloren“, sagt Nottmeier. Die Auswirkungen seien dramatisch: „Wir erwarten allein bei den Baudarlehen einen 20-prozentigen Rückgang.“ Gleichzeitig gebe es keine Möglichkeit, dies an anderer Stelle wettzumachen. „Wir sind nun einmal ein regional ausgerichtetes Unternehmen.“

 Zu schaffen macht der Sparkasse aber vor allem eine Entwicklung, die die Kunden selbst zu verantworten haben: die immer stärkere Orientierung hin zum Internetbanking. „Schon heute nutzen 47000 Kunden die Möglichkeit, ihre Geschäfte online zu machen – die kommen gar nicht mehr in unsere Filialen“, bilanziert Nottmeier.

 Das gelte vor allem für jene kleinen Geschäftsstellen, die nun dichtgemacht werden sollen. „Gerade einmal fünf Prozent des gesamten Geschäftsvolumens“ werden dort laut Vorstand betreut. Das hänge auch, aber eben nicht nur mit der Lage und Ausstattung zusammen. Viele Leistungen könnten an diesen Standorten schon allein deshalb nicht mehr erbracht werden, weil die Möglichkeit zur Spezialisierung fehle oder die immer strengeren Regelungen des Verbraucherschutzes eine gesetzeskonforme Beratung verhinderten, sagt Hahne.

 Der Entscheidung, welche Filialen aufgegeben werden sollen, liegt nach Worten des Vorstands ein langer Prozess zugrunde. 31 Faktoren seien festgelegt, analysiert und bewertet worden – angefangen bei der jeweiligen Kostenstruktur über den Investitionsbedarf in den kommenden Jahren bis hin zur Frage, wie weit die nächste Geschäftsstelle entfernt ist.

 Nehme man alle ausgewählten Filialen zusammen, so seien nicht mehr als achteinhalb Prozent der Gesamtkunden von der Neuausrichtung betroffen, sagt Nottmeier. Und selbst das nur auf dem Papier: „Die Hälfte von ihnen wohnt zwar im Einzugsbereich, wird tatsächlich aber schon heute von anderen Geschäftsstellen betreut.“

 Das spiegele sich auch auf der anderen Seite wider. Vielfach sei ein Sparkassen-Mitarbeiter abwechselnd an zwei oder sogar drei Standorten im Einsatz. Einige der Filialen hätten aufgrund der kontinuierlich gesunkenen Kundennachfrage ohnehin nur noch eingeschränkte Öffnungszeiten gehabt.

 Die betroffenen Mitarbeiter wurden am vergangenen Freitag informiert, nachdem die Entscheidung zuvor den 18-köpfigen Verwaltungsrat passiert hatte. Heute sollen die Kunden per Post benachrichtigt werden. „Wir wollen so viel Transparenz wie möglich“, versichert Hahne.

 Gestern wurden außerdem die Bürgermeister der Städte und Gemeinden von den Schließungsplänen in Kenntnis gesetzt. Insbesondere im politischen Umfeld sei man nicht auf ungeteilte Begeisterung gestoßen, räumt der Vorstand unumwunden ein. Dabei sei das Geschäftsgebiet der Sparkasse flächendeckend betroffen. Einzig die Samtgemeinde Rodenberg kommt ungeschoren davon. Allerdings ist dies auch die einzige Kommune, in der seit der letzten Sparkassenfusion im Jahr 1999 überhaupt eine Geschäftsstelle geschlossen wurde – und zwar die in Pohle.

 „Die Sparkasse ist sich ihrer Verantwortung für die Region und ihrer Menschen bewusst“, betont Vorstandschef Hahne. Kein anderes Unternehmen engagiere sich vergleichbar im sportlichen, sozialen und kulturellen Bereich. Um das auch für die Zukunft gewährleisten zu können, „müssen wir uns zeitgemäß weiterentwickeln“.

 Ungeklärt ist noch, wie die künftig leer stehenden Gebäude genutzt werden sollen. Zum Teil sind die Geschäftsstellen angemietet, sodass die Zukunft dieser Immobilien in der Hand ihrer Eigentümer liegt. Für die Mehrzahl der im eigenen Besitz befindlichen Zweigstellen schwebt Hahne und Nottmeier – soweit möglich – die Umwandlung in Wohnraum vor. mf

 

 

 

Der Kommentar

Kein Drama

 

Sicher, das ist keine Nachricht, die wir gerne hören: Jede dritte Geschäftsstelle wird dichtgemacht. Die Sparkasse beschränkt sich auf künftig 35 Standorte – sieben davon ohne Personal, nur mit SB-Terminals ausgestattet.
Und doch ist die Entscheidung nachvollziehbar. Auch ein öffentlich-rechtliches Unternehmen muss sich den Herausforderungen des Marktes stellen und auf Veränderungen reagieren, um konkurrenz- und handlungsfähig zu bleiben.
Denn nur eine wirtschaftlich gesunde Sparkasse kann auf Dauer ihre Selbstständigkeit erhalten – aus Schaumburger Sicht ein ganz wichtiger Aspekt. Für jeden Handwerksbetrieb, jeden Mittelständler, jede Kommune und jeden auf Unterstützung hoffenden Sportverein ist es von unschätzbarem Wert, Ansprechpartner und vor allem Entscheider in der Nähe zu wissen. Das zählt mehr als die Anzahl von Geschäftsstellen.
Die Auswirkungen der Filialschließungen sind zudem weniger dramatisch, als es im ersten Augenblick den Anschein hat. Von insgesamt 600 Mitarbeitern sind 25 betroffen. Keiner von ihnen verliert den Job – alle werden an anderer Stelle weiterbeschäftigt.
Für den Großteil der Kunden sind die Folgen ebenfalls weitgehend „sozialverträglich“. Die nächstgelegene Filiale ist durchschnittlich nur gut drei Kilometer entfernt, hat der Vorstand errechnet. Auch nach der Umstrukturierung verfügt die Sparkasse noch über das größte Filialnetz aller Banken in Schaumburg.
Viele Kunden haben „ihre“ Geschäftsstelle ohnehin jahrelang nicht mehr betreten. Entweder, weil sie gleich zur nächsten Hauptstelle gefahren sind, oft in der Nähe des Arbeitsplatzes. Oder weil sie zur rapide wachsenden Gruppe der Online-Banker gehören.
Die Lebensgewohnheiten und -umstände der Menschen haben sich in den vergangenen Jahren verändert – immer stärker und immer schneller. Das müssen wir zur Kenntnis nehmen, auch wenn es uns nicht gefällt.

 

Von Mark Fügmann

Diese Filialen schließen

  • Stadthagen : Am Sonnenbrink
  • Enzen : Stadthäger Straße
  • Lauenhagen : Heideweg
  • Pollhagen : Hauptstraße
  • Niedernwöhren : Hauptstraße
  • Beckedorf : Hauptstraße (künftig nur noch SB)
  • Wölpinghausen : Fürst-Wolrad-Straße
  • Waltringhausen : Dorfstraße
  • Bückeburg : Georgstraße
  • Cammer : Friller Straße
  • Röcke : Röcker Straße
  • Obernkirchen : Rintelner Straße
  • Rinteln : Detmolder Straße (künftig nur noch SB), Pferdemarkt, Bruno Kleine (bisher SB)
  • Möllenbeck : Hildburgstraße
  • Engern : Schulweg
  • Todenmann : Hauptstraße
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Der Entschluss des Verwaltungsrats der Sparkasse Schaumburg, zum Jahresende 14 Filialen zu schließen, stößt auf wenig Gegenliebe. Die Ortsbürgermeister der betroffenen Gebiete äußern sich mit Bedauern zu dieser Entscheidung.

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