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Bad Rehburg Vom Heavy-Metal-Poser zu Buschs Enkel
Vom Heavy-Metal-Poser zu Buschs Enkel
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18:08 08.04.2011
Bei der Arbeit: Aus der Skizze macht Miguel Fernandez eine Tuschezeichnung, am Computer koloriert er sie anschließend. Quelle: ade
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Bad Rehburg/Hagenburg (ade). Das MAD-Magazin, die „Bild am Sonntag“ und auch „Fix und Foxi“ haben seine Werke schon abgedruckt. Wer sich Cartoons gerne ansieht, der wird schon das eine oder andere Mal über das gelacht haben, was Miguel Fernandez erdacht hat. Eine eigene Ausstellung, die nur ihm gewidmet ist, die hat er bisher allerdings noch nicht bekommen. Umso mehr freut es ihn, dass er damit in Bad Rehburg nun aufwarten kann – denn schließlich ist er in Rehburg aufgewachsen.

Die „Romantik“ kennt er noch aus der Zeit ihres Dornröschenschlafs, als die historische Kuranlage nicht genutzt wurde und zu verfallen drohte. „Da gibt es Fotos, die wir dort gemacht haben – als Heavy-Metal-Poser“, erinnert sich der 36-Jährige. Das hätten wohl alle Jugendlichen irgendwann gemacht, sagt er schmunzelnd. In einer Kiste würden die Fotos noch schlummern. Nein, zeigen wolle er sie nicht – das sei dann doch zu peinlich.

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Nach der Schule wollte Fernandez, der seit einigen Jahren mit Frau und zwei kleinen Kindern in Hagenburg lebt, erst etwas „Vernünftiges“ lernen und begann eine Lehre im wirtschaftlichen Bereich. Steuerberatung und Co. waren dann aber doch nicht sein bevorzugtes Tätigkeitsfeld, so dass er umschwenkte und Visuelle Kommunikation studierte. Der nächste Schwenk in eine andere Richtung kam nach dem Diplom – in der Werbung hätte er sich nun eigentlich eine Arbeit suchen müssen. Aber das sei ein hartes Geschäft, bei dem „viel Ellenbogen“ nötig sei, meint er. Lieber wollte er machen, was in seiner Schulzeit schon manchen Lehrer zur Verzweiflung trieb, wenn sein Stift im Unterricht wieder einmal Bilder entstehen ließ: das Zeichnen. So wurde Miguel Fernandez Cartoonist.

„Es kommt darauf an, die Zeichnungen auf das Wesentliche zu reduzieren“, sagt er und zeigt, wie er sich selbst oftmals diszipliniert und eigentlich überflüssige Elemente aus seinen Cartoons entfernt. Lustig soll das sein, die Menschen zum Lachen bringen, was er für Postkarten und Plakate, für Geschenkbücher, Zeitungen und Zeitschriften entwickelt. Die „ganz bösen“ Cartoons überlässt er anderen Zeichnern. Mit seinen Ansichten will er niemanden verletzen.

Dass er Erfolg hat mit seiner Arbeit und in der Cartoonisten-Szene anerkannt ist, das hat er zum ersten Mal richtig zu spüren bekommen, als er eine Einladung bekam, sich an einer Ausstellung im Historischen Museum Hannover zu beteiligen. „Wilhelm Buschs Enkel“ sollten dort 2007 gezeigt werden. „Wahnsinn: Da waren Zeichnungen, die ich als Kind in der Micky Maus gesehen habe – und meine Arbeiten hingen zwei Meter daneben“, staunt er noch heute. Ein weiteres Highlight für ihn war, dass das Plakat zu der Ausstellung aus seiner Feder stammte.

Mit seiner ersten ganz und gar eigenen Ausstellung zeigt Miguel Fernandez nun in der „Romantik Bad RehburgCartoons, die er auf das Wesentliche reduziert hat, ebenso wie großflächige Wimmelbilder. Wie ein Cartoon entsteht, belegen Skizzen und Ausdrucke. Was am Anfang einer jeden Zeichnung steht, die Idee, das gibt er allerdings nicht aus der Hand, sondern trägt es immer bei sich: In einem kleinen Notizbuch zeichnet, kritzelt und schreibt er zu jeder sich bietenden Gelegenheit. „Eine Idee ist nach einer halben Stunde vergessen, wenn ich sie nicht notiere“, sagt er. Das Büchlein ist der Beginn von allem. Zur Vernissage am Freitag, 15. April, 19 Uhr, wird er es auch mitbringen – und die Gäste vielleicht einen Blick hineinwerfen lassen.

Die Ausstellung „Gegen den Strich“ ist in der „Romantik Bad Rehburg“ bis zum 13. Juni zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis sonntags, 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist für Kinder bis zwölf Jahre frei, ab 13 Jahre kostet es zwei Euro.