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Studien: Ursachen für ADHS offenbar sehr vielfältig

Zappelphilipp-Syndroms Studien: Ursachen für ADHS offenbar sehr vielfältig

Britische Forscher haben erstmals den direkten Beweis erbracht, dass eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern zumindest zum Teil genetisch bedingt ist. Die Ursachen sind vielfältiger als angenommen.

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Im Jahr 1847 beschrieb der Frankfurter Arzt und Dichter Heinrich Hoffmann im „Struwwelpeter“ den Prototypen des „Zappelphilipps“.

Quelle: HAZ

Eine jetzt auf der Internetseite der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichte Studie stellte deutliche Unterschiede bei Kindern mit der psychischen Störung und solchen ohne im Erbgut fest. Renommierte Erziehungswissenschaftler wie der hannoversche Leiter des Instituts für Kinderpsychologie und Lerntherapie, Wolfgang Bergmann, warnen allerdings davor, daraus Rückschlüsse für die Behandlung von Kindern mit dem sogenannten Zappelphilipp-Syndrom zu ziehen (siehe dazu das Interview in der Folgeseite).

Erst vor anderthalb Monaten kam zudem eine große amerikanische Studie heraus, die die ADHS-Diagnosen selbst in Zweifel zieht. Nach Angaben des Leiters der Studie an der Universität Michigan, Todd Elder, leben in den USA möglicherweise fast eine Million Kinder mit falscher ADHS-Diagnose. Ihre als Zappelphilipp-Syndrom identifiziertenKonzentrationsstörungen seien oft nur Zeichen geistiger Unreife. Das gelte vor allem für die jüngeren Kinder einer Jahrgangsstufe im Kindergarten oder in der Schule, sagt Elder. Bei den jüngsten Kindergartenkindern eines Jahrgangs würde im Schnitt 60 Prozent häufiger ADHS diagnostiziert als bei den Gruppenältesten. Bei Schulkindern sei der Anteil sogar bis zu doppelt so hoch. Die amerikanischen Wissenschaftler werteten für ihre Untersuchung die Daten von 12 000 Kindern aus.

Für die jetzt veröffentlichte britische Studie wurde das Erbgut von 366 Kindern mit ADHS mit dem von 1047 Kindern verglichen, die die Verhaltensstörung nicht hatten. Bei hyperaktiven Kindern liegen demnach bestimmte Abschnitte der DNA, sogenannte Genkopiezahlvarianten (CNV), entweder in doppelter Ausführung vor oder sie fehlen. CNVs wurden bereits mit Krankheiten wie Autismus oder Schizophrenie in Verbindung gebracht.

„Wir haben bereits seit einigen Jahres gewusst, dass ADHS wohl genetisch bedingt sein muss, weil es in betroffenen Familien immer wieder vorkommt“, sagte Anita Thapar, Professorin für neuropsychiatrische Genetik in Cardiff. „Wirklich spannend ist, dass wir erstmals eine genetische Verbindung gefunden haben.“ Die Forscher machten aber deutlich, dass noch viel Arbeit bevorstehe, ehe die psychische Störung vollständig verstanden werden könne.

ADHS ist die häufigste psychische Störung bei Kindern und Jugendlichen und kann bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Bislang gibt es keine eindeutige Erklärung dafür. Eine Ursache wird in der Veränderung der Funktionsweise des Gehirns vermutet. Wissenschaftler gehen davon aus, dass neben genetischen Faktoren auch Umwelteinflüsse eine Rolle spielen.
Die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen in Deutschland schwankt in Studien zwischen zwei und etwa sechs Prozent. Schätzungen zufolge sind rund 500 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland betroffen, Jungen dabei drei- bis viermal so häufig wie Mädchen.

ie Verschreibung von Medikamenten für Kinder mit dem Zappelphilipp-Syndrom ist in Deutschland in den vergangenen Jahren zumindest im Grundschulalter offenbar zurückgegangen. Laut einer jetzt veröffentlichten Studie der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) ist die Zahl der Rezepte für ADHS-Medikamente wie beispielsweise Ritalin und Strattera für Sechs- bis Neunjährige zwischen 2007 und 2009 um 24 Prozent gesunken, teilte ein Sprecher der Krankenkasse mit. In der Altersgruppe der Kinder zwischen zehn und 13 Jahren allerdings wurde ein Anstieg der Verordnungen um einen fast ebenso hohen Prozentsatz verzeichnet: um 23 Prozent.

Jutta Rinas mit: afp/dpa

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