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Willkommen in der neuen Firmenzentrale

Hessisch Oldendorf Willkommen in der neuen Firmenzentrale

Oliver Nacke ist im Stress. Gerade kommt er zurück aus Kroatien. „Die nächsten zwölf Monate dort werden entscheidend sein“, sagt er. Schon heute betreibt er mit seiner Biogastechnologie-Firma Archea dort mehr Anlagen als jemals in Deutschland. Gleich fliegt er nach Brasilien, um die erste Anlage, die seine Firma in dem südamerikanischen Land baute, einzuweihen. Und auch zu Hause, am neuen Firmensitz, gehen Arbeiter ein und aus.

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Bilder einer Baustelle: Auf einer ausrangierten Tür haben Arbeiter verschiedene Türklinken gesammelt, Spinnweben hängen über alten Armaturen, ein Strichmännchen prangt an einer Wand.

Quelle: rom

Hessisch Oldendorf. Nacke legt seine Hand auf den in Form eines Fuchses gestalteten Knauf und stößt die Holztür zum ehemaligen Berliner Landschulheim auf. Über Schutt und Dreck geht es in eine große Halle, seine Füße wirbeln Staub auf, es riecht modrig nach feuchter Pappe. „Dies war mal der Essensraum, wir machen daraus ein Großraumbüro“, sagt Nacke. Rund 2500 Quadratmeter Fläche bietet das Gebäude. Auf dem Gelände am Horstweg soll ein „Kompetenz- und Dienstleistungszentrum“ entstehen. Das Gelände ist rund 1,5 Hektar groß. Insgesamt sollen künftig gut 50 Menschen dort arbeiten können. Die Stadt hatte Gebäude und Grundstück im Jahr 2006 gekauft, nachdem das Schullandheim geschlossen wurde.

 Nacke geht durch den Eingangsbereich, der künftig eine Art Foyer werden soll, weiter durch die Gänge und die Treppen hinauf. Kabel hängen aus den Decken, zerborstenes Glas liegt auf dem Boden. „Zum 1. Mai haben wir in Hameln gekündigt“, sagt Nacke. Bis dahin sitzt seine Firma noch am Hefehof. Büros gibt es zudem in Bückeburg und Heßlingen. Die Kollegen aus Bückeburg sollen noch in diesem Jahr einziehen.

 30 Archea-Mitarbeiter sollen am neuen Firmensitz einmal arbeiten, 75 Kollegen gibt es insgesamt, viele davon sind Monteure. Die Service-Mitarbeiter für die weltweiten Biogasanlagen sitzen bereits in Bungalows auf dem Landschulheim-Gelände. „Sie fühlen sich total wohl hier“, sagt Nacke. „Die Jungs, die hier sitzen, saßen bis vor Kurzem bei mir zu Hause in Heßlingen.“ Büro und Verwaltung der Archea-Gruppe sollen einmal in Hessisch Oldendorf sitzen. Ein weiterer Archea-Standort in Ludwigslust soll bestehen bleiben. „Insgesamt bin ich in 42 Firmen Geschäftsführer, davon 25 Biogasanlagen.“ Ein neuer Markt für Archea sei Kuba. Techniker und Mikrobiologen schulte die Firma bereits. „Wir verhandeln bereits mit der Regierung auf Kuba“, sagt Nacke. Auf der Insel gebe es bislang keine Biogasanlagen. „Kuba hat bislang nur Erdöl.“ Nacke will daher auf Kuba Fuß fassen. „Wir wollen keine Biogasanlagen nach Kuba verkaufen, sondern Know-how.“ Das Landschulheim sei so etwas wie das Gehirn des Unternehmens.

 Die Gebäude liegen verwunschen oberhalb des Schwimmbades. Einen Gärtner gibt es schon, er braucht anderthalb Tage, allein um das Gelände zu mähen. Der Grillplatz soll bleiben, die meisten Bäume auch. Zehn Bauarbeiter sind derzeit vor Ort, Elektriker und Heizungsbauer. Eine Anlaufstelle für den Naturschutzbund Nabu soll in einen der Bungalows ziehen. Auch eine Tagesmutter will Nacke einstellen, die dann die Kinder der Mitarbeiter betreuen soll.

 Archea setzt beim Bau des neuen Firmensitzes auf Geld von Privatleuten. Ein Geldinstitut wollte den Bau nicht finanzieren. „Wir haben daher Unternehmensanleihen erstellt“, sagt Nacke. Die Firma heißt Bipa Immobilien, ihr gehören die Gebäude. „Jeden Tag fast kommt hier Geld rein“, sagt Nacke. Komplett kostet das Projekt 1,5 Millionen Euro. Wahrscheinlich hat die Banken auch beeinflusst, dass Deutschland den Ausbau von Biogasanlagen längst nicht mehr so stark fördert wie einst. Die Folgen bekommt auch Archea zu spüren. „Wir verlagern unsere Umsätze“, sagt Nacke. Der Anteil sei von 80 Prozent in Deutschland auf Null gefallen. „Deutschland ist tot“, sagt Nacke. „Wir sind wohl die Einzigen, die noch wachsen.“

 Umso wichtiger sei der neue Firmensitz. Archea soll nicht allein dort einziehen. Zwei Mieter aus Rinteln gebe es bereits, die ebenfalls in das Gebäude wollen. Auch weitere Ideen hat Nacke schon. „Das Objekt ist wichtig“, sagt er. Ein Blockheizkraftwerk soll entstehen, Biogas und Strom will er in das öffentliche Netz einspeisen, Wärme fürs Landschulheim und das Freibad bereitstellen.

 Nacke stromert über das Gelände, über Wiesen und durchs Unterholz. Vom Schwimmbad tönen Kinderschreie herüber. Plötzlich bleibt er stehen und schaut auf das marode Gebäude. „Wir haben das Haus gesehen und gleich Kontakt aufgenommen.“ Vor anderthalb Jahren war das. Heute sagt Nacke: „Es ist ein Rohdiamant. Ich wollte immer hierher.“ Schließlich sei er Hessisch Oldendorfer. „Das hier ist meine Heimat.“ Es klingt, als sei der Weltenbummler angekommen.

Von Robert Michalla

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