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Ins Gespräch kommen

Christliche Kirchen nutzen Web 2.0 zur Kommunikation

Die christlichen Kirchen in Deutschland haben ein Problem – jedes Jahr treten Hunderttausende Gläubige aus. 2008 waren es knapp 170 000 Protestanten und mehr als 120 000 Katholiken. Das Web 2.0, das sogenannte Mitmachweb, scheint daher für viele Geistliche ein vielversprechender Weg zu sein, mit den Menschen wieder ins Gespräch zu kommen.

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Jeden Tag schickt das Bistum Osnabrück einen Bibelspruch ins Web.

Jeden Tag schickt das Bistum Osnabrück einen Bibelspruch ins Web.

© Screenshot

Auch in Niedersachsen wagen einige Geistliche erste virtuelle Schritte. Franz-Josef Bode, Bischof des Bistums Osnabrück, betreibt seit Juni zusammen mit Kollegen das Bistumsblog. Auch wenn sich Bode beim Bloggen noch etwas schwertut – er trifft bisher den lockeren Plauderton der Netzgemeinde nicht –, formiert sich langsam eine Stammleserschaft, die allerdings auch offen und direkt Kritik äußert. „Bisschen sehr betulich, das Ganze, finde ich – aber bei Bischöfen ist das wohl so“, kommentierte Leser „Bernard“.

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers betreibt das Webprojekt „E wie evangelisch“. Es werden Begriffe wie „Anthroposophie“, „Klon“ oder „Verantwortung“ in kurzen Kolumnen thematisiert. Zu ausgewählten Begriffen werden vom Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen (ekn) Videos im Comicstil produziert. Diese Videos landen auf der Videoplattform YouTube, können aber auch über die Internet-Handelsplattform iTunes Store heruntergeladen werden. Auf DVD sind die Videos ebenfalls verfügbar. „Sie werden gern als Teaser im Konfirmations- oder Religionsunterricht genutzt“, sagt Renate Baumgart vom ekn. Einzelne Folgen würden dank der verschiedenen Portale bis zu 10 000 Zugriffe erreichen.

Nicht nur Kinder und Jugendliche sollen im Netz angesprochen werden. Das Portal „unserezeiten.de“ richte sich an evangelische Gläubige im Alter ab 59 Jahren, sagt Johannes Neukirch, Pressesprecher der Landeskirche. „Wir sind seit 1995 im Internet präsent.“

Mit dem Dialog hapert es manchmal noch. Auf der Webseite des Bistums Hildesheim gebe es zwar Videos, aber es sei keine Kommentierung möglich, sagt Internetredakteur Peter Lange. „Wir fühlen uns langsam rein.“ Das Jugendpastoral des Bistums ist da schon deutlich offener. Erfahrungsberichte, eine Gruppenseite beim weltweit größten Netzwerk Facebook sowie eine eigens für ein Jugendfestival gestaltete Webseite sind Teil des Webangebots.

Erwachsene Kirchenvertreter tun sich im Gegensatz zu ihren jugendlichen Mitgläubigen aber deutlich schwerer, das Web als weitere Kommunikationsplattform anzunehmen. „Bevor wir das Blog eingerichtet haben, gab es viele Diskussionen, ob wir uns so weit öffnen wollen“, sagt Annika Lippmann, Internetredakteurin des Bistums Osnabrück. Aber letztlich sei eine Mehrheit, angeführt von Bischof Bode selbst, für das virtuelle Tagebuch gewesen. Auch bei Facebook haben die Osnabrücker eine Seite eingerichtet. Wer will, kann sich dort als „Freund“ des Bistums eintragen. Der Schritt ins Web 2.0 sei ein Versuchsballon gewesen. „Wir wollten schauen, ob das überhaupt funktioniert“, sagt Lippmann. Daher habe man die Erwartungen auch nicht zu hoch gesteckt. Von ihrem sehenswerten Erfolg – die Facebook-Seite verzeichnet derzeit 122 „Freunde“ und unter vielen Blogeinträgen stehen Kommentare – sind die Macher positiv überrascht. „Wir wollen andere Wege beschreiten und die Menschen in unserem Bistum erreichen.“ Selbst Papst Benedikt äußerte sich Anfang dieses Jahres zum Web und forderte katholische Geistliche dazu auf, dem „Kommunikationsstrom des Internets eine Seele zu geben“. Priester müssten auch Blogs und Onlinevideos zur Evangelisierung nutzen, der Einsatz des Internets sollte Teil der Priesterausbildung werden, so die Botschaft des Papstes.

„Web 2.0 ist langfristig ein Thema für alle Altersgruppen“, sagt Peter Lange. Schließlich seien die Nachwachsenden mit den neuen Kommunikationsformen längst vertraut. Aber es müsse – gerade in der Kirche – noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.

[Dirk Kirchberg]

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