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Weseranrainer zwischen Kassel und Minden können aufatmen

Wirtschaft Weseranrainer zwischen Kassel und Minden können aufatmen

Das Wasser der Oberweser fließt wie eh und je in großen Bögen zwischen den Bergen entlang. Doch am längsten rein deutschen Strom hat sich etwas verändert: Ihm ist nun amtlich beschieden worden, dass er und seine Quellflüsse Werra und Fulda für die Binnenschifffahrt fast wertlos sind.

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Quelle: pr.

Weserbergland. Deutschland, der Flusseigentümer, bezeichnet sie nur noch als „sonstige Wasserstraße“ – es reicht nicht einmal für den Status „Bundeswasserstraße“ der untersten Kategorie C. Mit der neuen Einstufung seiner 7300 Kilometer Wasserstraßen will der Bund das Geld für Unterhalt und Ausbau der Binnenschifffahrtswege an die Stellen lenken, wo sie den größten Nutzen entfalten. Die Oberweser gehört nicht dazu.

 Damit hängen auch die Fragen zusammen, ob die Weser zwischen Hannoversch Münden und Minden sich also selbst überlassen, bald streckenweise verlanden oder sonst wie für Fracht- und Passagierschiffe oder gar Boote unbefahrbar sein wird.

 Ebenso ungeklärt ist, was aus der großen Schleuse in Hameln und was aus der dortigen Außenstelle der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung wird. Seit Jahren schwelen die Befürchtungen zu diesen Themenkomplexen, jetzt gibt es allerdings eine Entwarnung: „Der Bund verabschiedet sich nicht von der Oberweser“, versichert in Hannover Tilo Wachholz von der Außenstelle Mitte der Bonner Generaldirektion für Wasserstraßen und Schifffahrt. „Der Status quo wird gesichert – beim Ausbaustand des Flusses und beim Betrieb der Schleuse in Hameln.“ Die Anlage werde nicht privatisiert, die Durchfahrt werde auch nicht kostenpflichtig.

 Das Bundespersonal, das sich um den Stromunterhalt kümmere, bleibe ebenfalls in der Rattenfängerstadt. Im vorigen Jahr hatten bundesweit, auch in Hameln, Schleusenwärter gestreikt, weil sie bei der Reform der Schifffahrtsverwaltung Nachteile befürchteten.

 Wachholz bestätigt jetzt einerseits: „Der Ausbau der Oberweser für den Güterverkehr lohnt sich derzeit nicht.“ Andererseits könnten am Schiffsverkehr interessierte Firmen auf das, was der Fluss biete, aufbauen und hätten damit durchaus Investitionssicherheit. Die Landesregierung ist trotzdem mit der Einstufung der Oberweser unzufrieden. Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr in Hannover möchte diesen Flussteil der Kategorie C zugeordnet sehen, weil es sich um eine gewerblich befahrene Wasserstraße handele und sie als solche erhalten bleiben soll. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat Niedersachsen und Hessen inzwischen schriftlich zugesichert, die Bundesmittel für den Unterhalt der Oberweser nicht zu reduzieren – auch ohne das C. In Hannover bleiben die Fachleute skeptisch: „Das Land beobachtet nun, wie sich die Verkehre und die Unterhaltung der Wasserstraße entwickeln“, heißt es.

 Der Bund erläutert in seinem Konzept für den Verkehrswegeplan 2015, die „sonstigen Wasserstraßen“ blieben „grundsätzlich im Bestand erhalten, soweit dies wirtschaftlich zu vertreten ist“. Und zur Sicherheit müsse etwa dem Erhalt von Wehren „unabhängig von Wirtschaftlichkeitsüberlegungen und der Lage im Netz die höchste Priorität eingeräumt werden“. Laut Verband der Binnenschiffer werden die Bundeswasserstraßen „seit Jahrzehnten auf Verschleiß gefahren“.

 Um den Sanierungsstau aufzulösen, müssten die Investitionen „konsequent nach volkswirtschaftlichem Nutzen priorisiert werden“, verlangt der Bundesverband der Industrie. Wachholz bestätigt: „Zehn Millionen Euro in die Sanierung einer Schleuse zu stecken, die nur von einigen Wassersportlern genutzt wird, ist möglicherweise nicht sinnvoll.“ Der Experte hält die Zukunft von Werra und Fulda als Schifffahrtsstraßen für fraglich, nicht aber die der Oberweser.

 Die Bewertung der Weser südlich Mindens war im vorigen Jahr Thema im Wahlkampf um Hameln-Pyrmonts Landratsposten. 15 Kreise und Städte zwischen Hameln und Kassel hatten bereits 2011 eine Resolution gegen die Rückstufung der Oberweser verfasst. Die Anrainer fürchteten, künftig für den Hochwasserschutz aufkommen zu müssen, vor allem aber werde die Reaktivierung der Weser als Wirtschaftsweg ad acta gelegt.

 „Ein Schiff wird kommen“ – so lautet seit Jahren eine stille Hoffnung an der Oberweser. Meist warten die Anrainer vergebens. Weil der Bund nur noch stärker befahrene Flüsse und Kanäle ausbauen möchte, gibt es Fragezeichen zur Zukunft der Oberweser.

Von Marc Fisser

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