Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Minden, Hameln & Nienburg „Ich töte dich“
Aus der Region Minden, Hameln & Nienburg „Ich töte dich“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:40 29.05.2017
Am Abend des Überfalls wurde auch der BMW des 19 Jahre alten Hamelners, der jetzt erheblich verletzt im Krankenhaus liegt, zerkratzt. Quelle: pr.
Anzeige
Hameln

Er müsse operiert werden, habe am ganzen Körper Prellungen, Zerrungen, Wunden und eine Wirbelsäulenverstauchung davongetragen, sagt die Hamelnerin.

 Mit Fäusten, Tritten und Kniestößen hätten die Täter ihren Freund krankenhausreif geprügelt. Es fällt ihm schwer, zu atmen. Der Mann, der den Überfall angezettelt haben soll, ist der Ex-Freund der Hamelnerin – ein 18-jähriger Deutscher mit türkischen Wurzeln. Wenn es stimmt, was seine ehemalige Lebensgefährtin behauptet, dann geht es um verletzte Ehre, um krankhafte Eifersucht, um Wut, Gewalt, Unterdrückung und ein sonderbares Frauenbild. Die Abiturientin hat Angst, traut sich kaum noch aus dem Haus. Dennoch hat sie bei der Polizei Anzeige erstattet. Der Konflikt schwelt seit Monaten. Bevor der Schlägertrupp bei ihr auftauchte, soll das Auto des Paares am 8. Mai auf der B1 bei Afferde und wenig später auf der Deisterstraße ausgebremst und gestoppt worden sein. „Er hat uns gedroht: ,Ich töte dich! Du bist ein toter Mann – und du bist eine tote Frau.“

Anzeige

 Nach der Trennung Anfang des Jahres habe sie ihr Ex unaufhörlich verfolgt, bedroht, angespuckt , beleidigt und zuletzt sogar geschlagen, behauptet die Deutsche. „Er sieht mich als seinen Besitz an, möchte nicht wahrhaben, dass ich mit ihm Schluss gemacht habe und einen anderen Partner habe. Schon während der Beziehung soll der Deutsche mit türkischen Wurzeln besitzergreifend und über das normale Maß hinaus eifersüchtig gewesen sein. „Ich sollte mich nicht mehr zurechtmachen, kein Schweinefleisch mehr essen, keinen Alkohol trinken, durfte Geburtstage nur noch mit Freundinnen feiern und nicht mehr mit anderen Männern sprechen. Es ging sogar so weit, dass ich mir muslimische Traditionen aneignen sollte“, erzählt die Verängstigte im Beisein ihres Vaters.

Drei Männer namentlich bekannt

 Einmal sei sie mit ihrer Mutter in den Urlaub gefahren. „Er hat alles getan, um mir die Ferien zu vermiesen. Es hagelte SMS. Ich sollte mich schlecht fühlen und das Hotelzimmer nicht mehr verlassen. Er hatte Erfolg damit. Es hat ihn wütend gemacht, dass er in dieser Zeit keine Kontrolle über mich hatte“, erzählt die Hamelnerin. Irgendwann habe sie das alles nicht mehr ausgehalten und sich von ihrem Freund getrennt.

 Ihr ehemaliger Freund, sagt die junge Hamelnerin, trage lange Messer bei sich. Als sie am Sonnabend angegriffen wurde, dachte die 19-Jährige: „Die bringen meinen neuen Partner um.“ Ihr Ex-Freund habe sie heftig in den Bauch getreten. Während ihr Lebensgefährte weiter von mehreren Männern attackiert wurde, sei es ihr gelungen, zurück in ihre Wohnung zu laufen und den Notruf zu wählen. Zwei Fahrzeugbesatzungen hätten nach den Tätern gefahndet – erfolglos, sagt Hauptkommissar Jörn Schedlitzki. Drei der vier bis fünf Männer seien namentlich bekannt. „Wir haben Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung eingeleitet“, sagte der Beamte. „Im Zusammenhang mit dem Ausbremsen des Autos laufen bereits Verfahren wegen Nötigung.“ Am Montag schwärmten Polizisten aus, um den Aufenthaltsort des Ex-Freundes und seiner mutmaßlichen Komplizen herauszufinden. Grund: „Wir wollen Gefährderansprachen durchführen“, kündigte Schedlitzki an.

 Ob das fruchtet? Nach der Prügelattacke im Scharnhorstviertel war das Paar zunächst im Sana-Klinikum untersucht worden. Am Sonntag gegen 4 Uhr früh fuhren die Opfer heim. Die Mutter der 19-Jährigen folgte den jungen Leuten mit dem Wagen. „Ich hatte panische Angst, dass mein Ex mir noch einmal auflauert“, erzählt die Hamelnerin. Tatsächlich tauchte der 18-Jährige erneut auf. „Er hat das Auto meiner Mutter überholt, sich mit seinem Fahrzeug zwischen uns gesetzt und sie ausgebremst, sodass sie uns nicht mehr hinterherfahren konnte.“ ube