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Vom Aussterben bedroht

Vor allem für VW-Händler ein schwieriges Pflaster Vom Aussterben bedroht

Die Region scheint für Autohändler derzeit ein schwieriges Pflaster zu sein. Ums Überleben kämpft derzeit das Autohaus Sölter mit seinen Niederlassungen in Stadthagen, Wunstorf, Neustadt und Alswede.

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Das Autohaus „Mobile Partners“ ging bereits vor einigen Jahren in die Knie – jetzt scheint sich eine wahre Pleitewelle anzukündigen. 

Quelle: Archiv: rg

Landkreis. Bereits im August war über den Fiat-Händler „Automobilé“ in Hameln das Insolvenzverfahren eröffnet worden, und das Autohaus Schütte in Hameln hat seine Ausstellungsräume bereits geräumt.

 Vor allem VW-Händler haben es offenbar schwer: Die Sölter GmbH hatte die Markenvertretung erst Ende 2010 nach der Pleite von „mobile partners“ übernommen. Im November 2013 hatte der Hamelner VW-Händler Hild & Comp. GmbH Insolvenz angemeldet, im Februar 2014 folgte das endgültige Aus für das 1932 gegründete Autohaus.

 Sölter-Geschäftsführer Constantin Knabe beklagt, dass es für VW-Händler schwer geworden sei, weil immer mehr neuwertige Fahrzeuge von Werksangehörigen privat angeboten würden. Das sei eine große Konkurrenz für den Handel, der gleichzeitig mit jährlich höheren Kosten kalkulieren müsse.

 Eine Klage, die seine Händlerkollegen durchaus nachvollziehen können. „Sölter ist der letzte Mohikaner unter den VW-Partnern in Schaumburg“, bemerkt Frank Starnitzke, Opel-Händler in Bückeburg. Seiner Ansicht nach liegt das an der Geschäftspolitik von VW. „Die Mitarbeiter wissen, dass sie jedes halbe Jahr ein neues Auto abrufen können – und verkaufen ihre erst wenige Monate alten Wagen zu Spottpreisen auf dem freien Markt.“

 Auch der Geschäftsstellenleiter der IHK Schaumburg hat beobachtet, dass „Werksangehörige ihre Autos als Jahreswagen auf den Markt bringen – insbesondere von VW wird das seit Jahren praktiziert“, so Martin Wrede. Durch das Internet sei der Vertriebsweg sehr einfach geworden. Viele andere Hersteller lassen laut Starnitzke ihre Händler dagegen am Verkauf der Mitarbeiterautos teilhaben. Das bestätigt auch Hans-Werner Klauke, Mitsubishi-Händler in Lindhorst. „Es gibt ein internes Portal für Händler, in dem die Dienstwagen von Mitsubishi angeboten werden.“

 Nach Angaben von Wrede sind die Gewinnmargen der Händler gesunken. „Das wird den Konzentrationsprozess beschleunigen. Der Autohandel wird sich aus der Fläche zurückziehen. Der Mittelstand hat es schwer.“

 Für viele Privatunternehmer sind die teuren Auflagen der Hersteller kaum zu finanzieren. Beleuchtung, Böden und Innendesign der „Showrooms“ sollen ein exklusives Ambiente vermitteln und erfordern hohe Investitionen. „Ich bin froh, dass ich Mitsubishi-Händler bin. Wir sind mit dem Hersteller noch auf Augenhöhe. Das ist bei Audi oder VW ganz anders. Die verlangen sehr hohe Standards, was die Werkstattausrüstung und die Ausstellungsräume betrifft. Und das kann sich schnell mal ändern“, sagt Klauke.

 Ob das Internet Fluch oder Segen für die Autohändler ist, darüber scheiden sich in Schaumburg dagegen die Geister. Klauke sieht es überwiegend positiv. „Die Kunden finden uns häufig über das Internet, wenn sie nach einem bestimmten Mitsubishi-Modell in ihrer Nähe suchen.“Allerdings sei vor allem bei Neufahrzeugen der Preisdruck gestiegen.

 Starnitzke beobachtet mittlerweile einen Gegentrend. „Durch schlechte Erfahrungen mit Internetkäufen wächst wieder der Wunsch, sich im persönlichen Gespräch qualifiziert beraten zu lassen. Dabei ist das Vertrauensverhältnis zwischen Händler und Kunde enorm wichtig.“ Der Unterschied bestehe darin, dass der Kunde im Internet genau das kaufe, worauf er sich vorher festgelegt hat. „Als mobiler Begleiter nehmen wir uns Zeit und helfen, genau das richtige Auto für den Kunden zu finden. Und das ist am Ende häufig ein ganz anderes, als er sich vorher überlegt hat.“

 Laut Wrede sei der Markt durch die Abwrackprämie gesättigt, weil viele Neuwagen auf einen Schlag auf den Markt gekommen seien. Einen solchen Effekt sechs Jahre nach der Abwrackprämie bezweifelt Starnitzke. „Das spielt keine Rolle. Das ist viel zu weit weg.“

 Nach Ansicht von Starnitzke machen sich Hersteller und Händler zum Teil das Leben selbst schwer. „Die Hersteller haben zu große Stückzahl-Erwartungen, dabei bewegen wir uns in Europa in einem stagnierenden Markt. Die Konzerne wollen sich Marktanteile erobern, aber das ist angesichts der Marken- und Händlertreue schwierig – und geht nur über den Preis.“ Einige Hersteller machen laut Starnitzke den Händlern deshalb besondere Konditionen, im Gegenzug verpflichten sich die Händler, mehr Autos aufzunehmen, als sie regulär verkaufen können. „Die verschleudern dann die Wagen zu Dumpingpreisen über alternative Vertriebswege, um sich nicht den Hofverkauf kaputt zu machen.“

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