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Loccum „Den Einsatz in Frieden beenden“
„Den Einsatz in Frieden beenden“
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21:52 28.08.2009
Gesprächsrunde außerhalb der Schusslinie: Der Direktor der Heimvolkshochschule, Rainer Bungenstock, und seine Hotelleiterin Gabriele Engelking erkundigen sich bei den Soldaten nach weiteren Wünschen.
Gesprächsrunde außerhalb der Schusslinie: Der Direktor der Heimvolkshochschule, Rainer Bungenstock, und seine Hotelleiterin Gabriele Engelking erkundigen sich bei den Soldaten nach weiteren Wünschen. Quelle: ade
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Loccum. „Wir gehen aus der Schusslinie“, grinst Feldwebel Hans-Jürgen Block. Abseits der Seminarräume meint er damit, denn an diesen Tagen in der Loccumer Heimvolkshochschule sind die einzigen Geschütze, die abgefeuert werden, die Erlebnisse und Erfahrungen der Soldaten.

Es ist bereits die sechste Gruppe in diesem Jahr, die für zweieinhalb Tage auf dem Gelände ist. Bis auf einige Vorgesetzte, die für die Organisation zuständig sind, tragen alle vom Gefreiten bis zum Offizier zivile Kleidung. „Das ist Programm“, sagt Thomas Bernhardt, der die militärische Verantwortung für die Seminare trägt. Schließlich gehe es darum, Soldaten dazu zu bringen, über ihre Emotionen zu reden. Seit 2004 würden Soldaten nach Auslandseinsätzen diese Seminare angeboten. „Einsatznachbereitung“ nennt sich das, hat aber nichts mit militärischen Strategien zu tun.

„Wir wollen, dass jeder Soldat hier seinen Einsatz in Frieden beenden kann“, sagt Informationsfeldwebel Thomas Ehring. Der Austausch untereinander soll helfen, die lange Zeit im Ausland – Einsätze dauern bis zu sechs Monate – zu verarbeiten.

„Die Erlebnisse in den Krisengebieten zu verarbeiten war die ursprüngliche Intention“, berichtet Bernhardt. Dann habe sich aber herauskristallisiert, dass für viele Soldaten auch die Rückkehr ein Problem sei. Soldat Christian Duwe kann davon ein Lied singen. Im Mai dieses Jahres kam er von einem Einsatz im Kosovo zurück. „Was suchst du denn?“, fragte ihn seine Partnerin, als er hektisch an sich herunterschaute. Seine Antwort verblüffte ihn selbst: „Mein Gewehr.“ Monate im Ausland, 24 Stunden täglich mit den Kameraden zusammen, mit dem Gewehr als ständigem Begleiter – da sei Familie und Partnerschaft zunächst etwas Fremdes, bekennt Duwe.

Thomas Müller ist einer von 16 Moderatoren. Acht bis zwölf Teilnehmer hat jede Gruppe, jeweils zwei Moderatoren sind ihnen zugeteilt. „So können wir auch Einzelgespräche anbieten“, sagt der pensionierte Bundeswehrangehörige. Worauf geachtet werde sei, dass jeder der Moderatoren Auslandserfahrung habe.
Hier in Loccum drehe sich vieles um die privaten Probleme. Müller führt das darauf zurück, dass sämtliche dieser Soldaten im Kosovo stationiert waren. „Das Gefährlichste dort ist der Straßenverkehr“, wirft Presse-Feldwebel Ehring ein, nach Einsätzen in Afghanistan sehe die Gesprächslage anders aus.

Auch wenn diese Soldaten „nur“ im Kosovo stationiert waren, hat ihre Zeit dort doch jeden von ihnen geprägt. Der zu Beginn des Gesprächs noch grinsende Feldwebel erzählt, dass er einmal einem Kind im Kosovo Schokolade schenkte. „Der Großvater musste dem Kind erst erklären, dass das etwas zum Essen ist.“ ade

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