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Wandergeselle auf dem Weg durch Schaumburg

Bückeburg Wandergeselle auf dem Weg durch Schaumburg

Heute hier, morgen dort: So lässt sich das Leben der Wandergesellen wohl am besten beschreiben. Mindestens drei Jahre und einen Tag muss die Reise dauern – der bisherige Wohnort darf in dieser Zeit nicht betreten werden. Einer, der sich gern an diese strikten Regeln hält, ist Simon Dethlefs, Holzbildhauer und Tischler aus Nordfriesland.

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Simon Dethlefs arbeitete einige Tage lang in Bückeburg.

Quelle: mig

Bückeburg. In den vergangenen Monaten hat er viel gelernt, sagt der junge Mann. „Ich habe mich weiter entwickelt, bin selbstständiger und weltoffener geworden.“ Fast eineinhalb Jahre ist Simon inzwischen unterwegs. Er war in Schottland, Irland, Dänemark und vor einigen Tagen auch in Bückeburg.

Wenn Dethlefs durch die Stadt geht, sind ihm neugierige Blicke gewiss. Hut, Hose und Wanderstock wecken Aufmerksamkeit. Dass Simon ein Wandergeselle auf der Walz ist, wissen nur wenige. Dabei lässt sich gerade das auf den ersten Blick erkennen. Die „Kluft“ ist allen Gesellen gleich – nur die Farbe ist unterschiedlich. Schwarz steht für Holz, Blau für Metall und Rot für Schneider. Das Lebensmittel-Gewerbe ist übrigens besonders leicht zu erkennen. Es hat zusätzlich zu der Farbe auch ein besonderes Muster: schwarz-weiß kariert.

Für Dethlefs hat seine Kleidung eine doppelte Bedeutung. Da ist beispielsweise der Hut, den Wandergesellen „vor niemandem ziehen“. Oder der Stock, den sich Simon ganz am Anfang seiner Reise selbst geschnitzt hat. „Die Kluft ist ein Zeichen für den freien Menschen. Ich ziehe sie deshalb nur selten aus“, sagt Dethlefs. Das Tragen der Kleidung sei Teil einer jahrhundertealten Tradition. Einer Tradition, die er sehr schätze. „Sie verkörpert Dinge, die ich auch schätze, wie Zusammenhalt oder die Fertigkeiten des Handwerks.“

Es gehe bei der Walz nicht nur um „reine Abenteuerlust“, sondern um die Auseinandersetzung mit dem Selbst und die Suche nach unbekannten Fertigkeiten. „Es geht darum, neugierig auf die Welt zu sein, sich beruflich und menschlich weiterzuentwickeln und einmal über den Tellerrand zu schauen“, konkretisiert der Nordfriese sein Vorhaben. Jeder habe dabei seine „eigene Wanderschaft“. Deshalb müsse „jeder selbst schauen, wo er die Schwerpunkte setzt“.

Für Dethlefs liegen diese Schwerpunkte auf dem Gebiet der Holzbildhauerei und der Tischlerei. Er war schon bei zahlreichen Holzbildhauern, die ihm viel beigebracht haben. Unter anderem führte ihn sein Weg in die Schweiz, nach Irland, Dänemark und Österreich. Wie viele Kilometer er in seinen Schuhen stecken hat, kann Simon nicht genau sagen. Nur so viel steht fest: „Es müssen eine Menge sein.“

Im Grunde gibt es für Wandergesellen nur zwei Möglichkeiten der Fortbewegung: entweder per Daumen oder auf Schusters Rappen. Mal eben Bahn fahren, weil es draußen regnet? Denkste, geht nicht. Für das Reisen oder ein Bett darf kein Geld ausgegeben werden. Aber hilfsbereite Menschen gibt es eigentlich immer, sagt Simon. Beim Fahren per Anhalter werde er häufig schnell mitgenommen, oft würden die Gesellen auch zum Essen oder über Nacht eingeladen. Es gebe einen gewissen „Kluft-Bonus“, vermutet Dethlefs. „Gerade Ältere wissen sofort, wer man ist. Das hilft ungemein.“

Zu blauäugig sollte aber niemand an die Walz herangehen. Es gebe auch schlechte Tage, mahnt Dethlefs. „Dann regnet es Bindfäden, man muss noch 20 Kilometer gehen – und keiner nimmt einen mit.“ Sein Rat: Genau wissen, worauf man sich einlässt. „Sich erst einmal erkundigen. Jemanden kennenlernen, der auch schon eine Reise gemacht hat. Leider wissen die Gesellen heute nur wenig über ihre vielen Möglichkeiten.“

Wenn alles gut geplant ist, ist die Walz eine bereichernde Erfahrung, sagt Dethlefs. Andere Gesellen treffen, sich austauschen und morgens im Schatten einer Eiche aufwachen: „Das sind Erlebnisse, die einen weiterbringen und die man sein Leben lang nicht mehr vergisst.“ Der Wandergeselle betont: „An den meisten Tagen ist es einfach schön, unterwegs zu sein und die Augen offen zu halten.“

Langsam wird es kälter, und Dethlefs macht sich auf die Suche nach einer Mitfahrgelegenheit. Sein nächstes Ziel: Bad Eilsen – und von da aus weiter nach Rostock. Da werde er eine Baustelle besuchen und andere Gesellen treffen. Wo er heute Nacht schlafen wird? „Das weiß ich noch nicht, das lasse ich auf mich zukommen.“ So etwas würde auch davon abhängen, „wer mich mitnimmt und wo derjenige hinfährt“.

Und wünscht er sich nicht doch insgeheim nach Hause an den warmen Ofen? Dethlefs schüttelt den Kopf. „Ich bin in den letzten Monaten viel selbstständiger und weltoffener geworden. Dass ich losgegangen bin, habe ich bisher noch keine Sekunde bereut.“ mig

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