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Bad Rehburg Kleiner Grenzverkehr
Kleiner Grenzverkehr
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19:50 26.07.2010
David Gilberg, Rudolf Hildebrandt und Horst Ostermeyer arbeiten gemeinsam an der Treppe, die eine Verbindung zwischen den Parks schaffen soll. Foto: ade
David Gilberg, Rudolf Hildebrandt und Horst Ostermeyer arbeiten gemeinsam an der Treppe, die eine Verbindung zwischen den Parks schaffen soll. Foto: ade
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In den vergangenen Wochen, bei der großen Hitze, sagt Rudolf Hildebrandt, sei er gerne zum Sonnen in den Kurpark gegangen. Damals musste er einen Abhang herunter und durch ein Loch im Maschendrahtzaun steigen. Künftig wird der Weg für ihn bequemer sein – und dafür schwingt er die Spitzhacke.
Hildebrandt ist einer der Patienten der Fachabteilung. Er gehört zu den Freigängern, die dort im Maßregelvollzug therapiert werden. In seinen freien Stunden darf er in den Park der Fachabteilung gehen, sich aber auch im Ort aufhalten. Ein wenig mehr Ruhe habe er im Kurpark, sagt er, deshalb ziehe es ihn oft an die „Drei Teiche“. David Gilberg, ebenfalls Patient und am Bau der Treppe beteiligt, schwärmt von den Vögeln und Fröschen, die er an den Teichen beobachten kann.
Zu einer Gemeinschaftsproduktion wird die Treppe durch den Einsatz von Horst Ostermeyer. Ein Handlauf solle noch her, sagt der Bad Rehburger, während er eine Sandsteinplatte ins Kiesbett legt.
Viele Jahre wurde in Bad Rehburg über diese Treppe diskutiert. Zuletzt war es Ortsbürgermeisterin Isolde Dralle, die sich konsequent bei der Stadt und der Klinik für das Projekt einsetzte. Sie will erreichen, dass der „Grenzverkehr“ einen offiziellen Charakter bekommt. Die Patienten sollen, ohne schief angesehen zu werden, in den Kurpark gehen können. Bei Besuchern des Kurparks hingegen solle die Neugierde auf das, was jenseits der Stufen liegt, geweckt werden. „Vielleicht kommen dann auch mehr Menschen, die die kostenlosen Angebote der Klinik, wie Boule und Minigolf spielen, nutzen werden“, meint Dralle. Was sie besonders freut: Es habe Zeiten gegeben, zu denen die Bad Rehburger den Zaun zwischen den Parks gerne doppelt so hoch gesehen hätten. Da sei ein Sinneswandel in der Bevölkerung eingetreten.

23.07.2010