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Von Missverständnissen und Chancen

Podiumsdiskussion für Azubis und Firmen Von Missverständnissen und Chancen

Unternehmer, Berufsschule, Institutionen, die Politik – alle wollen im Grunde dasselbe: Dass Jugendliche und Unternehmen zueinander kommen, Jugendliche ihren Arbeitsplatz, die Unternehmen geeignete Bewerber finden, mehr Frauen eingestellt werden, selbst Randgruppen Chancen auf einen Job haben.

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Zum Schluss gab es Rinteln-Tüten für die Referenten mit Kaffee, passend dazu die Tasse plus Weserkies, die hier Patrizia Gersmeier und Robert Eibers bereit halten.

Quelle: wm

RINTELN. Nur, wie man das erreichen kann, da gehen die Ansichten weit auseinander. Das zeigte die Podiumsdiskussion zum Thema „Nachwuchsförderung“ am Dienstag im Brückentorsaal. Eingeladen hatte dazu die Stadt im Rahmen der „Rintelner Unternehmergespräche“.

Junge Leute ziehen vom Land weg

Bürgermeister Thomas Priemer schilderte zu Beginn vor etwa 50 Firmenchefs und Firmenvertretern die Ausgangslage: Es gibt immer weniger Azubis, viele junge Leute ziehen aus den ländlichen Regionen weg oder bleiben länger im schulischen Bildungssystem. Gleichzeitig gehen in den nächsten Jahren viele Mitarbeiter in Betrieben in den Ruhestand. Lücken, die zu füllen sind.

Die Podiumsdiskussion, die die Demografiebeauftragte Linda Mundhenke moderierte, brachte zwei Erkenntnisse: Zum einen mangelt es keineswegs an Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten. Nur blickt durch diesen „Dschungel“ längst niemand mehr durch. Zum anderen hat niemand eine Patentlösung, weil Ansätze wie Interessen von Schule, Unternehmen, Politik, Ministerien oft unterschiedlich sind.

Ein Problem sei beispielsweise, wie man Jugendliche erreicht? Ausbildungsmessen seien da wenig sinnvoll, berichtete Olaf Seifert, Geschäftsführer des Rintelner Unternehmens Amcor Flexibles. Seine Erkenntnis: Auf Messen sieht man nur die Eltern. Aber nur auf Messen könne man zeigen, dass es mehr als zehn Ausbildungsberufe gibt, wie viele Jugendliche glauben, entgegnete Marlis Janovsky vom niedersächsischen Wirtschaftsministerium.

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In der 7. Klasse sollte man mit der Berufsorientierung anfangen. Nein, bereits in der 5. Klasse. „Völlig falsch, die Schüler seien damit noch überfordert“, so die differierenden Meinungen. Das letzte Wort hatte hier Marlis Janovsky: „Für Gymnasien wird Berufsorientierung verpflichtend.“

Handwerker sollten in die Schulen gehen und ihren Beruf vorstellen, empfahl Jens Heitmüller von der Handwerkskammer Hannover. Er kenne einen Dachdecker, der bekomme auf diesem Weg jedes Jahr seine Azubis. Seifert hielt es sogar für sinnvoll, Auszubildende vor Klassen sprechen zu lassen, damit Schüler aus erster Hand erfahren, wie Ausbildung funktioniert. Mit beidem konnte sich wiederum Janovsky nicht anfreunden, da sei doch ein Kompetenzchaos programmiert.

Klar wurde bei der von Mundhenke geschickt gesteuerten Debatte: Es gibt von Beruf zu Beruf große Unterschiede. Einig war man sich indes, dass man wohl langfristig auch auf Bewerber zurückgreifen muss, die eigentlich nicht die gewünschte Qualifikation erfüllen.

Das Problem ist hier, dass sich die Einstiegsqualifizierung auch für Handwerkberufe längst verändert hat. Früher reichte für einen Kfz-Schlosser ein guter Hauptschulabschluss, heute erfordert der „Mechatroniker“ mindestens einen Realschulabschluss, wenn nicht sogar Abitur. Seifert betonte: „Wir schauen ja schon längst nicht mehr nur auf die Noten, sondern welche Voraussetzungen mitgebracht werden.“ Und Amcor Flexibles biete Anreize für die Jugendlichen, Auslandaufenthalte in Schwesterbetrieben oder die Azubis bekommen ein i-Pad.

Verwirrung durch neue Berufsbezeichnungen

Auch BBS-Leiter Herbert Habenicht versicherte, die Probleme seien längst erkannt. Wir wissen, dass man immer mehr Jugendliche erst ausbildungsfähig machen muss. Das geschehe auch an der BBS. Mehr noch, die BBS habe beste Kontakte zu Unternehmen: Rufe ein Fachlehrer in einem Unternehmen an, um einen Jugendlichen zu empfehlen, habe der häufig am nächsten Tag seine Lehrstelle.

Verwirrung stiften auch neue Berufsbezeichnungen. Seifert schilderte, Jugendliche hätten oft völlig falsche Vorstellungen von Berufen. „Dabei stecke dann ein knallharter Job an großen Druckmaschinen im Drei-Schichten-Betrieb dahinter."

Auch umgekehrt gibt es Missverständnisse: Heitmüller berichtete von Handwerksmeistern, die keine Mädchen einstellen, weil es keine extra Frauentoilette gebe. Die sozialen Medien waren an diesem Nachmittag kein Thema mehr. Spannend wäre noch gewesen, was die anwesenden Firmenchefs zu sagen hatten. Doch Moderatorin Mundhenke war wohl schnell klar, das dass Thema zu komplex war, um es im Rahmen einer Podiumsdiskussion abzuhandeln. wm

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