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Bad Rehburg Das Schlaflied einer Trollmutter
Das Schlaflied einer Trollmutter
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13:58 13.09.2013
Harfe, Gesang und Kontrabass bestimmen den Abend zur Freundschaftsmusik in der „Romantik Bad Rehburg“. Quelle: ade
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Von Beate Ney-Janssen

Bad Rehburg. Soviel vorweg: Zum Abschluss gab es als Zugabe ein norwegisches Schlaflied, das eine Trollmutter ihren elf kleinen Trollen im großen Bett vorsingt. Und da für diese Trollin laut Petter Udland Johansen der Gipfel der Poesie ein gesungenes „Ei, ei, ei, ei, buff“ sei, solle das Publikum doch bitte schön in diesen Refrain einstimmen. Das klappte auf Anhieb – und verwunderte wenig, da die drei Musiker es in den Stunden ihres Konzerts zuvor geschafft hatten, eine entspannte Stimmung zu schaffen, bei der alle Zuhörer wirklich gerne und aufmerksam gewillt waren zu lauschen.

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Angefangen hat der Abend mit einem gregorianischen Gesang. Werden solche ansonsten von Männerstimmen getragen, so gestaltete diesen Einstieg mit Arianna Savall die Frau in der Runde. Nur vom eintönigen Summen einer Klangschale untermalt, ließ sie das geistliche Lied hören, das dann nahtlos in den Gesang von Johansen überging. „The water is wide“ – ein traditionelles Lied aus Schottland – hatte er für diese Fortführung ausgewählt und wechselte zwischen dem Klang seiner Stimme und den Tönen seiner Hardangerfiedel. Erst nachdem er an diese schottische Liebesgeschichte auch noch die norwegische Variante von Tristan und Isolde gesetzt hatte und sowohl Savall ihre Harfe ertönen und der Dritte im Bunde – Miguel Àngel Cordero – seinem Kontrabass die ersten Töne entlockt hatte, durfte das Publikum zum ersten Applaus des Abends ansetzen. Es sollte beileibe nicht der letzte sein.

Als Trio „Hirundo Maris“ sind die drei Musiker bei den Niedersächsischen Musiktagen aufgetreten und hatten es sich unter dem Motto des diesjährigen Festivals „Freundschaftsmusik“ zum Ziel gesetzt, einen Bogen von katalanischer über nordische bis zu sepharischer Musik zu schlagen. Eine Nord-Süd-Reiseroute sollte es werden, die zeigt, wie nah Katalonien und Norwegen beieinander liegen können, wenn sie nicht auf der Landkarte, sondern durch die Töne der Musik betrachtet werden.

Angeregt worden sind die Musiker zu diesem außergewöhnlichen Brückenschlag allein schon durch ihre Biografien. Während Savall aus einer katalanischen Musikerfamilie stammt und in Basel aufwuchs, stammt Johansen aus Norwegen und Cordero aus Spanien. Dass sie sich in ihrer Musik diesen Wurzeln verpflichtet fühlen und dennoch offen für anderes sind, hat sie zu dem zauberhaften Programm inspiriert, das sie in der „Romantik“ präsentierten.

Der Brückenschlag ist gelungen, der Gesang war wundervoll, der Harfenklang berückend, und dass Lautmalerei so weit gehen kann, dass ein Kontrabass wie ein Möwenschrei klingen kann – welcher der Zuhörer hätte das vor diesem Abend für möglich gehalten? Das könne es gerne noch einmal geben, ist die Ansicht derjenigen gewesen, die nach dem Schlaflied der Trollmutter den Saal verlassen haben.