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Loccum Keine Beleidigung: Bei Barbara Kruhöffer „piept“ es
Keine Beleidigung: Bei Barbara Kruhöffer „piept“ es
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18:53 06.06.2011
Eine besondere Pfeife mit zwei Kammern bläst Barbara Kruhöffer hier: Eine wird mit Wasser gefüllt, die zweite erzeugt ihren Klang durch Luft. © ade
Eine besondere Pfeife mit zwei Kammern bläst Barbara Kruhöffer hier: Eine wird mit Wasser gefüllt, die zweite erzeugt ihren Klang durch Luft. © ade
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Loccum (ade). „Das müssen Sie sich anhören“, sagte sie. Flugs nimmt Kruhöffer eine der tönernen Figuren aus dem Schrank, Sekunden später erklingt ein trillernder Laut aus dem Badezimmer. Dort hat sie Wasser in die „Nachtigall“ gefüllt – so werden die Tonpfeifen genannt, deren Töne erst mit einer Wasserfüllung richtig schön zur Geltung kommen.

Andere wiederum funktionieren durch einfaches Blasen in die kleinen Öffnungen, ganz ohne die Gefahr, das Wasser übersprudeln zu lassen. „Je größer die Pfeifen sind, desto tiefer wird der Ton“, erklärt Kruhöffer. Die Bandbreite der Töne, die sie erzeugen kann, ist demnach groß: von winzigen Pfeifen, die kaum größer als ein Fingerglied sind, bis zu einer Gruppe tönerner Figuren, die fest in zwei Händen gehalten werden muss, tummeln sich Pfeifen und Flöten in den Vitrinen.

1974 sei sie von der Sammelleidenschaft für Tonpfeifen infiziert worden, erzählt Kruhöffer. Damals besuchte sie in Berlin die Ausstellung „Tönender Ton“, kaufte sich einige der kleinen Instrumente und hatte damit den Grundstock gelegt.

Pfeifen sind nicht das Einzige, was die Loccumerin sammelt. Christliche Themen haben es ihr ansonsten angetan, eine umfangreiche Krippensammlung gehört ihr, das Paradies hat sie in zahlreichen Ausführungen und auch Ostern und die Passionszeit spielen eine große Rolle. Hähne hat sie schon als Kind gesammelt, damit hat das Sammeln bei ihr eigentlich begonnen.

Als die ersten Hähne ihr Regal zierten, bekam sie immer mehr davon geschenkt. „Mein kleiner Bruder hat mir damals aus Stroh und Laub einen Misthaufen gebastelt, auf den ich die Hähne stellen konnte“, berichtet sie lachend.

Die Pfeifensammlung, sagt sie, sei entstanden, weil es diese Art von Klangkörpern in allen Ländern der Erde gebe und weil „die so schön ins Gepäck passen“. Klein und fein ist so manches tönerne Stück, das ihr auf ihren Reisen begegnete, in ihren Koffer gewandert ist und anschließend seinen Platz in ihrer Wohnung gefunden hat.

Dort stehen nun Pfeifen in schlichter Vasenform neben kleinen Stieren, Fischen und Vögeln. Aus Japan kommt eine feine Porzellanschale. Durch ein winziges Loch im Rand wird dort beim Trinken Luft aus einem Hohlraum angesaugt und erzeugt einen schlürfenden Ton – geräuschlos kann niemand aus dieser Schale sein Getränk zu sich nehmen.

Ging es den Töpfern mancher Pfeifen mehr darum, ein dekoratives Stück zu schaffen, so haben sich andere mit der Klangqualität auseinander gesetzt. Manche der Pfeifen und Flöten – mit einem Luftloch ist es eine Pfeife, mit mehreren eine Flöte – sind bunt bemalt, andere haben ihren erdigen Farbton beibehalten.

Dass sie so gerne viele Dinge sammelt, hat Kruhöffer nie bereut. Einen Teil ihrer Sammlung würde sie aber schon gerne abgeben – rund 100 der tönernen Pfeifen hat sie doppelt. Was sie in den Zimmern ihrer Wohnung aufgebaut hat, davon will sie sich aber nicht trennen. Ab und zu holt sie eine der Pfeifen hervor und lässt sie trillern. Schmunzelnd meint sie: „Aber nicht, dass jemand sagt ‚Bei der piept es ja.‘“