„Wer möchte mal das Frettchen streicheln?“, fragt Ninja Tränkler.
Von Thomas Wünsche
„Ich kann’s gar nicht glauben, dass unsere derzeit 75 Kleinen so lange durchhalten“, bemerkt Leiterin Renate Anderten gegen Ende der einstündigen Streichel-Show verwundert. Schade nur, dass wegen der Ferienzeit nicht alle Knirpse in der Kindertagesstätte sind und das tierische Spektakel erleben können.
Den Kontakt zwischen dem Zoo und der Kita Sinai haben Ina Arnold von der Medicare-Seniorenresidenz Rehren und Gisela Polensky von der Medicare-Seniorenresidenz Bückeburg hergestellt, in deren Einrichtungen Tränklers Tiere bereits zwei Mal ihren großen Auftritt gehabt haben. Und weil die bei den Senioren so gut ankommen, hat eine Handvoll von ihnen den Weg vom Kirschgarten in Bückeburg nach Heeßen auch dieses Mal nicht gescheut.
Der Grund fürs Engagement: „Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ihren Nachwuchs in den zwei Bad Eilser Kindergärten untergebracht“, sagt Arnold. Besonders schön dabei: „Medicare hat unseren Kleinen den Zoobesuch gesponsert“, freut sich Anderten.
Und diese Kleinen, die da im Halbrund im Gruppenraum sitzen, haben keinerlei Berührungsängste: Egal ob Frettchen, Kapuzineräffchen, Stachelschwein, Stinktier, Schweinsaffe, Babykrokodil, Riesenschlange, Riesenschildkröte oder Python: Es gibt keinen Exoten, der nicht von – fast – allen Knirpsen gestreichelt wird. Gestreichelt, nicht ohne dass die Kinder zuvor aus dem Munde von Karl Tränkler, Ninja Tränkler oder Martin Tränkler eine Menge Wissenswertes über die Tiere erfahren haben.
Seit über 40 Jahren werden in Tränklers Rollendem Zoo mit Sitz in Unna-Massen exotische Tiere auf den Kontakt mit den Menschen vorbereitet. Der Betrieb wurde von Karl Tränkler und seinen vier Brüdern gegründet. Heute wird er gemeinsam von Karl Tränkler, seiner Frau Ninja und seinem Sohn Martin geführt. Das Unternehmen, welches nun schon in der dritten Familiengeneration besteht, soll sich einen exzellenten Namen bei der Präsentation von exotischen Tieren erworben haben. Kein Wunder, denn beim Zeigen der Tiere werden – wie in Heeßen – die Ess- und Jagdgewohnheiten, Eigenheiten und die Herkunftsländer detailliert vorgestellt und erläutert. Anfassen ist nicht nur erlaubt, sondern sogar ausdrücklich erwünscht. Karl Tränkler: „Das Berühren eines Pythons, Stinktiers oder Stachelschweins ist eben nichts Alltägliches. Diese Tiere hautnah zu erleben ist etwas ganz Außergewöhnliches und pädagogisch sowie therapeutisch Wertvolles im Leben eines Menschen.“ Sein Rollender Zoo bringt Kinder mit Tieren in Kontakt, damit sie sie schätzen und schützen lernen. „Neben dem Tierschutz“, sagt Martin Tränkler, „gibt es aber auch noch andere positive Effekte: Studien belegen nämlich, dass Kinder durch den Umgang mit Tieren viel ruhiger und konzentrierter werden und füreinander mehr Respekt entwickeln.“ Durch exotische Tiere lernten die Kinder ebenfalls, mit ihren Berührungsängsten vor dem Unbekannten besser umzugehen.
Doch nicht nur für Kinder ist der „Rollende Zoo“ ein Erlebnis, wie das Beispiel von „Medicare“ zeigt. Weil es gerade für viele Senioren schwierig ist, selbst einen Zoo zu besuchen, haben sie dank des Familienbetriebs Gelegenheit, Exoten aus nächster Nähe zu sehen und anzufassen. „Dabei beginnen sich besonders demente Menschen an Vergangenes zu erinnern oder zeigen Gefühlsregungen wie ein Lächeln, wenn sie mit den Tieren Kontakt aufnehmen“, weiß Ninja Tränkler.
„Tränklers Rollender Zoo“ hat im September noch Vorstellungen frei. Wer möchte, kann unter 01 63-4 11 17 73 einen Termin vereinbaren.
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