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Strandflair made im Weserbergland

Weserbergland / Unikate Strandflair made im Weserbergland

„Das war schon immer ein Kindertraum von mir.“ So reagieren viele Menschen, wenn sie bei Gartenfestivals, Landpartien oder Indoor-Veranstaltungen wie der Grünen Woche in Berlin oder der Infa in Hannover vor einem Strandkorb stehen, berichtet Benjamin Ritelli, der im Hamelner Ortsteil Holtensen eine Strandkorb-Manufaktur betreibt und sie fast ausschließlich auf diesen Veranstaltungen an den Endverbraucher bringt.

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 André Oppermann bearbeitet das Oberteil eines neuen Strandkorbes in der Manufaktur in Holtensen. wft Darek Topolnicki schneidet Stoff für die Seitenwangen eines Strandkorbs zu.

Quelle: wft

Von Wolfhard F. Sehr lange beherbergt das Sünteldorf den Betrieb in einer ehemaligen Schuhfabrik, die zwischenzeitlich auch als Turn- und Sporthalle diente, noch nicht. Der Umzug aus Münster nach Hameln erfolgte erst Anfang 2013. „Ich war auf der ABF in Hannover und wohnte während der Messe in Hameln. Weil es mir hier gut gefallen hat, habe ich damals, mehr aus Spaß, meinen besten Mitarbeiter telefonisch angefragt, ob er sich vorstellen könne, mit mir hierher zu gehen.“ Eine halbe Stunde habe er zurückgerufen und erklärt, er habe bereits eine Wohnung gefunden. „Aus einem Spaß wurde ganz kurzfristig ernst.“ Außerdem liege Hameln für ihn besonders gut mitten in der Region der Landpartien und Gartenfestivals. „Die finden fast alle in einem Radius von 300 Kilometern statt. Das ist eben eine norddeutsche Spezialität.“ Von Münster aus habe er regelmäßig 170 bis 200 Kilometer weiter fahren müssen.

Die Strandkorb-Fertigung hat in Rinellis Familie noch eine recht junge Tradition. Erst im Jahr 1991 hatte Ritellis Onkel Michael in Schleswig-Holstein mit dem Bau von Strandkörben begonnen und sie über Einzelhändler verkauft. „In den besten Zeiten dürften es pro Jahr kaum mehr als 400 Strandkörbe gewesen sein, die er absetzen konnte. Das waren noch Strandkörbe aus geflochtenen Weiden. Heute benutzen wir Geflecht aus Polyethylen, weil das länger hält.“ Nur das Holz, das er verwende, sei dasselbe wie zur Zeit der Fertigung seines Onkels: Teakholz aus Indonesien. Rinelli selbst hat im vergangenen Jahr 600 Strandkörbe verkauft; in diesem Jahr, Stand Ende August, liegt er schon bei 430 Bestellungen. Aufs Jahr hochgerechnet könnten es 2014 durch den Besuch von fast 50 Lifestyle-Messen 650 Objekte werden, die von der Manufaktur persönlich ausgeliefert und aufgestellt werden. „Wenn sie auf einen Balkon kommen sollen, baue ich sie vor dem Haus auseinander und auf dem Balkon wieder zusammen.“ Dabei ist Rinelli auf Expansion eingestellt: Für 2015 ist Präsenz bei 63 Messen geplant.

 Die Herstellung von Strandkörben ist bereits seit einigen Jahrhunderten überliefert. Schriftliche Nachweise finden sich beispielsweise in den Zunftordnungen von Hamburg, Lübeck, Bremen und auch Köln. Zu Tausenden stehen sie nun vor allem an den Nord- und Ostseestränden, dort allerdings in weniger luxuriösen Ausstattungen und deutlich preiswerter als die für private Endverbraucher gefertigten Garten- oder Terrassenmöbel.

 Aus Münster zog Rinelli weg, weil er die Lagerhalle, in der er 2010 selbst mit der Fertigung begonnen hatte, räumen musste: „Sie wurde abgerissen.“ Die Suche nach einem anderen Standort in der Stadt sei vergeblich gewesen: „Alles war viel zu teuer. Das muss sich ja schließlich auch rechnen und bei den Preisen war eine viel höhere Miete nicht zu verkraften.“ Da habe sich die leer stehende alte Schuhfabrik in Holtensen angeboten, mit einer Miete, die nur einen Bruchteil dessen betrage, was er in Münster hätte bezahlen müssen, erzählt der 24-Jährige. Die Manufaktur hat er im Oktober 2013 in eine GmbH umgewandelt, deren Gesellschafter er ist; Benjamin Ritellis Vater Nicola fungiert als Geschäftsführer und arbeitet auch im Vertrieb.

 In der Manufaktur in Holtensen wird den Strandkörben allerdings nur der letzte Schliff verliehen. Die Einzelteile selbst werden in Indonesien gefertigt und per Container ins Weserbergland transportiert. „Aus Deutschland stammen dagegen die mit Teflon beschichteten lichtechten und wetterfesten Outdoor-Stoffe“, beschreibt Rinelli die Komponenten seiner Möbel. „Und auch die Gasdruckdämpfer, mit denen die Oberkörbe abgefangen werden, wenn der Strandkorb aufgeklappt wird, sind deutscher Herkunft und in ihrer Stärke auf das Gewicht des Oberkorbes abgestimmt. Das haben wir mit unseren unterschiedlichen Modellen beim Hersteller der Dämpfer ausgetestet.“

Insgesamt 24 unterschiedliche Modelle bietet Rinellis Strandkorb-Manufaktur an: vom Ein- bis zum überbreiten Drei-Sitzer, seitlich mit oder ohne Bullaugen und die Geflechte in den Farben Natur, Braun und Grau. Die Preise bewegen sich vom Einsitzer für 1250 Euro bis zum Dreisitzer für 2600 Euro. Für Sonderanfertigungen müssen Kunden je nach Wunsch noch einiges oben drauflegen.

 Gebaut hat er schon mal ein Modell mit Stoff im Tiger- und Leopardenlook. Ein anderer Kunde ließ sich sein Luxusteil schwarz lackieren und auf Hochglanz polieren. Und auch Lautsprecher für einen MP3-Player hat Rinelli für ein teures Stück schon in den Korbhimmel eingebaut und einen Weiteren schon als Fernsehsessel mit eingebauter Halterung für die Fernbedienung ausgeliefert.

 Das Teakholz stammt nach Aussage von Rinelli von Plantagen in Indonesien, „die nachhaltig betrieben werden; für jeden gefällten Baum müssen zwei neue gepflanzt werden“, betont er. Eigentümer sei eine Deutsche, mit der er einen Kooperationsvertrag habe. Die Insel oder gar den Ort, zu dem die Plantage gehört, will Rinelli auf gar keinen Fall nennen. Seine Begründung dafür: „Da kämen andere Teakholzverarbeiter nur auf den Gedanken, dort auch einzukaufen. Das würde den Preis für das Holz sofort nach oben treiben. Die Konkurrenz um das Holz ist wirklich scharf.“

 Das Unternehmen, das für ihn in Indonesien fertigt, beschäftigt für die Strandkorb-Manufaktur gut ein Dutzend Mitarbeiter, die ganzjährig voll mit dem Zuschneiden und Bearbeiten der Strandkorb-Teile beschäftigt sind. In Holtensen sind einschließlich Rinelli sieben Menschen mit der Fertigung und dem Vertrieb der Strandkörbe beschäftigt. Für Kunden aus dem Weserbergland will Rinelli künftig einmal im Quartal einen Fabrikverkauf anbieten – dort können Ausstellungsmodelle gekauft werden. wft

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