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Bad Rehburg Der Ursprung des Kurortes
Der Ursprung des Kurortes
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18:23 30.10.2012
1765 stand der Friedrichspavillon noch in der Kuranlage Bad Rehburgs und diente als Brunnenhäuschen. Nach dem Versiegen der Quelle wurde er im Wald der Bad Rehburger Berge aufgestellt.
1765 stand der Friedrichspavillon noch in der Kuranlage Bad Rehburgs und diente als Brunnenhäuschen. Nach dem Versiegen der Quelle wurde er im Wald der Bad Rehburger Berge aufgestellt. Quelle: ade
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Bad Rehburg (ade). „Den 27. des Nachmittags war ich nach der Quelle... Nicht weit hinter dem Brunnenhause, am Fuße des Berges, steigt man in ein Schacht hinunter, nur einige Fuß tief, ohngefähr 1 ½ Mannshöhe, alsdenn geht man in einem Stollen fort, welcher in den Berg hineinführt... Der Gang ist nur so breit, dass ein Mensch bequem darin geht, und die Höhe wie ein Kerl; an einigen Stellen besonders in der Nähe der Quelle muss man gebückt gehen. Übrigens muss man sich nur schlecht anziehen, weil man nass und schmutzig darin wird. An einigen Stellen ist der Gang gemauert, sonst aber nur in den Fels und schiefrigten Berg gearbeitet. Der Stollen geht 370 Schritt ohngefähr, alsdenn kömmt man an ein Bassin, welches nicht rund, sondern nach Gelegenheit des Ortes ungleich, um das Wasser, welches an verschiedenen Stellen hervorquillt, teils am Boden, teils in der Höhe… Aus diesem Bassin wird das Wasser… bis unter das Brunnenhaus geleitet. Wir tranken an der Quelle ein Glas, wo das Wasser ungleich mineralischer schmeckt, als wenn man ihn im Brunnenhause schöpft.“

Johann Christian Kestner ist es, der in einem Kurtagebuch so anschaulich seinen Besuch des Ursprungs des Kurortes Bad Rehburg beschreibt. Vom 9. bis zum 30. Juli 1765 hielt er sich in dem kleinen Ort auf – damals war das Kurleben dort noch schick und das Wasser sprudelte reichlich aus dem Rehburger Berg. Kestner gelangte später zu einer gewissen Berühmtheit, weil er Charlotte Buff heiratete. Sie zog den hannoverschen Juristen und Archivar dem Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe vor, der sich auf den ersten Blick in sie verliebt hatte. Dieses Erlebnis veranlasste Goethe zu seinem Roman ‚Die Leiden des jungen Werthers’, der kurz nach seinem Erscheinen eine Suizidwelle auslöste.

In Bad Rehburg kurte Kestner vor diesen Geschehnissen als einer von vielen Kurgästen, die sich von dem Wasser aus dem Rehburger Berg Heilung von vielen Leiden versprachen. Sein Forscherdrang und vielleicht auch eine gewisse Langeweile trieben ihn dazu, die Quelle aufzusuchen. Schon damals – so ist es seiner Schilderung zu entnehmen – ist der Weg beschwerlich gewesen. Heute ist der Zugang vollkommen versperrt.

„Wo ist denn nun die Quelle“, ist eine Frage, die in der ‚Romantik Bad Rehburg’, oft gestellt wird. Die Quelle als Ursprung und Mittelpunkt des Badeortes sei lange schon versiegt, ist die Antwort, die die Besucher dann bekommen. Der Standort sei auf dem Gelände der Teefabrik, die an den rückwärtigen Teil des Parks der ‚Romantik’ angrenze.

Dort, direkt am Fuß der Rehburger Berge, liegt der von Kestner beschriebene Einstieg unter einer Metallplatte verborgen. Wohl drei Meter geht es in die Tiefe, Wasser plätschert noch auf dem Grund und gurgelt vom Berg in Richtung der ehemaligen Kuranlage. Das sei allerdings Regenwasser, sagt Bad Rehburgs Ortsbürgermeister Jürgen Wagner, während er den Abstieg wagt. Unten angekommen versperrt in dem mannshohen Schacht nach rund zehn Metern eine Staustufe den Weg. Ein Bergwerkstollen sei es ursprünglich gewesen, erzählt Wagner. Dann wurde das Quellwasser entdeckt und mit ihm entstand der Kurort Bad Rehburg.

So beschwerlich wie Kestner seien jedoch die wenigsten Besucher an ihr Wasser gekommen. Vielmehr sei der Stollen weiter in Richtung der Kuranlagen getrieben worden. In einem Brunnenhäuschen plätscherte das Wasser dann an die Oberfläche. Dort wurde getrunken, was aus dem Berg kam. Das Brunnenhäuschen existiere immer noch, erzählt Wagner weiter. Als kein Wasser mehr sprudelte, sei es aber in den Wald der Bad Rehburger Berge versetzt worden – wer heute den Friedrichspavillon aufsucht, hat mit ihm das alte Brunnenhaus gefunden. Und die Quelle – sie soll mit dem Banner, das im Park der ‚Romantik’ aufgestellt wird, visualisiert werden. Der Einstieg, den Wagner gewählt hat, und über den Johann Christian Kestner schon 1765 berichtete, wird Besuchern auch weiterhin verwehrt bleiben.

Wer mehr über das Kurleben in Bad Rehburg im Jahr 1765 im Besonderen oder den Kuralltag jener Zeit im Allgemeinen wissen möchte, kann auf das Kurtagebuch Johann Christian Kestners zurückgreifen. Unter dem Titel ‚Die wahre Brunnenfreiheit’ hat Alfred Schröcker die Notizen Kestners herausgegeben und kommentiert. Erschienen ist das Buch im Wehrhahn-Verlag, ISBN 3-86525-023-8.