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Bad Rehburg Flatternder Puck in der „Romantik“
Flatternder Puck in der „Romantik“
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15:07 11.08.2013
Rollenwechsel: als Titania tänzelt Bernd Lafrenz über die Bühne. Quelle: ade
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Bad Rehburg (ade). Wenn Oberon dem Puck bekennt, dass er „unglaublich viel Stress“ mit seiner Frau Titania hat, dann ist das eines von vielen Beispielen dafür, wie frei Bernd Lafrenz die Vorlagen Shakespeares bearbeitet, sie zu seinem ureigenen Stück macht und sich nur dort um die Reime des Dichters kümmert, wo es ihm in den Kram passt.

So eigenwillig, wie er mit den Texten arbeitet, so eigenwillig ist auch der Rest der Inszenierung. Nicht nur, dass er aus einigen Holzgestellen und Bilderrahmen die engen Gassen von Athen entstehen lässt. Nicht nur, dass er sein Publikum dazu bringt, für das Marktgewimmel zu sorgen, indem es die Rufe der feilschenden Händler und das Blöken, Gackern und Wiehern auf dem Tiermarkt anstimmt.

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Nein, das Besondere an der Inszenierung von Lafrenz liegt auch darin, dass er es eben ganz allein ist, der den Sommernachtstraum auf die Bühne bringt. Eben noch als Puck mit flatternden Palmwedeln, dann als Titania, die – verliebt in den eselköpfigen Handwerker Zettel – über die Bühne tänzelt, stellt er gleich darauf die unglückliche Helena dar. Mehr als eine stets wiederkehrende Geste braucht er nicht, um klar zu machen, dass jetzt Helena spricht: der Loreley gleich kämmt sie sich ein ums andere Mal ihr – güldenes? – imaginäres Haar.

Die Rollenwechsel liegen Lafrenz gut. Die vielen Charakter des Sommernachtstraums scheint er mit Leichtigkeit in sich zu vereinen. Was er aber auch kann und was ihm noch mehr Sympathien vom Publikum einbringt, das ist es, auf die kleinen Dinge einzugehen, die am Rande einer Freilichtbühne nun einmal passieren. So geschehen in Bad Rehburg, als just die Handwerkertruppe im Wald bei Athen sich dem Ende ihrer Proben für das Stück zu Theseus Hochzeit nähert. Das Glöckchen im Turm der „Romantik“ schlug einfach nur, was die Stunde ihm vorgegeben hatte. Lafrenz griff das auf und ließ den Handwerksmeister sagen: „Horch, man läutet schon die Glocken für das Stück.“

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