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Von Milchpreisen und Brötchen-Tasten

Neujahrsforum der Volksbank Von Milchpreisen und Brötchen-Tasten

Bei der von SN-Chefredakteur Marc Fügmann moderierten Podiumsrunde im Rahmen des Neujahrsforums der Volksbank Hameln-Stadthagen haben die rund 250 Gäste interessante Einblicke in die wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis bekommen.

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Michael Joop

Landkreis. Mit großer Hoffnung sieht Martin Wrede der geplanten, noch nicht endgültig entschiedenen Investition von 35 Millionen Euro durch den Autositzhersteller Faurecia am Standort Stadthagen entgegen. „Hierbei handelt es sich um höchst qualifizierte Arbeitsplätze, und das ist es, was wir in Schaumburg brauchen“, sagte der Stadthäger Geschäftsstellenleiter der IHK.

Große Anstrengungen seien nötig, junge Leute für Ausbildungsberufe zu begeistern, betonte Wrede. Auf Initiative der IHK gehen deswegen sogenannte Ausbildungsbotschafter aus Betrieben in die Schulen. Im System der dualen Ausbildung stecke großes Potenzial. So ermögliche sie zum Beispiel den Zugang zum Studium auch ohne Abitur, was man Jugendlichen verdeutlichen könne.

Dass die hiesigen Landwirte unter drastisch sinkenden Preisen auf dem Agrarsektor leiden, berichtete Dirk Hasse , Geschäftsführer der Luhdener Hasse Agrar-Service OHG. So seien für einen Liter Milch nur 27 Cent zu erzielen, „da fehlen 13 Cent, um überhaupt mit Erlös zu wirtschaften“. Hasse, der den erkrankten Kreislandwirt Cord Lattwesen vertrat, fügte hinzu: „Leider zahlen die Verbraucher auch zu wenig für das Schweinefleisch.“ Hilfreich wäre es, so Hasse, wenn der Ausfuhrstopp nach Russland aufgehoben würde, „denn dieser Absatzmarkt fehlt uns sehr“.

Mehr Flexibilität bei Arbeitsverträgen hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf forderte Cornelia Kurth , Leiterin der Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit in Stadthagen. Die Expertin erwartet, „dass sich Arbeitgeber hier künftig kompromissbereiter zeigen müssen, wollen sie gute Fachkräfte bekommen“. Problematisch sei, dass an vielen Grundschulen in der Region keine Hortbetreuung angeboten werde, was für viele berufstätige Eltern ein Problem darstelle.

Im vergangenen Jahr seien in Schaumburg 4176 neue sozialversicherungspflichtige Jobs angeboten worden, nannte Kurth eine Zahl, welche die relativ stabile wirtschaftliche Lage verdeutliche. Die Arbeitslosigkeit habe 2015 in Stadthagen im Jahresschnitt 6,9 Prozent und in Rinteln 7,2 Prozent betragen.

Bisher 62 Handwerksbetriebe in Schaumburg sind nach Darstellung von Fritz Pape bereit, Flüchtlingen ein Praktikum anzubieten. „Wir dürfen dabei aber nichts überstürzen“, warnte der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, „sonst geht das in die Hose.“ Vor allem ausreichende Deutschkenntnisse müssten erst vermittelt werden.

Auf die Auswirkungen des Mindestlohns angesprochen, räumte Pape ein, es habe sich einiges zum Positiven verändert. „Die Politik hat die Belastungen für die Betriebe auf ein Minimum reduziert, was die Bürokratie angeht.“ Pape nannte auch einige Eckdaten für die Rolle des Wirtschaftsfaktors Handwerk in Schaumburg. So gebe es etwa 1800 Handwerksbetriebe mit insgesamt rund 10.000 Beschäftigten.

Für die Ausweitung der sogenannten „Brötchen-Taste“ an Parkautomaten auf alle innenstadtrelevanten Parkplätze in der Kreisstadt und die Verlängerung der Dauer auf 30 Minuten sprach sich Günter Raabe aus. Der Chef des Stadtmarketing Stadthagen (SMS) fügte hinzu, langfristiges Ziel seiner Organisation sei stadtweites kostenloses Parken. „Das dürfte bei der Finanzlage der Stadt aber schwierig werden“, räumte er ein.

Nach wie vor sei das SMS bestrebt, möglichst einheitliche und ausreichend lange Öffnungszeiten der Läden in Stadthagen zu erreichen. „Schade, dass ich den Einzelhandel nicht anweisen kann, wann er zu öffnen hat“, sagte Raabe schmunzelnd. ssr

Joop: Reformdruck fehlt

Scharfe Kritik hat Michael Joop, Vorstandschef der Volksbank Hameln-Stadthagen, beim Neujahrsforum an der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) geübt. „Die Bevölkerung zahlt die Zeche“, sagte er. „Stellen Sie sich den Rentner vor, der seine Altersvorsorge unter anderem aus 250.000 Euro bestreiten muss, die er sich über 45 Arbeitsjahre zusammen gespart hat. Der hat dann aus den Zinsen eine monatliche Zusatzrente von 98 Euro – vor Steuern.“
Die Ursache der niedrigen Zinsen sei, dass „die südeuropäischen Staaten sich schlichtweg keine höheren Schuldzinsen leisten können“. Wenn die EZB dort aber ständig für eine extrem günstige Refinanzierung sorge, „fehlt der Reformdruck für diese Staaten“, kritisierte Joop.
Mit Blick auf die Bankenaufsicht in Deutschland sprach der Volksbank-Chef von einer „ungebremsten Regulierungsflut“. Kürzlich hätten wegen einer Umfrage der Bundesbank „vier hoch qualifizierte, leitende Mitarbeiter vier Stunden lang geschult werden müssen, um überhaupt in die Lage versetzt zu werden, die Umfrageformulare auszufüllen“.
Beim Verbraucherschutz bei Finanzgeschäften „schießt der Gesetzgeber deutlich über das Ziel hinaus“, fuhr Joop fort. Bürger würden „für unmündig erklärt“, die Maßnahmen seien wenig hilfreich.  ssr

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