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Loccum Ein Double für den Bischof
Ein Double für den Bischof
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00:17 28.03.2013
Die Ansichten von Martin Luther und Bernhard von Clairvaux zu Leben und Tod stellt Arend de Vries in den Mittelpunkt des Fernseh-Gottesdienstes.
Die Ansichten von Martin Luther und Bernhard von Clairvaux zu Leben und Tod stellt Arend de Vries in den Mittelpunkt des Fernseh-Gottesdienstes. Quelle: ade
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Loccum (ade). „Dieser Gottesdienst wird wie jeder Gottesdienst sein“, sagt Arend de Vries, „mit Verkündigung, Gebet, Gotteslob und viel Musik – und mit ein bisschen mehr.“ Das ‚Mehr’, das dieser Gottesdienst haben soll, den voraussichtlich 800 000 Zuschauer sehen werden, wird die Begegnung von zwei Männern vor dem Altar sein, die sich im wirklichen Leben niemals begegnet sind: Bernhard von Clairvaux und Martin Luther.

„Das Thema des Gottesdienstes ist die Gegenüberstellung von Leben und Tod“, sagt de Vries – welche Ansichten Clairvaux als einer der bedeutendsten Mönche des Zisterzienserordens auf der einen Seite und der Reformator Luther auf der anderen Seite zum Tod haben, werden zwei Schauspieler darlegen, deren Text nahezu ausschließlich aus Zitaten der beiden Kirchenleute besteht.

Dass sich ausgerechnet diese Männer in Loccum begegnen, sagt de Vries, liege an der besonderen Situation des Klosters. Schließlich sei es nicht alltäglich, dass ein von den Zisterziensern gegründetes Kloster nun evangelisch sei und sich trotz klarem protestantischen Bekenntnisses auch einige mönchische Traditionen bewahrt habe.

Ein sichtbares Zeichen für diese in mancherlei Hinsicht gelebte Ökumene steht seit einigen Wochen im nördlichen Seitenschiff der Klosterkirche: ‚Amplexus’ – Umarmung – ist der Name einer kleinen Plastik. Einträchtig knien dort Clairvaux und Luther links und rechts des Kreuzes, von dem Jesus sich herunterbeugt, um beide zu umarmen.

So viel zum Thema. Was Besucher des Gottesdienstes ansonsten erwartet: eine Predigt von Landesbischof Ralf Meister, viele Kameras in der Kirche und ein straffer Zeitplan. Pünktlich um 10 Uhr beginnt die Zeremonie, um 11 Uhr wird das Bild der Loccumer Kirche auf den Bildschirmen ausgeblendet.

Dazwischen liegt harte Arbeit für alle Beteiligten. De Vries beispielsweise hat alle Lieder zu Hause mit der Stoppuhr in der Hand gesungen. Nun schwenkt er 18 Seiten Drehbuch bei denen es darauf ankommen wird, den Zeitplan nicht nur minutiös, sondern auf die Sekunde genau einzuhalten.

Damit das wirklich klappt, probt die ARD mit allen Beteiligten am Ostersonnabend fünf Stunden lang. Für Ostersonntag sind sieben Stunden Proben vorgesehen. Manche der Beteiligten bekommen allerdings kleine Sonderrechte eingeräumt, wie etwa der Bischof selbst. „Er ist erst bei der Generalprobe am Sonntag dabei“, erzählt de Vries und schmunzelt, „vorher werde ich sein Double sein.“
Dabei sein und nicht nur vor dem Bildschirm
Zum Fernseh-Gottesdienst sind auch und gerade Besucher in der Kirche und nicht nur vor den Fernsehern willkommen – schließlich wirft es ein besseres Bild auf die Region, wenn der Bischof nicht in solcher Öffentlichkeit vor leerem Haus predigt. Wer dabei sein will, muss sich allerdings etwas früher auf den Weg machen. Einlass in die Klosterkirche ist am Ostermontag, 1. April, von 9.15 bis 9.40 Uhr. Der Gottesdienst selbst beginnt um 10 Uhr und wird live im Programm der ARD übertragen.